ADB:Friedrich August (Herzog von Braunschweig)

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Artikel „Friedrich August, Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Oels“ von Ferdinand Spehr in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 7 (1878), S. 505–507, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Friedrich_August_(Herzog_von_Braunschweig)&oldid=2490319 (Version vom 29. Juni 2017, 15:59 Uhr UTC)
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Friedrich August, Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Oels, jüngerer Sohn des Herzogs Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel und der Prinzessin Philippine Charlotte von Preußen, geb. 29. Oct. 1740, † 1805, begann seine militärische Laufbahn am 29. März 1761 als Oberst und Chef des braunschweigischen Infanterieregiments von Zastrow, welches damals unter dem Oberbefehl seines Oheims, des Herzogs Ferdinand von Braunschweig, in Westfalen gegen die Franzosen focht. Noch in demselben Jahre sollte dem jungen Fürsten Gelegenheit gegeben werden seinem Vaterlande einen rettenden Dienst zu erweisen. Er hatte den Auftrag erhalten in Verbindung mit dem General von Luckner die von den Franzosen beabsichtigte Belagerung von Hameln zu verhindern [506] und vor der Festung ein Lager bezogen, als ihm der Befehl zuging, mit Luckner schleunigst aufzubrechen, um die Festungen Wolfenbüttel und Braunschweig zu entsetzen, zu deren Belagerung der Prinz Xaver von Sachsen mit einem etwa 8000 Mann starken französischen Heere aufgebrochen war. Auf dem Marsche dahin erhielt Prinz Friedrich August die Nachricht, daß Wolfenbüttel bereits gefallen sei und Prinz Xaver sich anschicke, Braunschweig mit glühenden Kugeln zu beschießen. Die Besatzung dieser Stadt, etwa 1500 Mann unter dem Commando des Generals v. Imhoff, war nicht im Stande, die weitläufigen Festungswerke zu vertheidigen, zumal es gänzlich an Mannschaft zur Bedienung des Geschützes fehlte. Die Gefahr war groß, Eile in hohem Grade erforderlich. F. A. traf noch zur rechten Zeit ein. Nach einem glücklichen Gefechte bei Oelper, eine halbe Stunde von Braunschweig, in der Nacht zum 14. Oct. 1761, in welchem etwa 600 Franzosen gefangen wurden, unter denen allein 52 Officiere, zog F. A. in Braunschweig ein und befreite die Stadt von der 15. und letzten Belagerung, welche sie seit ihrer Erbauung zu bestehen hatte. Des Prinzen mannhafte That wurde in Oden und Gedichten gefeiert und sein Oheim, Friedrich der Große, erwähnte derselben in seiner Histoire de la guerre de sept ans mit den ehrenden Worten: „Ainsi Alexandre, au sortir de l’enfance, dans l’armée de son père Philippe battit les Athéniens avec l’aide de cavallerie, qu’il commandait“. Im ferneren Verlaufe des Krieges zeichnete F. A. sich noch in dem Treffen bei Völlinghausen und bei Wilhelmsthal aus und trat am 1. Oct. 1763 als Generallieutenant in preußische Dienste. Bald wurde er der Liebling Friedrichs II., dessen steter Begleiter zu den Manövern er war. Nach und nach wurde er Inhaber eines Infanterieregiments, Ritter des schwarzen Adlerordens, Gouverneur von Küstrin, Dompropst zu Brandenburg und Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Am 21. Mai 1787 ernannte König Friedrich Wilhelm II. ihn zum General der Infanterie. – Für das braunschweigische Fürstenhaus ist F. A. dadurch besonders bemerkenswerth, daß er demselben die schlesischen Fürstenthümer Oels und Bernstadt erwarb. Am 6. Sept. 1768 hatte er sich mit der Prinzessin Friederike Sophie Charlotte Auguste, der einzigen Tochter des Herzogs Karl Christian Erdmann von Würtemberg-Oels, vermählt und dadurch vom König Friedrich II. als obersten Lehnsherrn von Schlesien die Mitbelehnung und eventuelle Erbfolge in den Fürstenthümern Oels und Bernstadt und in der Herrschaft Guttentag erhalten. Nach dem Tode seines Schwiegervaters trat F. A. am 13. Dec. 1792 die Regierung in den Fürstenthümern an, da jedoch seine Ehe kinderlos blieb, erhielt er am 7. Oct. 1785 vom König Friedrich II. für den jüngsten Sohn seines älteren Bruders, Karl Wilhelm Ferdinand, den Prinzen Friedrich Wilhelm von Braunschweig, die Mitbelehnung, welche später vom König Friedrich Wilhelm II. im J. 1787 bestätigt wurde. Nach Beendigung des Feldzuges gegen die Franzosen im J. 1793 zog er sich nach Oels zurück, wo er auf dem reizend gelegenen Schlosse Sibyllenort sich schriftstellerischen Arbeiten widmete, vorzüglich der Herausgabe eines: „Journal plaisant, historique, politique et litéraire à Oels du mois Juli 1793 jusqu’au Juni 1795“ und der als Manuscript gedruckten und daher äußerst seltenen „Militairischen Geschichte des Prinzen Friedrich August von Braunschweig-Lüneburg, nunmehrigen regierenden Herzoge zu Braunschweig-Oels und Bernstadt“. Oels 1797, 4. Mit rücksichtslosem Freimuthe und beißendem Witze beurtheilte er die bedeutendsten Männer seiner Zeit, ohne selbst die erhabensten Personen zu schonen und es kostete seinen Freunden viele Mühe, ihn zu bewegen, die verletzendsten Stellen zu unterdrücken. Sein scharfer Witz, welcher nicht immer der zarteste war und seine eigene Person nicht schonte und von dem noch jetzt viele Anecdoten im Umlauf sind, sowie seine Jovialität gaben [507] ihm Gelegenheit, vielfach komische Verwickelungen herbeizuführen. Von Gestalt war er nichts weniger als schön gebaut, seinen Rücken verunzierte ein ansehnlicher Höcker, den er frei zur Schau trug und über den er selbst spöttelte. Er übersetzte auch mehrere dramatische Erzeugnisse der Franzosen, wie: „Glücklicherweise“, Lustspiel in einem Aufzuge. Braunschweig 1764. „Regulus“, Trauerspiel, Potsdam 1767, 8. etc. Auch hatte er Antheil an den „Gedichten im Geschmacke des Grecourt“ und schrieb mehrere Abhandlungen in italienischer und französischer Sprache. Es existiren von ihm auch einige ausgezeichnete Caricaturen, welche er selbst in Kupfer radirt hat. Seinem Freunde Kästner in Göttingen errichtete er auf seine Kosten in der Göttinger Bibliothek ein in der Marmorbüste Kästner’s bestehendes Denkmal. – F. A. reiste am 14. Septbr. 1805 von Sibyllenort über Berlin zum Besuche zu seiner Schwester, der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar. In Eisenach erkrankte er und starb daselbst am 8. Octbr. 1805, 65 Jahre alt. Seine irdischen Ueberreste wurden am 17. Octbr. 1805 in der Fürstengruft der Stadtkirche zu Weimar beigesetzt.