ADB:Dietenberger, Johannes

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Artikel „Dietenberger, Johann“ von Carl Gustav Adolf Siegfried in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 155–156, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dietenberger,_Johannes&oldid=2494326 (Version vom 26. März 2017, 16:57 Uhr UTC)
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Band 5 (1877), S. 155–156 (Quelle).
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Dietenberger: Johann D., ein Predigermönch aus Dietenberg im Erzbisthum Mainz, war Großinquisitor zu Mainz und Köln, † 30. Aug. 1534. Außer mehreren polemischen Schriften gegen Luther und einigen ascetischen Abhandlungen, deren Titel man bei Jöcher findet, machte er sich bekannt durch eine gegen die lutherische gerichtete Bibelübersetzung (s. den vollständigen Titel bei Meyer, Geschichte der Schrifterklärung, Bd. 2, S. 533), in welcher er „die ungesauberten Biblien der Elymassiten von ihrem Unflat zu fegen und zu reinigen“ versprach. Indessen im Alten Testament hat er meist Luther’s Uebersetzung ganz wörtlich beibehalten, nur daß der sprachliche Ausdruck verschlechtert ist, und in den wenigen Stellen, wo er geändert hat, ist dies nach der Vulgata und gegen den Sinn des Grundtextes geschehen. So ist denn von der im Titel verkündigten „Besserung viler verrücketer wort und sprüch so biß anhero inn andern kurz außgangnen theutschen Bibeln gespürt und gesehen“ nicht viel zu spüren und zu sehen. – Von der plumpen Art seiner Aenderungen s. einige Beispiele bei Meyer a. a. O., S. 534. Im Uebrigen vgl. Panzer, Versuch einer kurzen Geschichte der römisch-katholisch-deutschen Bibelübersetzung, Nürnberg 1781, S. 77 f. – Die Uebersetzung der Apokryphen ist aus der von Leo Judä (1529) abgeschrieben, das Neue Testament nach Hieronymus Emser, im Grunde also auch wieder auf Luther zurückgehend. S. Panzer a. a. O., S. 83 ff., 90 ff. – Gleichwol ist das Werk öfter wieder gedruckt: Köln 1540, 1550, Augsburg 1776, s. Panzer a. a. O. S. 94 ff. Wie schwer es den Gelehrten der römisch-katholischen Kirche wurde, sich über die Dietenberger’sche Leistung zu erheben, beweist der Umstand, daß sie noch bei der Ettenheimer Bibelübersetzung von 1751 mit zu Grunde gelegt ward. S. Panzer a. a. O. S. 190. – Fast belustigend ist es, daß sich Hutter in seiner Polyglotte, Nürnberg 1599, die undankbare [156] Mühe machte, aus dieser Dietenberger’schen Bibel den unechten Laodicenserbrief in das Syrische zu übersetzen. Vgl. Brun’s Bemerkungen über einige der vornehmsten Ausgaben der alten syrischen Uebersetzung des Neuen Testaments u. s. w. in Eichhorn’s Repertorium für bibl. und morgenl. Lit. Bd 15, S. 159 ff.

Siegfried.