ADB:Blancstain, der Bastard von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Blancstain, der Bastard von“ von Joseph Albert Alberdingk Thijm in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), S. 688–689, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Blancstain,_der_Bastard_von&oldid=- (Version vom 19. November 2019, 23:41 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 2 (1875), S. 688–689 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Januar 2019, suchen)
GND-Nummer 139289089
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|2|688|689|Blancstain, der Bastard von|Joseph Albert Alberdingk Thijm|ADB:Blancstain, der Bastard von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=139289089}}    

Blancstain: der Bastard von B. oder Blanc-Estrain, geb. in Seeland oder nach Anderen in der Picardie im Anfang des 15. Jahrhunderts, † 1453. Zur Zeit des Aufstandes der „weißen Hüte“ in Gent gegen Philipp den Guten von Burgund hatte sich ein Haufen Unzufriedener zu einer wild hausenden Räuberbande in den Wäldern vereinigt. Sie nannten sich, weil der Wald ihr Obdach war, die Gesellschaft vom grünen Zelt. An ihrer Spitze stand der Bastard von B., ein verwegener Geselle, welcher sich an der Welt dafür rächen wollte, daß sie ihn ausgestoßen hatte. Die weißen Hüte erkannten ihren Vortheil darin, diese Bande an ihre Sache zu fesseln. Jetzt richteten sich ihre Verheerungen und Plünderungen gegen alles, was herzoglich geblieben war, und bald fühlte sie sich stark genug, um den burgundischen Truppen im offenen Felde zu begegnen. 1452 wurden Grammont, Ath und Lessines vom Bastard überfallen und die Ortschaften an der hennegauischen Grenze verheert. Eine rasch unterdrückte Empörung in der Bande machte ihn nur noch übermüthiger; Michel von Oosterzeel, der Urheber derselben, ward auf dem Fleck enthauptet. Mit Feuer und Schwert wurden darauf die Landschaften von Dendermonde und Oudenaerde verwüstet. Als der König von Frankreich um diese Zeit den Frieden zwischen dem Herzog und Gent zu vermitteln suchte, gelang es vor allem der leidenschaftlichen Beredsamkeit des Bastards, die Genter zur Verwerfung der vom Herzog bereits angenommenen Bedingungen hinzureißen. Der Krieg begann aufs neue. Im Juli 1453 sammelte aber der Herzog seine Kräfte, um zuerst diesen furchtbarsten seiner Gegner zu erdrücken. Der Bastard hatte sich im Schloß Schendelbeke festgesetzt. Dorthin nach der Verwüstung Flobecq’s zurückkehrend, ward er von einem weit überlegenen burgundischen Heer überfallen. Die meisten seiner Leute waren nach wüthender Gegenwehr niedergemetzelt, ehe es ihm gelang, sich selbst [689] mit dem Rest in einen festen Thurm bei Schendelbeke zu werfen. Lange widerstanden sie hier den burgundischen Belagerern. Als diese endlich dennoch in den Thurm eindrangen, zog der Bastard sich fechtend vor ihnen auf die Höhe des Thurmes zurück, stürzte sich, da er Alles verloren sah, vom Kranz des Thurmes auf die Belagerer hinab und fand so den Tod. Die Sache der weißen Hüte war mit ihm verloren. (Biogr. nat. belg.)