ADB:Dincklage, Emmy von

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Artikel „Dincklage, Emmy von“ von Franz Brümmer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 47 (1903), S. 704–705, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Dincklage,_Emmy_von&oldid=- (Version vom 24. Juni 2019, 09:14 Uhr UTC)
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Dincklage: (Amalie Ehrengarte Sophie Wilhelmine D., gewöhnlich) Emmy von D., eine beliebte Erzählerin, wurde am 13. März 1825 auf dem Rittergute Campe im Osnabrückischen als erstes Kind ihrer Eltern geboren und trat damit in einen ländlich-patriarchalischen Familienkreis, denn auch die betagten Großeltern bewohnten den Edelsitz, welcher sich von den Vorfahren seit vielen Jahrhunderten von Geschlecht zu Geschlecht weiter vererbt hatte. Während der Vater, Frerherr Hermann Eberhard, die körperliche Entwicklung seiner Kinder, auch der Töchter, durch Unterweisung im Reiten, Schießen, Rudern und anderen Künsten, welche Muth und Kraft erfordern, pflegte und förderte, erweckte die geistvolle und belesene Mutter, geb. von Stoltzenberg, das Verständniß für Kunst, Litteratur, dabei aber die Erziehung zu den häuslichen Pflichten der Töchter nie aus dem Auge lassend. Geistig bedeutende Personen, die unter dem gastlichen Dache von Campe vorsprachen, verfehlten nicht, auf die geistige Richtung der Kinder bestimmend einzuwirken. Ihren ersten größeren Ausflug machte Emmy v. D. 1848, als sie ihre Mutter nach Wiesbaden begleitete. In Mainz verlobte sie sich mit einem Hauptmann v. Wenckstern, doch nahm sie aus Rücksicht auf ihre Eltern, die diese Verbindung nicht wünschenswerth fanden, nach einigen Jahren ihr Wort zurück. Beide blieben unvermählt, und in der Schlacht bei Nachod starb v. Wenckstern (1866) den Heldentod. Empfänglich für Poesie, hatte Emmy sich schon als Kind in zahllosen Reimereien versucht, die sie, je älter sie wurde, mehr und mehr ernstlich betrieb, obwol dieselben eigentlich von niemand gefördert wurden. Das Gebiet der Prosa-Belletristik lag ihr dabei gänzlich fern, und erst, als ihre Eltern 1850 wegen der Erziehung ihrer jüngeren Kinder ihren Wohnsitz nach Bückeburg verlegten, und Emmy hier im Umgange mit Victor v. Strauß und Mathilde Marcard, sowie im Verkehr mit den im nahe gelegenen Minden wohnenden Schriftstellerinnen Elise v. Hohenhausen, deren Tochter Elise Rüdiger-Hohenhausen und Elise Polko vielfache Anregung zu schriftftellerischer Thätigkeit gefunden, trat sie 1857 mit ihrer ersten Novelle „Das alte Liebespaar“ im Cotta’schen Morgenblatt in die Oeffentlichkeit. Einen Sommer verlebte Emmy in Kolberg in der Familie des bekannten Schriftstellers Major Beitzke und in Frankfurt a. O. bei Frau v. Hohenhausen, und folgte 1858 der Einladung einer geistvollen Freundin, Marie v. Fontaine, auf den Rittersitz in Deutsch-Krawarn in Oberschlesien. Es waren fröhliche und fördersame zehn Jahre, welche sie in den dortigen vielseitigen und eleganten Kreisen verlebte; denn bedeutende Männer, bevorzugte Künstler und Gäste aller Nationen verkehrten daselbst. Im Verein mit der Freundin machte sie verschiedene größere Ausflüge nach Wien, Reisen nach Ungarn und den bedeutendsten Städten Deutschlands, besuchte 1869 zum ersten Male Italien, wo sie längere Zeit in Florenz, Rom und Neapel weilte, und seitdem hat sie, auch zur Stärkung ihrer Gesundheit acht Winter in den verschiedensten Städten Italiens verlebt. Sonst hatte sie ihren Wohnsitz in Lingen a. d. Ems, wohin ihre betagten Eltern 1866 übergesiedelt waren. In demselben Jahre wurde sie auch als Conventualin des hochadligen freiweltlichen Damenstifts Börstel bei Osnabrück eingeführt, welche Stellung ihr den Rang einer Frau verlieh. In Krawarn hatte Emmy ihre ersten Romane, „Hochgeboren“ (1869) und „Tolle Geschichten“ (II, 1870) verfaßt, und da dieselben von der Kritik freundlich aufgenommen wurden, so glaubte sie zu weiterer schriftstellerischer Thätigkeit berechtigt zu sein. Schon im folgenden Jahre erschienen „Neue Novellen“ (II, 1871), sieben Erzählungen, deren realen Hintergrund die Eigenart des friesischen Volksthums [705] seit den ältesten Zeiten bildet. Die Verfasserin bekundet darin eine feine Beobachtungsgabe und das Talent, das Einfachste psychologisch zu vertiefen und in knapper Form darzustellen. Noch schärfer tritt dies hervor in den „Geschichten aus dem Emslande“ (II, 1872–73), den „Heimath-Geschichten“ (1873), in „Emsland-Bilder“ (1874) und in den „Nordland-Geschichten“ (1875). Zwischendurch schrieb sie noch die nicht dem Boden der Heimath entsprossenen Romane „Sara“ (II, 1871); „Durch die Zeitung“ (II, 1871); „Die fünfte Frau“ (II, 1873); „Die Schule des Herzens“ (II, 1876); die Novellenbücher „Kinder des Südens“ (II, 1873); „Der Erbonkel“ (1876); „Im Scirocco“ (1877); „Erich Lennep. Der Lotsencommandeur“ (mit Adolf Wilbrandt, 1878) und mit ihrer Schwester Klara „Geschichtenbuch für die Jugend“ (1875). Dann trat eine Pause von etlichen Jahren ein, und während derselben unternahm Emmy 1880–81 eine Studienreise durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die sich zu einem wahren Triumphzuge gestaltete, da die Deutschen jenseit des Oceans, wo der Name der Dichterin bereits eines guten Rufs sich erfreute, die letztere in einer Weise ehrten, wie sie Sterblichen selten zu theil wird. Heimgekehrt, nahm sie ihre schriftstellerische Thätigkeit wieder auf und betrat mit Glück und zu ihrem Glück wieder den Boden der Heimath, wohin sie ihr Talent doch immer in erster Linie wies. Es erschienen nach dieser Richtung hin „Aus zwei Welttheilen. Novellen“ (1882); „Wir. Emslandgeschichten“ (1882); „Die Amsivarier. Heimath-Geschichten“ (1883); „Lieb’ und Länder. Nationale Erzählungen“ (1885); „Blutjung und andere Erzählungen“ (1886); „Kurze Erzählungen“ (1889) und außerdem der Roman „Jung Alarich’s Braut“ (1890). Den größten Theil des Jahres verlebte die Dichterin in Lingen bei ihren Angehörigen. Im Sommer 1891 reiste sie nach Berlin, um sich einer Operation zu unterziehen; noch vor Ausführung derselben starb sie dort am 28. Juni an einem Herzschlage. Auf dem Familienfriedhofe des Gutes Campe fand sie ihre letzte Ruhestätte. Nach ihrem Tode erschienen noch „Gedichte“ (1892); „Die Dorfnihilistin, nebst sieben anderen Novellen“ (1893); „Flachland. Novellen“ (1894); „Letzte Novellen“ (1898) und die Erzählung „Haide-Imme“ (1899). Eine Anzahl ihrer Werke ist ins Ungarische, Holländische, Französische und Englische übertragen. Ein treffendes Gesammturtheil über ihre Werke finde ich in der Selbstkritik, welche sie in einem ihrer Briefe an mich äußert: „Ich bin in keiner Art emancipirt, ich erkenne in gediegener Weiblichkeit das Höchste, ich schrieb nie ein unweiblich Wort, aber muthig und energisch schreite ich dahin, heiter und theilnehmend“.

Persönliche Mittheilungen. – Rudolf Eckart, Der deutsche Adel in der Litteratur. Berlin 1895, S. 31. – Haus und Welt. Modezeitung. Jahrg. 1874, Nr. 11. – Buch für Alle. Jahrg. 1879, S. 79. – Der Herold vom 10. April 1881.