ADB:Strauß, Henriette

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Artikel „Strauß, Henriette“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 36 (1893), S. 535, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Strau%C3%9F,_Henriette&oldid=3448379 (Version vom 14. November 2018, 11:48 Uhr UTC)
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Strauß: Henriette St., geborene Trefftz, Sängerin, erblickte am 28. Juni 1826 in Wien das Licht der Welt. Ihr Vater, ein polnischer Edelmann, war Officier in der österreichischen Armee, ihre Mutter aber die Tochter jener Margarethe Schwan, für die Schiller vorübergehend in Mannheim geschwärmt hat. Da die Verhältnisse ihrer Eltern sehr günstig waren, so erhielt Henriette eine vortreffliche Erziehung. Als das Vermögen der Mutter jedoch in späteren Jahren verloren ging, mußten sich die Eltern entschließen, die reiche Begabung ihrer Tochter für die Musik und die Sprachen auszunützen. Sie wurde von dem italienischen Gesangslehrer Gentiluomo in Wien zur Sängerin ausgebildet, und machte so bedeutende Fortschritte, daß sie, obwol erst vierzehn Jahre alt, ein Engagement an der Wiener italienischen Oper erhielt. Da sie jedoch nicht beschäftigt wurde, wandte sie sich nach Dresden, wo sie in Bellini’s „Romeo und Julie“ neben der Schröder-Devrient mit großem Erfolge die Giuletta sang und spielte. Auf Verwendung der Königin von Sachsen ertheilte ihr der berühmte Morlacchi Gesangsunterricht; auch soll ihr die Schröder-Devrient Unterweisungen im Spielen gegeben haben. Einen ähnlichen Erfolg erzielte sie in Leipzig, wo sie in dem Gewandhausconcert vom 30. Januar 1840 zum ersten Mal auftrat. Mendelssohn nahm sich ihrer besonders an und soll das bekannte Lied: „Es ist bestimmt in Gottes Rath“, das am 18. März 1841 zum ersten Mal in einem Gewandhausconcert gesungen wurde, für sie componirt haben. Von Leipzig ging die Sängerin nach Wien zurück, wo sie zuerst am Kärtnerthortheater und dann bei Pokorny auf dem Theater an der Wien mit wachsendem Beifall thätig war. Häufige Gastspiele in Dresden, Leipzig, Berlin, Frankfurt a. M. und Preßburg dienten nur dazu, ihren Ruhm in immer weitere Kreise zu verbreiten. Das Jahr 1848 vertrieb sie aus Wien. Sie ging nach London, wo sie von Jullien engagirt wurde und zwei Jahre hindurch in vielen Concerten die Engländer geradezu entzückte. Allabendlich sang sie den „Rekrut“ von Kücken und machte das „Trab, trab mein Rößlein“ so populär in London, daß es auf allen Straßen gepfiffen und auf allen Drehorgeln gespielt wurde. Dem musikalischen Erfolg entsprach der äußere Gewinn, da sie für jene Zeit enorme Honorare erhielt. So konnte sie nach ihrer Rückkehr nach Wien ein glänzendes Haus führen und namentlich die Künstlerwelt in häufigen Gesellschaften bei sich sehen. Viel Aufsehen erregte im J. 1862 ihre Vermählung mit dem Capellmeister Johann Strauß, der zwölf Jahre jünger wie sie war. Ein Jahr nach ihrer Verheirathung begab sie sich zu einer Concerttournée nach St. Petersburg, wo sie mit ihren Liedern von Schumann, Schubert und Mendelssohn am kaiserlichen Hof großen Beifall erzielte. Es ist nicht bekannt, ob sie seitdem noch öffentlich aufgetreten ist. Doch folgte sie ihrem Gemahl auf seinen zahlreichen Kunstreisen. Sie starb am 9. April 1878 in Hietzing bei Wien. – Mendelssohn soll sie für die beste deutsche Liedersängerin erklärt haben.

Vgl. Illustrirte Zeitung. Leipzig 1851. XVI. Bd. Nr. 392, S. 16. (Mit Porträt.) – Wurzbach XLVII, 93–96. – Illustrirter Kalender für 1880. 35. Jahrg. Leipzig 1879. S. 114. – F. J. Fétis, Biographie universelle des musiciens. Supplément. Paris 1880. II. S. 549. – A. Dörffel, Festschrift zur hundertjährigen Jubelfeier der Einweihung des Concertsaales im Gewandhause zu Leipzig. 1881. S. 99 (40).