ADB:Baumgartner, Martin Ritter von

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Artikel „Baumgartner, Martin von“ von Wilhelm Heyd in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 160–161, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Baumgartner,_Martin_Ritter_von&oldid=- (Version vom 23. September 2019, 04:07 Uhr UTC)
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Baumgarten: Martin von B. (auch M. Baumgartner) auf Braitenbach, in Kufstein im Jahr 1473 geboren und dort ansässig, ursprünglich ein Glied des bairischen Adels, aber seit der Besetzung jener Stadt durch Kaiser Maximilian I. in den Reihen der tirolischen Ritterschaft erscheinend (s. Brandis, Gesch. der Landeshauptleute von Tirol, S. 409), unternahm im Frühjahr 1507 eine Pilgerreise nach Palästina, auf welcher er im Hinweg Aegypten und die Sinai-Halbinsel, im Herweg Syrien mitbesuchte, und gab dadurch den Anstoß zu einer der interessanteren und ausführlicheren Reisebeschreibungen jener Zeit. Verfaßt wurde dieselbe von einem gewissen Georgius (ursprünglich Gregorius genannt?), welcher anfangs eine Lehrerstelle in Kufstein inne gehabt hatte, dann in Diensten Baumgarten’s jene Reise mitmachte und sich später in die Karthause Gaming (Gemnicum, in Oesterreich unter der Enns unweit Scheibs) zurückzog, als deren Prior er um 1541 starb. Aus einer Handschrift dieses Klosters gab Pez (Thes. anecd. noviss. II. pars 3. p. 458–640) die Reisebeschreibung heraus mit dem Titel: „Georgii Prioris Gemnicensis Ephemeris“. Eine andere Handschrift desselben Werks wurde dem evangelischen Pfarrer Christoph Donauer in Wiesent (Oberpfalz) mitgetheilt, als er von dem Sohne Baumgarten’s den Auftrag erhielt, jene Reise für den Druck zu bearbeiten. So entstand das Buch: „Martini a Baumgarten in Braitenbach peregrinatio in Aegyptum, Arabiam, Palaestinam et Syriam“. Norimb. 1594, in welchem Martin in der ersten Person redend eingeführt, auch ein von ihm während der Reise niedergeschriebenes Tagebuch als weitere Quelle erwähnt wird, ohne daß jedoch eine bestimmte Spur der Benutzung eines solchen zu Tag tritt. Donauer schreibt vielmehr, wie ich in Petzholdt’s „Litter. Anz.“, Jan. 1873, näher nachgewiesen habe, meist wörtlich der Relation des Georgius nach, kürzt aber bedeutend ab und läßt in theologischem Eifer namentlich solche Partien ganz aus, welche auf den katholischen Cultus (Heiligendienst, Reliquienverehrung, Ablaß) Bezug haben. Der Ritter selbst dachte über diese Dinge freilich später auch anders, als zur Zeit seiner Pilgerreise. In seinen älteren Jahren nämlich (mindestens seit 1522) wandte sich Martin von B. der evangelischen Lehre zu, war für dieselbe eifrig thätig, wie er denn z. B. im Jahr 1526 wegen Begünstigung des protestantischen Predigers Wolfgang Ochsenhauter vom Regiment in Innsbruck zur Verantwortung gezogen wurde, und erfuhr um seines Glaubens willen viele Anfechtungen, weshalb ihm Luther (11. Sept. 1528) ein Trostschreiben zusandte. Sonst widmete er seine Hauptthätigkeit und große Summen Geldes den Bergwerken in Rattenberg, Lienz und Schwatz, welche er theils zum Nutzen des Hauses Oesterreich, theils zu seinem eigenen ausbeutete. Er starb im Jahr 1535 in Kufstein. – Was wir außer [161] der Orientreise von seinen Lebensumständen wissen, verdanken wir fast durchaus Donauer, welcher theils der genannten Peregrinatio biographische Notizen vorausgeschickt, theils im Anhang zu der Leichenpredigt, die er dem Sohn Martins, Christoph Philipp von B., hielt (gedruckt zu Nürnb. 1594), vier Briefe und Actenstücke aus Martins Feder und das erwähnte Trostschreiben Luther’s an ihn mitgetheilt hat.