ADB:Buxtehude, Dietrich

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Artikel „Buxtehude, Dietrich“ von Arrey von Dommer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 667–668, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Buxtehude,_Dietrich&oldid=2487525 (Version vom 19. Februar 2018, 17:59 Uhr UTC)
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Buxtehude: Dietrich B., einer der größten Orgelmeister und Instrumental-Componisten vor Seb. Bach, geb. 1637 zu Helsingör auf Seeland (wo sein Vater, Johann B., 32 Jahre lang Organist an der Olaikirche war) und gest. 9. Mai 1707. Ueber seinen Bildungsgang weiß man nichts näheres, wahrscheinlich aber haben wir ihn als einen Abkömmling der besonders in Norddeutschland so verbreiteten Sweling’schen Schule anzusehen; den ersten Grund zu seiner nachmaligen Orgelkunst wird er schon bei seinem Vater gelegt haben. Daß Johann Theile, wie Walther im gleichn. Art. angibt, sein Lehrer gewesen sei, ist unwahrscheinlich; denn Theile war erst 1646, mithin 9 Jahre später geboren als B. Dieser muß aber schon früh berühmt geworden sein, was man [668] daraus schließen darf, daß er bereits am 11. April 1668 in eins der damals angesehensten Organistenämter Deutschlands, an der Marienkirche zu Lübeck, eingesetzt wurde. Hier zeichnete er sich nicht allein als Orgelspieler aus, sondern wirkte bis zu seinem Tode auch segensreich durch eine ausgebreitete Musikpflege und Bildung tüchtiger Sänger- und Instrumentalchöre, womit er große Musikaufführungen in seiner Kirche veranstaltete und das damalige Lübecker Musikleben auf eine vorher dort nicht gekannte Höhe brachte. Daß der junge Seb. Bach Ende 1705 von Arnstadt aus auf ein Vierteljahr nach Lübeck verschwand, um dort B. zu hören und dort von ihm zu lernen, ist bekannt, und der von diesem Meister auf ihn geübte Einfluß ist sehr merklich und weit in Bach’s fernere Entwicklung hinein zu verfolgen, und zwar mehr noch in der freien Instrumentalmusik als im Choral. Bei alledem sind die älteren Musikschriftsteller sehr arm an bestimmten Nachrichten über ihn; selbst Mattheson, der doch ganz in der Nähe seines Wirkungskreises lebte, erwähnt ihn zwar an vielen Stellen (Ehrenpforte, Capellmeister, Organistenprobe), doch immer nur mit allgemein rühmenden Worten. In der Ehrenpforte 94 erzählt er, daß man 1703 beabsichtigt habe, dem vortrefflichen Organisten B. einen künftigen Nachfolger auszumachen, weshalb er mit Händel nach Lübeck reiste, wo sie wohlgedachtem Künstler in seiner Marienkirche mit würdiger Aufmerksamkeit zuhörten. Es war aber eine Heirathsbedingung dabei, auf welche weder Händel noch Mattheson einzugehen Lust hatten, und Joh. Christian Schieferdecker, der sich williger finden ließ, erhielt später den schönen Dienst. Adlung rühmt von B. nur, daß er die Choräle sehr schön ausgeführt habe (Gelahrth. 693), doch lag seine Stärke weit mehr in der freien Composition als in der Choralbehandlung. Seine Compositionen aber scheinen nur wenig unter die Leute gekommen zu sein, und Mattheson klagt im Capellm. 130, wie schade es sei, daß von dieses braven Künstlers gründlichen Claviersachen, darin seine meiste Kraft steckte, wenig oder nichts gedruckt wäre. Auch Walther, der eine Anzahl Choralbearbeitungen Buxtehude’s sich handschriftlich zusammentrug, weiß in seinem Lexikon nur drei gedruckte Werke zu nennen. Doch sind deren noch zu Buxtehude’s Lebenszeit weit mehr erschienen, und die vollständige Aufzählung derselben, sowie die meisten älteren Nachrichten von diesem Künstler überhaupt, finden sich in Moller’s Cimbria literata, (eine eingehende Besprechung seiner Compositionen gibt Spitta, J. Seb. Bach I. S. 252 ff.): „Unterschiedliche Hochzeits-Arien“, 1672; „Fried- und Freudenreiche Hinfahrt des alten Simeons, bei Absterben seines Vaters“ etc., 1674; „Abend-Musik“ in 9 Theilen, 1678–87; „Hochzeit des Lammes“, 1681; „Sieben Sonaten für Violine, Violdigambe mit Cemb.“, 1696; „Anonymi 100jähriges Gedicht für die Wohlfahrt Lübecks“, 1700; „Castrum doloris Leopoldo und Templum honoris Josepho I.“, 1705. Im Drucke erscheinen sollten noch: „Himmlische Seelenlust“ etc., und „Das Allererschrecklichste und Allererfreulichste etc., gesprächsweise vorgestellt“. Walther erwähnt zwei Opera für Violine, Violdigambe und Cemb., das zweite Hamburg 1696 (sind aber vielleicht die obigen Sonaten aus demselben Jahre) und Mattheson nennt noch sieben Claviersuiten, darin die Natur oder Eigenschaft der Planeten artig abgebildet. In neuerer Zeit hat S. W. Dehn ein Heft Choralbearbeitungen für die Orgel von Dietrich B. (Leipzig bei Peters) herausgegeben, außerdem sind verschiedene Stücke von Commer und Körner in Erfurt veröffentlicht worden. Zu Werkmeister stand er in näheren Beziehungen, er widmete ihm auch ein in dessen Harmonologia musica, Frankf. und Leipz. 1702, abgedrucktes Akrostichon, wo er ihn in der Unterschrift seinen hochgeschätzten Freund nennt.