ADB:Anna (Äbtissin von Quedlinburg)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Anna, Aebtissin von Quedlinburg“ von Karl Janicke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 469–470, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Anna_(%C3%84btissin_von_Quedlinburg)&oldid=- (Version vom 21. Oktober 2019, 20:30 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Anna Dorothea
Band 1 (1875), S. 469–470 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Anna II. zu Stolberg in der Wikipedia
GND-Nummer 135718546
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|1|469|470|Anna, Aebtissin von Quedlinburg|Karl Janicke|ADB:Anna (Äbtissin von Quedlinburg)}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=135718546}}    

Anna, Aebtissin von Quedlinburg, war eine Tochter des Grafen Botho von Stolberg. Im Anfange des 16. Jahrh. wurde sie, kaum dreizehn Jahr alt, nachdem ihre Vorgängerin Magdalena der Abtei von Quedlinburg entsagt und zu Gandersheim gestorben war, vom Capitel gewählt, am 10. Febr. 1515 von Papst Leo X. und am 3. Oct. 1516 vom Kaiser Maximilian I. bestätigt und am 5. Nov. feierlich eingeführt. Sie war die erste Aebtissin von Quedlinburg, welche die lutherische Lehre annahm. Den ersten Versuchen in Stadt und Stift Quedlinburg die Reformation zu verbreiten, stellte sich der eifrig katholische Herzog Georg von Sachsen als Schutzherr des Stiftes energisch entgegen. Diejenigen Mönche des Augustinerklosters und Pfarrer an den Stadtkirchen, welche im Sinne Luthers predigten, wurden verfolgt und ihre Stellen mit entschiedenen Katholiken besetzt. A., welche anfänglich der Reformation gegenüber eine abwartende Stellung eingenommen hatte, entschied sich erst nach Herzog Georgs Tode (1539) und als dessen Nachfolger Heinrich selbst dem neuen Glauben sich zuwandte, für die lutherische Lehre. Die katholischen Geistlichen wurden entfernt und evangelische eingesetzt. Der Superintendent Tileman Plathner (Platner) aus Stolberg, der von ihr auf eine Zeit lang nach Quedlinburg berufen wurde, war ihr bei der Durchführung des Reformationswerkes behülflich, doch fehlen darüber genauere Angaben. Zur Besoldung der Geistlichen und Lehrer wurde aus den Gütern der Stadtkirchen ein allgemeiner Gotteskasten errichtet. Die Zahl der Stiftsfrauen und der Canonici wurde beschränkt, der [470] Klosterdienst in der Stiftskirche ganz aufgehoben. Unter ihr wurde auch im J. 1540 die erste Visitation der Kirchen in der Stadt Quedlinburg abgehalten, deren Protokoll eine der wichtigsten Quellen für die quedlinburgische Reformationsgeschichte bildet. Auf Luther’s und Melanchthon’s Rath wurden die beiden Schulen der Altstadt und Neustadt zu einer einzigen vereinigt und Aebtissin A. überließ dem Rathe für dieses neue Gymnasium das verlassene Franciscaner-Kloster, in dessen Räumen es sich bis in die neueste Zeit befand. A. starb am 4. März 1574. –

Kettner, Kirchen- und Reformations-Historie des Kays. Freyen Weltl. Stifts Quedlinburg S. 121 ff. Tileman Platner von Otto Plathner in der Zeitschrift des Harzvereins, Jahrg. 1868, S. 289–292. Das Protokoll über die erste Kirchenvisitation in Quedlinburg ist herausgegeben von Janicke in der Zeitschrift des Harzvereins, Jahrg. 1872.