ADB:Uslar, Julius Heinrich von

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Artikel „Uslar, Julius Heinrich von“ von Richard Heß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 39 (1895), S. 383–384, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Uslar,_Julius_Heinrich_von&oldid=3127675 (Version vom 27. Mai 2018, 23:35 Uhr UTC)
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Uslar: Julius Heinrich v. U., Forstmann, geboren am 23. August 1752 in Clausthal, wo sein Vater den Posten eines hannoverschen Oberförsters bekleidete, † am 2. September 1829 auf dem vor Herzberg gelegenen Harzforsthause. Nachdem er die forstliche Lehre bei seinem Vater absolvirt hatte, wendete er sich behufs juristischer Studien der Universität Göttingen zu. 1775 erfolgte seine erste Anstellung als Forstamtsauditor im hannoverschen Harze. Anfang 1779 wurde er zum Forstschreiber ernannt; er behielt aber die ihm seit 1777 übertragene Besorgung der Expedition und Controle der Harzforsten als Nebenamt bei. 1781 erhielt er die Oberförsterstelle zu Herzberg zuerst interimistisch; von 1782 ab wurde sie ihm definitiv übertragen. 1784 wurde er zum Oberförster daselbst ernannt; 1814 trat er, nach Beendigung der westfälischen Occupation, während welcher er auf seinem Posten belassen worden war, als Forstinspector wieder in die Dienste seines angestammten Regentenhauses zurück. – v. U. hatte hiernach das seltene Glück, eine und dieselbe Oberförsterei 47 Jahre lang bewirthschaften zu können, was dieser zum großen Segen gereichte. Er war seinem Fache nicht nur mit Wärme und großem Eifer ergeben, sondern auch ein mit scharfem Blicke ausgestatteter, sehr erfahrener Wirthschafter, was er namentlich bei der in die Jahre 1786–1788 fallenden Theilung der ehemaligen Communionharzforste zwischen den Häusern Hannover und Braunschweig an den Tag legte. Sogar der gewiß äußerst kritisch angelegte Oberforstrath Pfeil bezeichnet ihn als einen der ausgezeichnetsten Harzforstwirthe. Von 1790 ab bis zur westfälischen Zeit versammelte er alljährlich um sich eine Anzahl von Forstlehrlingen, die er namentlich in die Praxis einführte, nebenbei aber auch theoretisch unterrichtete. Behufs Erleichterung des botanischen Unterrichts legte er 1793 bei dem Herzberger Forsthause einen forstbotanischen Garten an, in dem über 100 Bäume und Sträucher angepflanzt wurden, insbesondere sämmtliche Burgsdorf’schen Holzarten. Er verstand es vorzüglich, den jungen Leuten, die bei ihm lernten, nicht nur Lust und Liebe am forstlichen Beruf, sondern auch gediegene Kenntnisse beizubringen.

Auch als Schriftsteller hat er sich bemerklich gemacht. Wir verdanken ihm: „Forstwirthschaftliche Bemerkungen auf einer Reise gesammelt“ (1792); „Ist es vortheilhafter, gemischte Buchwaldungen als Baum- oder als Schlagholz zu bewirthschaften?“ (1794); „Fragmente neuerer Pflanzenkunde“, zwei Hefte (1795); „Pyralis hercyniana, ein Beitrag zur Kenntniß waldverderbender Insekten“ (1798); „Ueber den Einfluß der Verkoppelungen in Norddeutschland auf den eintreffenden Holzmangel“ etc. (1806). Sein Hauptverdienst aber, wodurch er sich einen dauernden Namen in der Forstgeschichte errungen hat, besteht darin, daß er in dem damals lebhaft entbrannten Streite, ob der [384] Borkenkäfer nur kranke Stämme (Fichten) befalle oder auch gesunde angehe, als einer der ersten Forstmänner die (richtige) Ansicht vertrat, daß auch gesunde Bäume den Zerstörungen durch diesen kleinen Waldfeind unterliegen. Trotz vieler Anfechtungen, die er wegen dieser Ansicht, welche er allenthalben mit Entschiedenheit vertrat („Schreiben naturgeschichtlichen Inhalts eines Forstmanns an seine Freunde, über die Harzwaldungen und Waldinsekten“, 1810), von seinen Freunden und sogar von seiner vorgesetzten Behörde zu erdulden hatte, hielt er doch an dieser aus Erfahrung geschöpften Meinung fest, wirthschaftete consequent danach und rettete hierdurch das zumal für den Bergbau sehr wichtige Herzberger Revier. Auf den benachbarten Oberförstereien schritt man erst zur Vertilgung des Käfers, als es schon zu spät war. Eine ganze Reihe schätzenswerther Charaktereigenschaften machte ihn bei seinen Fachgenossen, Schülern und Untergebenen außerordentlich beliebt. Als Beweis hierfür soll nur bemerkt werden, daß bei Gelegenheit seines festlich begangenen 50jährigen Dienstjubiläums (11. September 1825) sein wohlgetroffenes Bild im Sitzungssaal des kgl. Berg- und Fotstamts zu Clausthal aufgehängt wurde.

Allgemeine Forst- und Jagd-Zeitung, 1829, Nr. 134 vom 10. November, S. 533 (Nekrolog, von E. v. B. . .). – Allgemeine Forst- und Jagd-Zeitung, 1830, Nr. 95 vom 10. August, S. 380 (Bemerkungen hierzu, von Jg. Fr. Klöckner). – Fraas, Gesch. der Landbau- u. Forstwissenschaft, S. 620. – Bernhardt, Gesch. des Waldeigenthums etc. II, 166; III, 394. – Heß, Lebensbilder hervorragender Forstmänner etc., S. 381.