ADB:Gemmingen-Hornberg, Otto Heinrich Freiherr von

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Artikel „Gemmingen-Hornberg, Otto Freiherr von“ von Erich Schmidt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 8 (1878), S. 557–558, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Gemmingen-Hornberg,_Otto_Heinrich_Freiherr_von&oldid=2496565 (Version vom 15. August 2018, 15:12 Uhr UTC)
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Band 8 (1878), S. 557–558 (Quelle).
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Gemmingen-Hornberg: Otto Freiherr von G., geb. in Heilbronn am 8. Nov. 1755, studirte Jura, hat auch einige staatswissenschaftliche Schriften verfaßt. Als Hofkammerrath in Mannheim war er ein eifriges Mitglied der kurpfälzischen deutschen Gesellschaft, vgl. die Rhein. Beiträge zur Gelehrsamkeit. Mit Dalberg befreundet, selbst Dichter, interessirte er sich lebhaft für das Mannheimer Theater, auch für Schiller’s erste Dramen. Seine Semiramis wollte Mozart componiren (nicht erhalten). Später übersiedelte G. nach Wien, wo er 1799–1805 als badischer Gesandter wirkte, lebte dann auf seinen Gütern, zuletzt in Heidelberg; gest. am 15. März 1836. Seine schriftstellerische Thätigkeit beginnt verhältnißmäßig spät und schloß früh mit dem während seiner Wiener Zeit herausgegebenen „Magazin für Wissenschaft und Litteratur“ (1784 f.) und den paar „Wiener Ephemeriden“ ab. Schon vorher, 1782 f., hatte er die Wochenschrift „Der Weltmann“ veröffentlicht. Seine Dramen, Uebersetzungen und journalistischen Unternehmungen gehen deutlich vom Mannheimer Theater aus. Auch er hat Rousseau’s „Pygmalion“ 1778 übertragen; die ziemlich willkürliche Prosabearbeitung des Shakespeare’schen Richard II. ist ohne jedes Verdienst. Das fünfactige Trauerspiel „Sidney und Silly“ nennt er in seiner Dramaturgie einen moralischen Schleifstein, dem außer der Rührung alles fehle, und spricht von Freiherrn v. Gugler als Verfasser. Den mir wahrscheinlichen Zusammenhang der „Erbschaft“ (1779) mit „Der junge Geizige oder die Erbschaft“ (auch nur „Die Erbschaft“ genannt) von Brandes, der sein Manuscript in Mannheim hinterlassen hatte (Meine Lebensgeschichte 2, 274), kann ich nicht erörtern. Für die Theatergeschichte ist noch jetzt recht wichtig die Dalberg gewidmete „Mannheimer Dramaturgie für das Jahr 1779“ (1780). Die einzelnen Stücke führen uns warm, nur manchmal zu sehr aus der „Fülle des Herzens“, die neuen Stücke und die Mitglieder der Seyler’schen Truppe, besonders Frau Seyler und Borchers vor. Die Auffassung ist die eines noblen gebildeten Mannes, der seinen Lessing gelesen hat, aber gern zwischen entgegengesetzten Standpunkten vermitteln will; [558] die allgemeinen Excurse ohne tiefere Bedeutung, im Einzelnen viel treffendes, manches, wie die Besprechung des „Macbeth“ ärmlich. Gemmingen’s litterarhistorisch hervorragendstes Werk ist „Der deutsche Hausvater, ein Schauspiel“, 1782 (erste Aufführung unter dem Titel „Der deutsche Hausvater oder die Familie“, im December 1780; umgearbeitete Ausgabe 1790). Ein Mannheimer Recensent führt den Ausgang auf einen Münchener Vorfall zurück. Das Schauspiel lehnt sich in einigen Hauptmotiven an Diderot’s Père de famille an, der nach Lessing weder französisch noch deutsch, sondern blos menschlich war. Die Durchführung ist grundverschieden. Karl, der Sohn des Hausvaters Grafen Wodmar, liebt Lottchen, die Tochter des Malers Lebock (vgl. Klinger’s Neue Arria). Diese sieht denn auch ihrer Niederkunft entgegen. Das Thema des Kindesmords wird berührt. Dazwischen drängt sich die Gefahr einer Heirath Karls und der starkgeistigen Gräfin Amaldi; Lottchen sucht sie auf. Man bemerkt die Aehnlichkeit mit „Kabale und Liebe“. Aber der Hausvater gibt seinen Segen, versöhnt nebenbei seine Tochter Sophie mit ihrem allzu weltmännischen Gatten, und bringt seinen gutherzigen, aber etwas leichtsinnigen jüngeren Sohn Ferdinand auf gute Wege. Karl und Ferdinand werden natürlich befördert. Diderot nennt „die Versorgung eines Sohnes und einer Tochter“ die Hauptstützen seines Dramas; hier haben wir zwei Söhne und eine Tochter. Daß letztere, mit Einwilligung des Hausvaters, ohne Liebe geheirathet hat, fällt auf. Er ist eine leblose moralische Gliederpuppe. Das ganze Stück wimmelt von den absichtlichsten Reden über Tugend und Pflicht; nur Lebock spricht lieber von seinem Collegen Raphael. Von den Conflicten Diderot’s und seiner bei aller Lehrhaftigkeit so feinen Technik, besonders in der Führung des Dialogs, keine Spur. Alles ist construirt, marionettenhaft. Historisch gehört das Schauspiel in eine Reihe mit den Stücken Wagner’s, Sprickmann’s, Möller’s, Großmann’s (vor allem „Nicht mehr als sechs Schüsseln“), und Schiller’s „Kabale und Liebe“.

Vgl. v. Weech, Bad. Biogr. (Die Geburts- und Todesdaten in Goed. Grundriß sind irrig.)