ADB:Scribani, Karl

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Artikel „Scribani, Karl“ von Franz Heinrich Reusch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 486–487, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Scribani,_Karl&oldid=3478549 (Version vom 19. Februar 2019, 19:30 Uhr UTC)
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Scribani: Karl S., Jesuit, geboren 1561 zu Brüssel, † am 24. Juni 1629 zu Antwerpen. Er war der Sohn eines Edelmanns aus Piacenza, der mit Alessandro Farnese, Herzog von Parma, nach Belgien gekommen war. Er wurde zur Erziehung nach Köln geschickt, wo er am 6. März 1582 Magister Artium wurde. In demselben Jahre trat er in Trier in den Jesuitenorden und war dann, abgesehen von einer zweimaligen Reise nach Rom, bis zu seinem Tode in Belgien thätig, als Professor in Antwerpen und Douay, als Rector verschiedener Collegien und als Provincial. Er trug viel zur Befestigung und Ausbreitung des Ordens in Belgien bei, übte einen großen persönlichen Einfluß in weiten Kreisen und genoß das Vertrauen Urban’s VIII., Ferdinand’s II. und Philipp’s IV. Außer einer Anzahl von Erbauungsschriften in lateinischer und flämischer Sprache verfaßte er einige geschichtliche und polemische Schriften: „Antwerpia“ und „Origines Antwerpiensium“, beide 1610; „Veridicus Belgicus seu civilium apud Belgas bellorum, progressus, finis optatus“, 1624, auch flämisch erschienen; „Politicus christianus“, Philipp IV. gewidmet, 1624; Justi Lipsii Defensio postuma“ 1608 (abgedruckt in dem Sammelwerke J. Lipsii fama postuma, s. A. D. B. XVIII, 745); „Orthodoxae fidei controversa“ in 6 Büchern (3 Octavbändchen) 1609–12. Am meisten Aufsehen erregten zwei pseudonyme Schriften: „Ars mentiendi Calvinistica cum vero commentario Romani Veronensis“, Mainz 1602, und „Clari Bonarscii Amphitreatrum honoris, in quo Calvinistarum in Societatem Jesu criminationes jugulatae, Palaeopoli Aduaticorum“ (Antwerpen) 1605, 2. Aufl., mit einem 4. Buche vermehrt, 1606. Das letztere Werk vertheidigt und verherrlicht in Prosa und in Versen (die Oden im 3. Buche sind von dem Jesuiten Maximilian Habbeque) die Gesellschaft Jesu und die Gewalt des Papstes auch in weltlichen Dingen und enthält maßlose Schmähungen gegen die Calvinisten, auch hämische Bemerkungen über protestantische Schriftsteller, Pasquier, Scaliger u. a., und über katholische Gegner der Jesuiten in Frankreich, den ältern Anton Arnauld, den königlichen Advocaten Louis Servin und den Parlamentspräsidenten de Harlay. Servin’s Versuch, Heinrich IV. zur Unterdrückung des Buches zu veranlassen, wurde durch dessen Beichtvater, den Jesuiten Coton vereitelt. Dieser behauptete, wie in einem Arrêt des Pariser [487] Parlamentes vom 22. December 1611 angegeben wird, anfangs, das Buch sei von Calvinisten verfaßt, ließ sich aber die Verbreitung desselben in Frankreich angelegen sein. Casaubonus charakterisirte die Schmähschrift eingehend in der Epistola ad Frontonem Ducaeum von 1611 (Epistolae ed. Almeloveen, Rot. 1709, Ep. 730, p. 390). Scribani’s Ordensgenosse A. Schott (s. A. D. B. XXXII, 393), der mit Casaubonus befreundet war, suchte ihn zu beschwichtigen und schickte ihm in Scribani’s Auftrage ein Exemplar der Orthodoxae fidei controversa. Casaubonus nennt das Buch, wie Scaliger, Amphitheatrum horroris. Als Gegenschrift erschien: „Paraleipomena ad Amphitheatrum honoris Jesuitarum. Ex recensione Petri de Wangen“, Lugduni 1611.

Hurter, Nomenclator I, 572. – Paquot, Mémoires I, 307. – de Backer. – Clement, Bibliothèque curieuse V, 45. – R. Krebs, Die polit. Publicistik der Jesuiten, 1890, S. 53, 158. – H. Bernays, J. J. Scaliger, S. 83, 211. – J. M. Prat, Recherches sur la Comp. de Jésus du temps du P. Coton, 1876, II, 438.