ADB:Hartmann, Johann Adolf

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Artikel „Hartmann, Johann Adolph“ von Franz Xaver von Wegele in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 685–686, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hartmann,_Johann_Adolf&oldid=- (Version vom 20. Oktober 2019, 07:10 Uhr UTC)
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Hartmann: Johann Adolph H., Geschichtsschreiber. Geboren am 10. März 1680 von katholischen Eltern zu Münster in Westfalen, besuchte er seit 1689 das unter der Leitung der Jesuiten stehende Gymnasium daselbst, betrieb in den oberen Classen mit besonderer Vorliebe philosophische Studien und wurde 1698 zu Trier als Novize in den genannten Orden[WS 1] aufgenommen. In den folgenden Jahren wirkte er nach abgelegtem Gelübde als Lehrer der Philosophie und Beredtsamkeit an verschiedenen Orten und erhielt endlich im Jahre 1713 die Erlaubniß, einen längst gehegten Wunsch auszuführen und als Missionar nach Ostindien zu gehen. Aber es war anders mit ihm beschlossen. Durch einen Zufall war das Schiff, das ihn nach Lissabon bringen sollte, veranlaßt worden, an der spanisch-gallizischen Küste zu landen, und als er, von da zu Lande reisend, endlich die Hauptstadt Portugals erreichte, fand er die nach Indien segelnden portugiesischen Schiffe nicht mehr vor. Während H. nun auf eine andere Fahrgelegenheit wartete, erkrankte er und hielt es der dortige Provinzial der Jesuiten unter diesen Umständen für zweckmäßiger, daß er wieder nach Deutschland zurückginge. Zurückgekehrt, wurde er im Dienste seines Ordens im Paderborn’schen und im Hildesheimischen verwendet und in dieser Zeit geschah es, daß schon seit längerer Zeit in ihm erwachte Zweifel über mehrere Glaubenssätze seines Bekenntnisses so unwiderstehlich mächtig in ihm wurden, daß er beschloß, zum Protestantismus überzutreten. Er verwirklichte diesen Entschluß im Jahre 1715 in Kassel, wohin er sich zu diesem Zwecke von Paderborn aus um [686] Belehrung und Schutz gewendet hatte. Er that diesen Schritt, der einem wahrhaft inneren Drange seiner Natur entsprang, zu einer Zeit, in der bekanntlich die Frage der Wiedervereinigung der Confessionen auf der Tagesordnung stand, und man umgekehrt mehr gewohnt war, Abfälle vom Protestantismus zum Katholicismus zu erleben. Der Landgraf Karl von Hessen, dem er gut empfohlen war, nahm sich seiner werkthätig an und ernannte ihn schon das Jahr darauf zum „Professor der Weltweisheit und Dichtkunst“ am Collegium Carolinum. Im J. 1722, nachdem er seinen Lehrberuf hinlänglich bewährt hatte, wurde H. an Schwiecker’s Stelle zum Professor der Geschichte und Beredtsamkeit an der Universität Marburg befördert. In dieser Stellung hat er noch 22 Jahre zugebracht und durch Berufstreue und Arbeitsamkeit sich allgemeine Achtung erworben. Er ist am 31. October 1744 gestorben. Hartmann’s schriftstellerische Thätigkeit, namentlich in Programmen u. dgl., war in seiner Marburger Zeit eine sehr fruchtbare; sein umfangreichstes und angesehenstes Werk aber ist seine „Historia Hassiaca in auditorum usum concinnata“, deren III. Theil erst nach seinem Tode aus seinem Nachlaß herausgegeben wurde und welcher man zwar Belesenheit und Fleiß, aber einen bleibenden wissenschaftlichen Werth nicht wohl nachrühmen kann.

F. W. Strieder’s Grundlage zu einer hessischen Gelehrten– und Schriftstellergeschichte (V. Bd. S. 289–312 und VI. Bd. S. 521), wo auch Hartmann’s sämmtliche Schriften aufgeführt sind. – Zu vgl. die Vorrede zum III. Bde. seiner Historia Hassiaca.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Orten