ADB:Urff, Georg Ludwig von und zu

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Artikel „Urff, Georg Ludwig von und zu“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 352–353, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Urff,_Georg_Ludwig_von_und_zu&oldid=3127672 (Version vom 20. Juli 2018, 21:59 Uhr UTC)
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Urff: Georg Ludwig von und zu U., landgräflich hessen-kasselscher Generallieutenant, war am 13. Juni 1698 auf dem Familiengute Niederurff bei Zimmersrode in der preußischen Provinz Hessen-Nassau geboren. Die Nachrichten über seine militärische Dienstzeit beginnen erst mit dem Jahre 1753, in welchem er als Oberst des Leib-Dragoner-Regiments zu Homberg in Garnison stand, 1754 ward er Commandeur des Regiments Gens d’Armes in Kassel. Als der Siebenjährige Krieg ausbrach war er Generalmajor, als solcher focht er am 26. Juli 1757 in der Schlacht bei Hastenbeck. Die Ordre de bataille vom December 1757 des unter dem Oberbefehle des Herzogs Ferdinand von Braunschweig stehenden verbündeten Heeres, in dessen Reihen U. an den Feldzügen der beiden nächsten Jahre rühmlichen Antheil nahm, führt ihn als Commandeur der aus acht Schwadronen verschiedener Regimenter bestehenden hessischen Cavallerie auf; im Februar 1758 standen nur 6 Schwadronen unter seinen Befehlen; diese führte er bei des Herzogs siegreichem Zuge von der Elbe über den Rhein. Ein Ehrentag für ihn und seine Reiter war der 23. Juli 1758, der Tag der Schlacht von Crefeld. Mit 4 Schwadronen Leib-Dragoner und 2 Schwadronen vom Leib-Regimente auf dem die Entscheidung herbeiführenden rechten Flügel der Schlachtordnung stehend, befreite er durch einen rechtzeitigen und energischen Angriff auf die französische Cavallerie das preußische Regiment Holstein-Dragoner, welches von jener geworfen war, aus einer gefährlichen Lage und erbeutete Pauken und Standarten. Am 19. December erfolgte seine Beförderung zum Generallieutenant. Im Februar 1759 hatte er den Auftrag, von den Quartieren von Fritzlar aus mit 4 Bataillonen Infanterie, 200 Fußjägern und 600 Pferden den Feind aus Vacha und Hersfeld zu vertreiben. In der Schlacht bei Bergen am 13. April 1759 hieb er mit seinen Reitern erfolgreich auf die feindliche Infanterie ein, welche, nachdem sie den Angriff der Verbündeten auf den Flecken Bergen abgewiesen hatte, zur Verfolgung vorbrach; er trieb sie zurück und nahm dem Regimente Beauvoisis 150 Gefangene ab. In der Schlacht bei Minden, am 1. August 1759, vereitelte er durch einen mit einigen Schwadronen ausgeführten Flankenangriff auf die französische Cavalleriebrigade Vogué deren Versuch, auf dem rechten Flügel der Schlachtlinie vorbrechend das Geschick des Tages zu Gunsten der Franzosen zu wenden, und hieb dann im Verein mit Holstein-Dragonern auf die bei Malbergen stehende Infanterie ein. Das „gar große Danksagungs-Compliment“, welches die General-Ordre vom 2. August auf Befehl von Herzog Ferdinand dessen Truppen sagte, nannte, indem es einzelne besonders ausgezeichnete Truppenabtheilungen namhaft machte, auch die hessische Cavallerie und unter vier Generälen, denen Seine Durchlaucht „Ihre Hochachtung und Danksagung zu temoigniren“ besonders befohlen hatte, befand sich der Generallieutenant v. U. In der Relation über die Schlacht, welche der Herzog aus Anlaß der Untersuchung über das Verhalten von Lord Sackville erstattete, nennt er U. „tapfer“. Am 3. August entsandte der Herzog den letzteren mit 7 Grenadierbataillonen, denen eine Anzahl von Sechspfündern aus dem Artilleriepark beigegeben war, und 16 Schwadronen zur Unterstützung des Erbprinzen von Braunschweig bei der Verfolgung des geschlagenen Feindes auf einem anderen Wege als dieser einschlug. Zwischen Lemgo und Detmold erbeuteten Urff’s Truppen 280 Bagagewagen, auf denen sich unter anderem das Gepäck des Prinzen Xaver von Sachsen und die Kriegskasse seines Corps befanden, in Detmold machten sie zahlreiche Gefangene. Am 9. stieß U. bei Paderborn wieder zum Heere des Herzogs, welcher ihm in Anerkennung seiner Leistungen ein Geschenk von 4000 Thalern reichen ließ. Mit dem Jahre 1759 endet Urff’s kurze aber glänzende Thätigkeit als Cavalleriegeneral. Er starb am 2. Mai 1760 zu Kassel und ward dort in der Oberneustädter Kirche mit großer Feierlichkeit beigesetzt.

[353] C. Renouard, Geschichte des Krieges in Hannover, Hessen und Westfalen von 1757 bis 1763, 3 Bde. Kassel 1863.