ADB:Stechow, Michael

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Artikel „Stechow, Michael“ von Gustav Roethe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 539, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Stechow,_Michael&oldid=3478708 (Version vom 24. Februar 2019, 03:58 Uhr UTC)
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Stechow: Michael St. (Stechau), geistlicher Dichter des 17. Jahrhunderts, Magister der Philosophie, um 1630 geboren, trat 1666 oder 1667 in den Elbschwanenorden, in dem ihn der Palatin Rist selbst zum Dichter krönte; sein Ordensname war Ristisander. Damals hatte er die Pfarre zu Berseckau (heute Barsikow bei Neustadt a. d. Dosse) inne; von seiner dortigen Wirksamkeit zeugt noch heute eine in das älteste Kirchenbuch von ihm eingetragene, vom 12. Dec. 1670 datirte „Kirchen-Agenda“, die in 18 Capiteln die amtlichen Obliegenheiten des Barsikower Pfarrers und die Rechte der Pfarre darlegt. 1677 oder früher hat er diese seinem Schwiegersohn Joh. Schneider eingeräumt und war selbst Fürstlich Holsteinischer Feld- und Hofprediger bei dem Westenfeldschen Regiment geworden; am 10. Aug. 1679 setzte ihn die Gunst des Patrons Franz Kurt v. d. Knesebeck in die Pfarre von Nordsteinbeck (jetzt Nordsteimke bei Vorsfelde im Braunschweigischen) ein, die er aber, wegen anstößiger Lebensführung mit gerichtlicher Untersuchung bedroht, Mai 1681 in aller Stille verließ; es heißt, daß er später noch Jurist geworden. Also ein wunderlicher Heiliger, ein frommer Mann mit ausgesprochener unruhiger Neigung zum Abenteuern, wie das Jahrhundert des großen Krieges so manche hervorgebracht.

Als Nordsteimker Pfarrer veröffentlichte er seine mindestens theilweise schon vor 1677 verfaßten „Psalmen Davids“ (Braunschw. 1680), denen er seinen litterarischen Ruhm dankt. Diese Versificirung des Psalters war ursprünglich aus ganz individuellen Anlässen, aus dem Eindruck von Verfolgungen und Kriegsleiden aller Art erwachsen und nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt. Aber der bewundernde Beifall von Gönnern und Freunden, vor allem die sozusagen officielle Anerkennung der Mansfeldischen Regierung veranlaßte ihn, die Arbeit drucken zu lassen. Er weiß wohl, daß er nicht der erste poetische Psalmenübersetzer ist, wenngleich er den wahren Umfang dieser deutschen Psalterlitteratur nicht zum zehnten Theil überschaut. Er meint einem Bedürfniß dadurch zu genügen, daß er seine Psalmen nicht in Lobwasser’s und Opitz’ Art für Goudimel’s Melodieen einrichtet, sondern sie den Weisen bekannter Kirchenlieder anpaßt. Als Vorgänger kennt er in diesem Bestreben Corn. Becker, an den er sich denn auch z. B. beim 23. Psalm unverkennbar anlehnt; aber er ist bemüht, den Anforderungen der neuen glatten poetischen und metrischen Technik besser zu genügen und sich zugleich an den Wortlaut der Bibel enger anzuschließen; einige, in der Kirche festgewurzelte Psalmendichtungen Luther’s u. A. nimmt er unter seine Reime auf, schließt ihnen dann aber noch eine eigene Uebersetzung desselben Psalmes an. Verstöße gegen die strenge poetische Sorgfalt entschuldigt er durch die Schwierigkeit der Aufgabe; in seinen andern Gedichten will er diese Verstöße gemieden haben. Welcher Art diese andern Gedichte waren, ist unbekannt, und das unsinnige Lob eines ihm gewidmeten Elogiums: Tullius es Maroque simul, quin clarior illis gewährt dafür keinen Anhalt; wahrscheinlich doch wohl Gelegenheitsgedichte im Geschmacke von Opitz und Rist, die ihm die bewunderten Meister der Dichtkunst sind.

Benutzt wurden archivalische Nachrichten, die ich der Güte der Herren Pfarrer Lipke in Barsikow und Schütze in Volkmarsdorf danke.