ADB:Cramer, Johann Andreas (geistlicher Dichter)

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Artikel „Cramer, Johann Andreas“ von Paul Pressel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 550–551, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Cramer,_Johann_Andreas_(geistlicher_Dichter)&oldid=2493080 (Version vom 11. Dezember 2017, 03:38 Uhr UTC)
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Cramer: Johann Andreas C., geb. 27. Jan. 1723 zu Jöhstadt im sächsischen Erzgebirge, Sohn eines Pfarrers, nach dessen Tode (1742) er mühsam in Leipzig studirte, gehörte bald zu den Mitarbeitern der „Bremer Beyträge“, magistrirte 1745, setzte sich kurz darauf als Docent, betrat 1748, wo er Prediger zu Crellwitz wurde, die geistliche Laufbahn, kam 1750 als Oberhofprediger und Consistorialrath nach Quedlinburg, 1754 auf Empfehlung Klopstock’s und Bernstorff’s als deutscher Hofprediger des Königs Friedrichs V. von Dänemark, später auch Professor der Theologie nach Kopenhagen; durch Struensee’s Einfluß unter Christian VII. des Amtes entsetzt und des Landes verwiesen, nahm er 1771 einen Ruf als Superintendent nach Lübeck an, wurde jedoch nach der dänischen Staatsumwälzung von 1772 und der Hinrichtung Struensee’s wieder zurückberufen, indem er 1774 in Kiel eine Professur der Theologie, 1784 das Kanzleramt der Universität erhielt. Schmerzliche Abnahme der Kräfte ließ ihn zuletzt die Erlösung herbeisehnen und sein Ende trat in der Nacht, auf welche er es vorhergesagt hatte, wirklich ein, vom 11. auf den 12. Juni 1788. – C. stand als Gelehrter, Prediger und Dichter in ungewöhnlichem Ansehen. Seine umfangreiche Schriftstellerei begann er, abgesehen von bereits genannter und anderweitiger Journalistik mit einer commentirten Uebersetzung der allgemeinen Weltgeschichte Bossuet’s, sowie der Predigten und kleinen Schriften des Kirchenvaters Johann Chrysostomus, Patriarchen von Constantinopel (10 Bände, 1748–1751). Seine Kanzelberedsamkeit, mit ihrem Schwunge jedenfalls in weiten Kreisen hinreißend und wohlthätig wirkend (vergl. Dr. Karl Heinrich Sack’s Geschichte der Predigt, Heidelberg 1866, S. 48–56), wurde in mehr als 20 Bänden abgelagert (Erste Sammlung in 10 Theilen 1755–1760; eine „Neue Sammlung, besonders über die Evangelien und einige andere Texte etc.“ in 12 Theilen 1763 [551] bis 1771). Seine Dichtung, in ihrem Gepräge zwischen seinen beiden Freunden Klopstock und Gellert schwankend, fand nach allerlei Einzelerscheinungen (vgl. Koch’s Kirchenlied VI S. 340–343) einen Totalabdruck in „Johann Cramer’s Sämmtlichen Gedichten“, Leipzig 1. und 2. Theil 1782, 3. Theil 1783; wozu die „hinterlassenen Gedichte“, herausgegeben vom Sohne Karl Fr. C. 1791, den 4. Theil bilden. Trotz Lessing’s ungünstigem Urtheile, dem sich die litterarische Kritik vorwiegend anschloß, haben auch die Gedichte eine fast zündende Wirkung hervorgebracht. Die „Uebersetzung der Psalmen“, die „Oden“, darunter die auf Luther und Melanchthon (neue Auflage 1773) hervorragten, die „geistlichen Lieder“ entfalteten nicht nur eine seltene Virtuosität der Sprache, sondern auch ein manchmal gewaltiges Pathos. Die Gesangbücher der Landeskirche wimmelten rasch von Cramer’schen Liedern, weisen deren heute noch eine stattliche Zahl auf („Herr, Dir ist Niemand zu vergleichen“, „Schwingt, heilige Gedanken“, „Ich soll zum Leben dringen“, „Dein bin ich, Herr“, „Er ist gekommen her“, „Der Herr ist Gott und keiner mehr“, „In Deiner Stärke freuen sich“, „Triumphire, Gottes Stadt“, „Hochbegnadigt von dem Herrn“, „Ewig, ewig bin ich Dein“, „Wer zählt der Engel Heere“ etc.). Seiner praktischen, reichverdienten Wirksamkeit und lauteren Charakterfestigkeit verdankte C. den Beinamen „Eyegode“, zu deutsch „der durchaus Gute“. Ein Ehrendenkmal setzte ihm Klopstock im zweiten Liede der Ode „Wingolf“. – Gedächtnißrede auf den verewigten Kanzler, Herrn J. A. Cramer, am 23. Juli 1788 gehalten von Wilh. Ernst Christiani, Justizrath, Kiel 1788.

C. Wilhelm Wolfrath’s Lebensbeschreibung Cramer’s in den Nachrichten vom Leben und Ende gutgesinnter Menschen. Halle VI. 1790.