ADB:Gailingen, Eppelein

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Artikel „Gailingen, Eppelein v.“ von Jakob Franck, Georg Wolfgang Karl Lochner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 311–312, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gailingen,_Eppelein&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 03:51 Uhr UTC)
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Gailingen: Eppelein v. G., ein mit der Geschichte der Stadt Nürnberg verknüpfter und durch Lied und Sage vielfach gefeierter Ritter und Wegelagerer des 14. Jahrhunderts. Geboren um 1310, besaß er außer seinem Stammschlosse Gailing in der Nähe Rothenburgs an der Tauber, noch mehrere andere Burgen, wie Trameysel (Dramaus) im Bambergischen und Wald unweit Gunzenhausen. Nach der Sitte der damaligen Zeit nährte sich auch G., dessen Vorname auch als „Apel“ (Apollonius), „Eppela“, „Aeplein“, „Ekkelein“ und [312] dichterisch „Apollo“ erscheint, aus dem Stegreif, hielt zahlreiche Knechte und unternahm mit anderen Helfern vom fränkischen Adel, welche, 18 an der Zahl, das Nürnberger Achtbuch aufzählt (Waldau 216), Raubzüge nach den Reichsstädten Rothenburg, Weissenburg und Windsheim und schleppte deren Bürger und Unterthanen in die Gefangenschaft. Nach allen Erzählungen und Ueberlieferungen war er jedoch der größte Feind der Nürnberger, weil diese mehrere seiner Freunde aufgehoben und hingerichtet hatten und vermuthlich auch, weil bei den Bewohnern dieser Stadt und ihres Gebietes am meisten zu holen war, und noch jetzt sind die alten Reime nicht vergessen: „Eppela Gaila von Dramaus, Reit allzeit zum vierzeht aus“ und „Da reit der Nürnberger Feind aus, Eppela Gaila von Dramaus“. Endlich wurde er 1381 bei einem dieser Raubzüge zu Postbauer gefangen und nach Neumark in die Oberpfalz gebracht, wo ihm die Städte Nürnberg, Rothenburg, Weissenburg und Windsheim kurzen Proceß machten und ihn nebst zwei Rittern von Bernheim, deren einer sein Schwiegersohn war, daselbst mit dem Rade hinrichten ließen. G. selbst war damals fast 70 Jahre alt. Daß er indessen zu Nürnberg und zwar auf dem Rabensteine geendet habe, ist unhistorisch. Aber nicht sowol durch sein Raubritterthum, als weit mehr durch seinen Muth, seine Entschlossenheit und ganz besonders durch seine Verwegenheit und Tollkühnheit im Reiten, die ihres Gleichen nicht hatte, und die allerdings, wenn sie glückte, Bewunderung und Erstaunen, sowie auf seiner Seite höhnenden Spott gegen die ihn verfolgenden Feinde erregte, machte sich G. bei seinen Zeitgenossen und fast bis auf den heutigen Tag einen Namen. Unter diesen in Lied und Sage gefeierten Reiterkünsten werden besonders sein Sprung in den Main von einem hohen Felsen herab zwischen Karlstadt und Würzburg und sein Luftsprung über den Nürnberger Stadtgraben erwähnt. Die erstere Stelle wurde durch ein Steinkreuz bezeichnet und blieb Jahrhunderte durch ein Gegenstand der Verwunderung der Vorüberziehenden und die That selbst wurde später von Johann Lorich von Hadamar in seinem „Hodoeporicon“, Marp. 1541, lateinisch, sowie der letztere Sprung in einem deutschen Volksliede (Augsburg um 1500) besungen, das mit den Reimen schließt: „Darnach führten sie jn auff den Rabenstein, Man legt jhm den Kopff zwischen die Bein.“ Eine Zusammenstellung der Kosten, welche Nürnberg für seinen Theil auf die Gefangennehmung, den Proceß und die Hinrichtung Eppeleins und seiner Spießgesellen zu verwenden hatte, steht abgedruckt aus dem Nürnberger Archive aus dem J. 1381 im Anzeiger für die Kunde der deutschen Vorzeit 1860, S. 237 bis 238.

G. E. Waldau, Beytr. zur Gesch. d. Stadt Nürnberg I, S. 208–234 und dazu II, S. 154 Anzeiger 1854, S. 229, woselbst auch die Litteratur verzeichnet ist. v. Liliencron, Histor. Volkslieder I, S. 92 ff. Goedeke, Gr. I, S. 253. 269. Weller, Annalen I, S. 248. Ad. v. Keller, Fastnachtspiele 1473.[1]

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 312. Z. 11 v. u.: Zur urkundl. Litteratur über E. v. Gailingen ist noch zu vgl.: Chr. W. Schirmer, Gesch. v. Illesheim in Mittelfranken. Nürnb. 1842. Derselbe: Geschichte v. Windsheim. Nürnb. 1848 S. 48. Monumenta Zollerana Tom. IV, 303–306. Geschichte der Reichsstadt Nürnberg zur Zeit Kaiser Karls IV. Berlin 1873 S. 182 f. [Bd. 8, S. 796]