ADB:Faber genannt Köckritz, Franciscus

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Artikel „Faber genannt Köckritz, Franciscus“ von Gustav Bauch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 48 (1904), S. 472–473, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Faber_genannt_K%C3%B6ckritz,_Franciscus&oldid=- (Version vom 22. September 2019, 10:46 Uhr UTC)
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Faber: Franciscus F., Köckritz genannt, geboren am 3. October 1497 in Ottmachau, gehört zu den bedeutendsten Vertretern der litterarischen Hochrenaissance in Schlesien. In Neisse an der Pfarrschule zu St. Jakob von Valentin Krautwald und in Breslau privatim von Laurentius Corvinus humanistisch vorgebildet, bezog er, von dem mährischen Edelmann Ladislaus von Boskowitz, Herrn von Sternberg und Trübau, unterstützt, ca. 1518 die Universität Krakau und studirte dort unter der Aufsicht des gekrönten Poeten Rudolf Agricola junior. Nach Trübau zurückgerufen, ging er über Schlesien 1520 nach Leipzig. Hier bald von Petrus Mosellanus als Dichter anerkannt, betheiligte er sich (1520) mit Andreas Francus Camicianus, durch Eobanus Hessus von Erfurt her angeregt, mit scharfen Epigrammen an dem Kampfe der Anhänger des Erasmus von Rotterdam gegen den Kritiker der Ausgabe des Neuen Testaments (1516) Edward Lee. In demselben Jahre veröffentlichte er seine erste größere Dichtung, die „Bohemia“, ein deutsch-patriotisches Epos, das die verheerenden Züge der Hussiten unter Ziska, besonders in Schlesien, und den glücklichen Widerstand Neisses zum Gegenstand hat. Im nächsten Jahre ließ er sein bestes poetisches Werk, die „Sylva de incendio Lutheranorum Librorum“, ein feuriges Streitgedicht für den Reformator, ausgehen, das ihm von Luther das Lob „heroicum caput“ eintrug. 1526 trat F. als Schöppenschreiber in die Dienste der Stadt Schweidnitz und fungirte dort dann von 1535–1542 als Stadtschreiber. 1542 ging er in derselben Eigenschaft nach Breslau über. In dieser Stellung, die er bis zu seinem am 19. September 1565 erfolgten Tode beibehielt, erwarb er sich große Verdienste um das städtische Urkunden- und Privilegienwesen, für das er allmählich nicht bloß amtliches und ordnendes, sondern auch historisches Interesse bewährte. Als Ferdinand I. zur Entwicklung einer eingreifenderen landesherrlichen Gewalt 1554 den schlesischen Edelmann Friedrich v. Redern auf Ruppersdorf als Vitzthum einsetzte und dieser im Interesse seiner fiscalischen Pläne auch die Privilegien der Stadt Breslau in nicht eben rücksichtsvoller und wohlwollender Weise revidiren ließ, gab der Rath F. den Auftrag, den Hauptinhalt der wichtigeren Privilegien auszuziehen. Diese Arbeit wurde 1555 dem Kaiser in Augsburg vorgelegt und durch Umarbeitung dieses Auszuges entstand Faber’s Chronik, die unter dem Namen „Origines Wratislavienses“ bekannt, aber nicht gedruckt ist. Der Ingrimm gegen den Vicedominus und dann ersten Präsidenten der königlichen Kammer in Schlesien Friedrich von Redern hat auch noch zwei von Faber’s Dichtungen beeinflußt. Im „Sabothus“, d. h. Zobten, werden alle schlesischen Flüsse durch die Silesia bei dem durch das Schalten des „Faunus“, Redern’s, bekümmerten Zobten versammelt. Diese geographische Gesellschaft gibt dann den Anlaß, die Geschichte Schlesiens [473] und namentlich den Verlust seiner Freiheit an die stammfremden Böhmen zu berichten, aber auch der gelehrten und der um die Gemeinden und das Land verdienten Männer zu gedenken. Als Redern 1564 starb, schrieb F. ein zweites, ungedruckt gebliebenes Gedicht als Anhang zu dem Sabothus, den „Faunus sideratus“. In diesem Gedicht begibt sich Silesia, begleitet von der Lausitz, zu dem alten Zobten, um ihm die frohe Nachricht der Befreiung des Landes von dem leider zu den Eingesessenen gehörenden Bedränger mitzutheilen. Merkwürdig in den Dichtungen ist die ausgesprochen deutsche, nicht nur localpatriotisch schlesische Färbung, die der colonialen Besorgniß Ausdruck gibt, als könnte das Slaventhum noch wieder den Versuch machen, seine Adler bis über die Elbe zu tragen.

H. Markgraf in der Archival. Zeitschrift, III. — G. Bauch in der Schles. Zeitschrift, XXVI, 240 f.