ADB:Hülsen, August Ludwig

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Hülsen, August Ludwig“ von Carl von Prantl in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 333, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:H%C3%BClsen,_August_Ludwig&oldid=- (Version vom 30. März 2020, 10:51 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Hülsemann, Johann
Band 13 (1881), S. 333 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg August Ludwig Hülsen in der Wikipedia
GND-Nummer 121354016
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|13|333|333|Hülsen, August Ludwig|Carl von Prantl|ADB:Hülsen, August Ludwig}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=121354016}}    

Hülsen.: August Ludwig H., geb. 1765 in Premnitz (im Regierungsbez. Potsdam), † 1810 in Lenzke bei Fehrbellin, Sohn eines Predigers, bezog die Universität Halle, wo er durch Wolf in das Studium Homer’s eingeführt wurde, wirkte hierauf einige Zeit als Erzieher im Fouqué’schen Hause und begab sich dann nach Kiel, wo er unter Berger’s Leitung die Schriften Kant’s und Reinhold’s studirte. Als in Jena (1794) Fichte den Lehrstuhl betrat, ging H. ebendahin und verweilte dort bis 1797 als begeisterter Anhänger der Wissenschaftslehre, sowie als Mitglied der an Fichte sich anschließenden „Gesellschaft der freien Männer“. Nachdem er (1798) mit Berger eine Reise in die Schweiz gemacht, ließ er sich 1799 mit seiner jungen Frau in dem Dorfe Lenzke nieder, woselbst ihm Fouqué sein Wohnhaus nebst Garten und Wiesen überlassen hatte. Er errichtete dort ein Erziehungsinstitut für Knaben, welches er im Sinne einer romantisch naturalistischen Pädagogik leitete, aber bereits nach Jahresfrist in Folge des frühen Todes seiner Gattin wieder aufgab. Gebrochenen Herzens und gänzlich rathlos fand er vorerst eine Stütze in der warmen Freundschaft Fichte’s und A. W. Schlegel’s, deren ersterer sogar auf den Gedanken verfiel, neben H. auch mehrere andere Gesinnungsgenossen in ein Männer-Convict zu vereinigen. Schließlich traten Berger und sonstige Freunde zusammen, um für H. ein kleines Landgut im Dorfe Wagersrott (im jetzigen Kreise Schleswig) zu kaufen, wo derselbe in zweiter Ehe mit einer geb. Wibel ein neues häusliches Glück fand; einmal auf Besuch wieder nach Lenzke gekommen, erkrankte er dort und starb. Er war zuerst in die Oeffentlichkeit getreten mit einer „Prüfung der von der Akademie der Wissenschaften zu Berlin aufgestellten Preisaufgabe“ (1796), wobei er das Thema der Aufgabe (die Fortschritte der Metaphysik seit Leibniz) benützte, um seine Ansicht über Geschichtschreibung der Philosophie auszusprechen; er fordert nämlich eine über die bloße Geschichtserzählung hinausgehende Darstellung, insofern es sich darum handle, die in ihrem Widerstreite fortschreitende Vernunft im Unterschiede von der schließlich sich selbst setzenden Vernunft zu erfassen, – ein Gedanke, – welcher an Fichte anknüpfend, grundsätzlich auch bei Hegel waltet. Sodann in einer Abhandlung „Ueber Popularität in der Philosophie“ (1797 in Niethammer’s Phil. Journal) bemühte sich H., die Schulfesseln systematischer Philosophie abzustreifen, und hierauf lieferte er in Schlegel’s Athenäum (1798) zwei Aufsätze: „Ueber die natürliche Gleichheit der Menschen“ und „Naturbetrachtungen auf einer Reise durch die Schweiz“, sowie in Niethammer’s Journal (1800) eine Schrift „Ueber den Bildungstrieb“. Aus seinem Nachlasse erschien „Ueber das Wesen und die nothwendige Form der Wissenschaften“ mit einem Vorworte Fouqué’s in Schelling’s Allg. Zeitschrift v. Deutschen f. Deutsche (1813, S. 264 ff.). In diesen Schriften zeigt sich ein Uebergang vom Fichtianismus zur ethisch-religiösen Naturempfindung der Romantiker, welche hier ähnlich wie bei Novalis und Hölderlin zu einem ästhetisch gefärbten Spinozismus führt.

R. Haym, Die romantische Schule (1870), S. 445 ff.