ADB:Arenberg, Johann Graf von

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Artikel „Arenberg, Johann Graf von“ von Leopold von Eltester in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 1 (1875), S. 513–515, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Arenberg,_Johann_Graf_von&oldid=- (Version vom 11. Dezember 2019, 13:48 Uhr UTC)
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Arenberg: Johann v. Ligne, Graf v. A., geb. 1525, † 23. Mai 1568. Die ältesten Herren von Arenberg, einer nun zerstörten Burg auf einem hohen Eifelberg an der oberen Ahr (Kr. Adenau, Regbz. Coblenz) gelegen, entstammen wahrscheinlich den bergischen Grafen von Hochmeswage (Hückeswagen a. d. Wupper). Sie waren schon seit ihrem ersten Auftreten mit Heinrich v. Arberg 1166 vom deutschen Reiche mit der burggräflichen Würde der Stadt Cöln beliehen. Der letzte Mann dieses ältesten Hauses, Johann von A. Burggraf zu Cöln, verkaufte 1279 die Burggrafschaft an den Erzbischof Siegfried von Cöln und hinterließ bei seinem Tode 1280 od. 1281 nur eine Tochter, Mechtild, welche die Herrschaft Arenberg 1298 ihrem Gemahl Engelbert, Grafen von der Mark in Westfalen † 1325, zubrachte. Ihr jüngerer Sohn, Eberhard v. d. Mark setzte mit seiner Gemahlin Maria von Loën (Looz), der Erbin bedeutender Besitzungen in den Niederlanden die Dynastie Arenberg fort, welche sich mit seinen Enkeln Johann und Ludwig, welcher letzterer die 1544 erloschene Linie Neufchâteau und Rochefort begründete, und namentlich den Söhnen Johann’s, † 1469, in viele Linien spaltete.

Der jüngste Sohn Johanns, Wilhelm v. d. Mark, begründete die Linie der Grafen v. d. Mark und Schleiden, Freiherrn zu Lumey und Seraing, welche 1773 ausstarb und ihre Güter an das herzogliche Haus Arenberg vererbte. Der mittlere Ast, welcher von Johanns zweitem Sohne Robert, dem aus Romanen hinlänglich bekannten „Eber der Ardennen“ herstammte, erwarb den Herzogstitel von Bouillon und erlosch im Hauptzweig mit Wilhelm Robert Herzog von Bouillon, Prinzen zu Sedan 1588, in einem Seitenzweig der Grafen von Braine 1652, in weiblicher Nachkommenschaft mit dem Titel Grafen von der Mark, Fürsten von Jametz erst 1766.

[514] Die von Johanns ältestem Sohne Eberhard † 1496, abstammende Hauptlinie Arenberg starb 1544 mit Robert III. Grafen zu Arburg aus. Seine Schwester Margarethe brachte seine Besitzungen und Titel an ihren Gemahl Johann von Ligne, Freiherrn von Barbançon aus vornehmem niederländischen Geschlechte, welcher somit die dritte, heute noch blühende Dynastie Arenberg begründete. 1546 von Karl V. mit dem goldnen Vließ beliehen, machte Graf Johann unter Maximilian von Egmond, Graf von Büren, den Krieg in Deutschland mit und ward nach Maximilians Tode mit der von diesem bekleideten Statthalterschaft von Friesland, Overyssel, Gröningen und Drenthe betraut (1. Jan. 1549). 1552 nahm er im kaiserl. Heer an der Belagerung von Metz und ebenso an den Kriegen von 1553–55 Theil. Von Philipp II. in seiner Statthalterschaft bestätigt, focht er in den französ. Kriegen von 1557 und 58, auch in der Schlacht von St. Quentin. 1559 vertrat er auf dem Augsburger Reichstag den burgundischen Kreis. Die folgenden Jahre widmete er ausschließlich der trefflichen Verwaltung seiner Provinzen. Trotz seiner Bestrebungen machte in ihnen aber die Reformation so unaufhaltsame Fortschritte, daß es dem Grafen 1565 nicht mehr möglich schien, die von Philipp angeordnete neue Errichtung der Bisthümer ohne Gewalt durchzusetzen und zur Gewalt, die ohnehin seinem zur weisen Mäßigung geneigten Sinn nicht entsprach, fehlten ihm die Mittel. Daher sprach er sich denn auch in den 1566 zu Brüssel stattfindenden Berathungen im Geist der Mäßigung für Aufhebung der Inquisition etc. aus. Nach der andern Seite trat er aber ebenso sehr gegen die weitergehenden Forderungen seiner alten Freude Wilhelms von Oranien, Egmonds und ihrer Anhänger auf, von denen er sich schon seit ihrem Auftreten gegen Granvella getrennt hatte.

Die reformatorische Bewegung nahm jedoch bald in den von A. verwalteten Provinzen mehr und mehr einen gewaltthätigen Charakter an, so daß A., der sich schon in Leuwarden nicht mehr sicher hielt und von dort wegging, endlich selbst zu energischem Einschreiten aufforderte. Durch die Herzogin von Parma mit Truppen versehen, erschien er im Jan. 1567 vor Leuwarden. Noch einmal gelang es ihm, theils durch vorsichtiges Entgegenkommen, theils durch rasche Energie die katholische Kirche und ihre Autorität in Friesland, Overyssel und Gröningen ohne Blutvergießen herzustellen. Im Juni konnte er nach Brüssel abgehen, um sich dem Befehl des Königs gemäß mit Alba zu vereinigen. Dort nahm er am 9. Sept. an der Sitzung Theil, in Folge deren Egmond und Horn verhaftet wurden, wogegen er allerdings als gegen eine Verletzung der Ordensrechte des gold. Vließes protestirte. – 1568 rief ihn Ludwigs von Nassau Einfall in Gröningen nach Friesland zurück. Trotz heftiger Gichtleiden blieb er an der Spitze seiner Truppen, als die Heere sich bei Delfzyl gegenüberstanden. Ohne die Ankunft der spanischen Cavallerie unter dem Grafen von Meyem zu erwarten, griff A. am 23. Mai bei Heiligerlen an, wol in der Besorgniß, Ludwig von Nassau, der in rückgängiger Bewegung war, möchte ihm entkommen. Er erlitt aber darüber eine vollständige Niederlage, in der er selbst mit höchster Bravour fechtend, den Tod fand, nachdem er, wie gesagt wird, vorher mit eigener Hand den Grafen Adolf von Nassau getödtet hatte.

Seine Gemahlin Margarethe überlebte ihn noch bis 1599. Sie ging 1572 als Oberhofmeisterin mit der Erzherzogin Elisabeth, als diese sich mit Karl IX. vermählte, nach Frankreich.

Den Arenberg’s wurde 1549 der Reichsgrafentitel ertheilt, 1566, 1576 und 1578 die Würde gefürsteter Grafen, 1602 der Reichsfürstenstand und 1644 der Herzogentitel verliehen, ihnen auch das Grandenthum I. Classe in Spanien zuerkannt.

[515] Karl Maria Raimund Leopold Herzog von Arenberg, kaiserl. Feldmarschalllieutenant und Gouverneur zu Mons, † 1778 (s. d.), erwarb durch seine Heirath mit Louise Margarethe, der Erbin des Hauses von der Mark, auch die seinem Fürstenthum Arenberg angrenzenden deutschen Reichsgrafschaften Schleiden, Saffenburg, Casselburg, Kerpen u. A. Sein Sohn Ludwig Engelbert, Herzog von Arenberg und Arschot, Prinz zu Porcean und Rebecque, Markgraf zu Caretto etc., † 1820, verlor alle linksrheinischen reichsunmittelbaren Besitzungen 1801 durch den Lüneviller Frieden, wurde zwar mittelst Entschädigungen in Westfalen souverän und 1806 Mitglied des Rheinbundes, 1810 aber mediatisirt und 1815 als Standesherr unter preußische und hannoversche Oberhoheit gestellt.

Seine und seines Bruders August Maria Raymund, Prinzen von Arenberg, † 1823, Nachkommenschaft succedirten in den westfälischen Standesherrschaften Recklinghausen und Meppen, in dem Reste der rheinischen Besitzungen in der Eifel und dem reichen Erbe in Belgien. Das Haus Arenberg hat sich stets durch eine treue Anhänglichkeit an die Politik des Hauses Oesterreich, strenge Frömmigkeit, große Milde gegen die Unterthanen und eine liberale Förderung der Künste hervorgethan. Sein Palais zu Brüssel enthält eine der bedeutendsten Gemälde- und Kunstsammlungen Europas.

Ausführlich hat die Geschichte dieses Hauses wiedergegeben Christ. von Stramberg im Rheinischen Antiquarius: Mittelrhein. Abthlg. III. Band 1. 608–802 u. Band 16. 298–396. Vgl. dazu Gachard i. d. Biogr. nat. de Belg.