ADB:Floto, Hartwig

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Artikel „Floto, Hartwig“ von Gerold Meyer von Knonau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 55 (1910), S. 476–477, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Floto,_Hartwig&oldid=- (Version vom 21. September 2019, 01:50 Uhr UTC)
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Floto *): Hartwig F., Historiker, geboren am 1. November 1825 zu Arendsee in der Altmark, trat nach Besuch der Schule von Schulpforta und dreijährigen Universitätsstudien in Berlin an der Ritterakademie zu Liegnitz in das Lehramt für Geschichte und Geographie, 1848. Während seines militärischen Dienstjahres machte er, wie er selbst bezeugt, „sehr sorgfältige Studien über Alles, was militärisch wichtig ist, um mich zu einem tüchtigen Landwehrofficier auszubilden“, und hieraus erwuchs das 1853, mit einer Einführung des Generals v. Griesheim (s. A. D. B. IX, 665–667), erschienene Buch: „Handbuch für Landwehrofficiere und für einjährige Freiwillige“ (Berlin). Bis 1853 wirkte F. als Hauslehrer bei Oberhofdrucker v. Decker, verließ dann aber Berlin, um auf der Wolfenbütteler Bibliothek für sein beabsichtigtes Werk: „Kaiser Heinrich IV. und sein Zeitalter“ Studien zu machen. Das Buch erschien – „Meinem Lehrer Leopold Ranke zugeeignet“ – in zwei Bänden (Stuttgart und Hamburg) 1855 und 1856. Sehr richtig urtheilte Giesebrecht, als er nachher den gleichen Stoff behandelte, über das Werk: „Besonders hat die lebendige Darstellung dem Buche Freunde erworben; man wird sie in ihrer fast poetischen Färbung nicht gerade mustergültig nennen können; aber sie ist eigenartig und effectvoll“; ebenso ist mit Recht gesagt, daß F. im wesentlichen den Standpunkt des Verfassers der Vita Heinrici IV imperatoris einnimmt, was auch schon eine stärkere Abweisung der Glaubwürdigkeit der Annalen Lambert’s in sich schloß. Ebenso wandte F. der Litteratur der Streitschriften größere Aufmerksamkeit zu, und in einem Excurs wies er die von Pertz gemachte Anzweiflung der Gleichzeitigkeit des Carmen de bello Saxonico mit Erfolg zurück. Wie F. im Vorwort zu Band II offen einräumt, steht er in der Beurtheilung des Verhältnisses Heinrich’s IV. zur päpstlichen Politik in ausgeprägt protestantischer Auffassung und weist es ab, mit „kälteren oder ängstlicheren Gemüthern“ den Maßstab für die geschilderte Zeit aus ihr selbst zu nehmen. Auf die Veröffentlichung dieses Hauptwerkes folgte 1856 für F. die Berufung als Professor an die Universität Basel, nachdem Jakob Burckhardt das Lehramt für Kunstgeschichte am eidgenössischen Polytechnikum in Zürich angetreten hatte. In Basel nahm F. auch an den Arbeiten der dortigen historischen Gesellschaft Theil, in der er einen Vortrag über Dante und die divina commedia hielt, den er erweitert als Buch: „Dante Aleghieri, sein Leben und seine Werke“ (1858) herausgab. Allein 1858 erkrankte er schwer, ohne Hoffnung auf endgültige Besserung, was Burckhardt’s [477] Rückkehr nach Basel zur Folge hatte. F. hatte nach dem Weggang von Basel keinen festen Wohnsitz mehr, und so kam er auch nicht zu einer befriedigenden Bethätigung. Er starb erst 1881, in Königsberg.

Durch Dr. Bettelheim vermittelte autobiographische Aufzeichnungen Floto’s in Briefen von 1865 und 1873, aus Berlin und Jena, an den Wiener Dichter Ferdinand v. Saar. – Mittheilungen aus Basel.

[476] *) Zu Bd. XLVIII, S. 611.