ADB:Grawert, Julius August Reinhold von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Grawert, Julius August Reinhold von“ von Richard von Meerheimb in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 9 (1879), S. 617–618, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Grawert,_Julius_August_Reinhold_von&oldid=- (Version vom 14. Juni 2019, 05:18 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Grawer, Albert
Band 9 (1879), S. 617–618 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Julius von Grawert in der Wikipedia
GND-Nummer 116827653
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|9|617|618|Grawert, Julius August Reinhold von|Richard von Meerheimb|ADB:Grawert, Julius August Reinhold von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116827653}}    

Grawert: Julius August Reinhold v. G., königlich preußischer General der Infanterie, Ritter des Ordens pour le mérite und des schwarzen Adlerordens, wurde am 28. December 1746 in Königsberg in Preußen geboren, trat 1759 bei einem Infanterieregimente ein und stand nach dem Frieden von Hubertsburg bei dem Regiment Tauenzien in Breslau, wo er als Premier-Lieutenant die Leibcompagnie commandirte. Bei Ausbruch des baierischen Erbfolgekrieges [618] wurde der wissenschaftlich gebildete Officier Adjutant des Herzogs und nachmaligen Feldmarschalls Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig, 1781 trat G. als Compagniechef wieder in sein Regiment, wurde 1783 Major im Regiment Graf zu Anhalt in Liegnitz, nach dem Tode Friedrich d. Großen nach Berlin ins Oberkriegs-Collegium berufen und 1788 als Oberst-Lieutenant, Commandeur des Regiments des Herzogs von Braunschweig in Halberstadt. In dieser Stellung suchte er die militärwissenschaftliche Bildung seines Officiercorps zu heben, er gehörte der Schule von Strategen an, welche das Terrain überschätzend, in steter Anlehnung an dasselbe, eine defensive Kriegführung lehrten und, mit Unterschätzung der moralischen Elemente, die mannigfaltigen Aufgaben des Krieges geometrisch aufzufassen suchten. Der spätere Feldmarschall Knesebeck nannte G. seinen Lehrer in der Kriegskunst, dem er alles verdanke, was er auf diesem Gebiete gelernt, auch ist Knesebeck lebenslang in den Fesseln dieser engen und einseitigen Anschauungsweise geblieben. 1790 trat G. als General-Quartiermeister-Lieutenant in den Generalstab, nahm im Stabe an den Feldzügen 1792 bis 94 Theil, wurde 1793 Oberst und an des Generalmajor v. Pfau Stelle General-Quartiermeister, in welcher Stellung er die volle Anerkennung des Herzogs von Braunschweig, wie des Feldmarschall Möllendorf fand. Nach dem Frieden zu Basel blieb G. noch einige Jahre im Quartiermeisterstabe, wurde 1797 Chef des in Glatz garnisonirenden 47. Infanterieregiments, 1798 Generalmajor, 1800 Inspecteur der sechs in Oberschlesien stehenden Infanterieregimenter; 1804 wurde er Gouverneur von Glatz und im folgenden Jahre Generallieutenant. In der Schlacht bei Jena 1806 führte er eine Division in dem gemischten preußisch-sächsischen Corps vorsichtig und geschickt, wurde bei dem Vorrücken gegen Vierzehnheiligen verwundet und konnte an dem weiteren Verlauf des Feldzuges nicht theilnehmen. Nach dem Frieden zu Tilsit wurde er General-Gouverneur von Schlesien, in dieser Stellung zeigte er sich so gewandt und vermittelnd, daß ihn Napoleon 1812 als Commandeur des preußischen Hülfscorps wünschte. Bald nach dem glücklichen Gefecht bei Eckau übergab der hochbejahrte Mann, der in Folge der großen Anstrengungen an allgemeiner Körper- und Geistesabspannung litt, den Oberbefehl an York und ging nach Mitau, wo er bis Ende September blieb, seinen Abschied erbat und dann – als General der Infanterie, mit Belassung des vollen Gehaltes, nach seinem Landsitze bei Landeck in Schlesien zog, wo er am 18. September 1821, nie wieder ganz hergestellt, gestorben ist. In Schlesien hatte er sich als General-Gouverneur, wie in seinen letzten Lebensjahren die allgemeine Liebe und Verehrung erworben. Immer wissenschaftlich thätig, hatte er einen Schatz von Plänen und Karten, der nach seinem Tode von der königlichen Plankammer größtentheils angekauft wurde. 1797 hatte er „Die Schlacht von Pirmasenz am 14. September 1793“ veröffentlicht.

Militärconversations-Lexikon von der Lühe. Poten, Handwörterbuch der Militärwissenschaften. Massenbach, Memoiren 1792–94. Höpfner, Krieg von 1806. 7. Seydlitz, Tagebuch von 1812. Droysen, Leben Yorks. Knesebeck’s hinterlassene Papiere.