ADB:Siber, Johannes

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Siber, Johannes“ von Karl Steiff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 131–132, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Siber,_Johannes&oldid=3478569 (Version vom 23. Februar 2019, 23:44 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 34 (1892), S. 131–132 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Januar 2019, suchen)
GND-Nummer 138430934
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|34|131|132|Siber, Johannes|Karl Steiff|ADB:Siber, Johannes}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=138430934}}    

Siber: Johannes S. (Syber, französisch: Cyber), ein deutscher Buchdrucker in Lyon am Ausgang des 15. Jahrhunderts. Ist über seine Herkunft auch nichts Näheres bekannt, so ist sein deutscher Ursprung doch durch den Beisatz Alemannus den er seinem Namen gibt, sicher gestellt. Man kennt bis jetzt nur sieben Drucke von ihm, welche alle seinen Namen tragen: zwei aus dem Jahre 1478, medicinischen Inhalts, die er in Gemeinschaft mit Martin Huß hergestellt hat, drei aus dem Jahre 1482, commentirte Ausgaben von Theilen des römischen und kanonischen Rechts, und endlich zwei undatirte, darunter eine illustrirte lateinische Bibel mit den Postillen des Nikolaus de Lyra. Alles sind stattliche, z. Th. sehr umfangreiche Werke, was die Annahme nahe legt, daß S. nur größere Drucke mit seinem Namen gezeichnet hat. Denn daß er auch sonst noch als Drucker thätig gewesen, ist außer Zweifel. Es geht dies schon aus der Thatsache hervor, daß er noch 1493 als Besitzer einer Presse vorkommt und zwar hatte er damals dem Arzte Jean Thibaud als Miethsentschädigung für die Wohnung in der Rue Bourg-neuf außer 60 Livres ein Exemplar von jedem Buch, das er druckte, zu überlassen.

Von seinem Druckerzeichen haben wir zwei verschiedene Arten gefunden; die wesentlichen Stücke desselben sind, in verzierter Umrahmung, ein Herz, das durch einen schiefen Querstrich in zwei ungleiche Hälften getheilt ist; in der oberen, [132] größeren ist ein Stern, von einem rechten Winkel umschlossen, dessen einer Schenkel aufwärts bis zur Umrahmung verlängert, von zwei Querstrichen gekreuzt und oben umgebogen ist. In der einen Gestalt des Druckerzeichens, merkwürdiger Weise nicht in beiden, findet sich in dem Herz auch ein Sieb, offenbar mit Anspielung auf den Namen des Mannes.

S. ist unter die gelehrten Buchdrucker zu zählen; denn das Opus digesti veteris et novi von 1482 hat er selbst corrigiert. Es sei darum bemerkt, daß in der Basler Universitätsmatrikel beim Jahr 1460 ein Johannes Syber de Wangen und in der von Freiburg i. Br. beim Jahr 1462 ein Johannes Sibber de nor[d]lingen vorkommt. Möglich, daß der Eine oder der Andere von diesen mit unserem Drucker eins ist. – Mit S. wird von allen Bibliographen Johann Sibert identificirt, von welchem man einen Lyoner Druck aus dem Jahr 1498 (Hain 3682) kennt. Wir halten dies für sehr gewagt. Die Aehnlichkeit der Namen beweist natürlich nichts; man müßte vielmehr einen Druckfehler annehmen, der aber ganz unwahrscheinlich ist, und hätte außerdem eine von S. sonst nicht gebrauchte Genitivform („per mag. Johannem siberti“) mit in den Kauf zu nehmen. Namentlich aber sprechen auch die Typen dagegen. Denn in keinem der Drucke Siber’s, welche verglichen werden konnten – und es war dies nur bei zwei nicht möglich –, finden sich die Typen des Sibert’schen Drucks.

Vgl. Péricaud, Bibliographie lyonnaise, 2e éd. [I.], 1851, p. 2 sqq. II., 1852, p. 11. Die Drucke Siber’s findet man ebendort, sowie auch bei Hain, Repertorium typogr. 2513. 3163. 3601. 9542. 9603. 15197, wozu Brunet, Manuel du libraire, 5e éd. III., 1862, col. 1675 eine Ergänzung gibt.