ADB:Huschke, Immanuel Gottlieb

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Artikel „Huschke, Immanuel Gottlieb“ von Karl Felix Halm in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 451–452, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Huschke,_Immanuel_Gottlieb&oldid=- (Version vom 18. November 2019, 10:57 Uhr UTC)
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Huschke: Immanuel Gottlieb H., Philolog, geb. 1761 zu Greussen im Schwarzburg-Sondershausen’schen, gest. ebendaselbst am 18. Februar 1828. Sein Vater, der sich als Kaufmann in Holland Vermögen erworben hatte, sorgte bestens für eine tüchtige Erziehung seiner Kinder. Seine Vorbildung erhielt der junge H. auf der Schule zu Schulpforta, wo er sich bereits eine bedeutende Fertigkeit im lateinischen Ausdruck aneignete; von dort aus bezog er die Universität Jena, auf der er mit Fr. Jacobs Freundschaft schloß und mit ihm eifrig philologische Studien betrieb. Nach beendigten akademischen Jahren übernahm H. zuerst eine Hofmeisterstelle bei einem adelichen Gutsbesitzer in Liefland, 1789 kam er nach Holland, wo er Hauslehrer bei einem deutschen Kaufmann, Namens Güllicher in Amsterdam wurde und sich durch seine gelehrten Kenntnisse bald die Bekanntschaft eines Hieronymus de Bosch, Laur. van Santen und anderer Philologen erwarb. Als nach der Besetzung Hollands durch die Franzosen im J. 1795 der Professor Joh. Luzac aus politischen Gründen seine Professur in Leyden verlor, bewirkte van Santen Huschke’s Berufung als dessen Nachfolger, worauf er sogleich seine Hauslehrerstelle aufgab. Zu einer wirklichen Anstellung kam es aber nicht, weil Luzac einen Proceß gegen die Curatoren der Universität erhoben hatte, vor dessen Austrag die Anstellung eines Nachfolgers nicht erfolgen konnte. So auf eine Wartezeit hingewiesen, begab sich H., dessen Geldmittel auch auszugehen anfingen, gegen Ende des Jahrhunderts nach Deutschland zurück und lebte theils bei einem Bruder in Münden, theils in Göttingen, wo er 1802 Privatdocent wurde, bis zum J. 1806, wo er zum Professor der griechischen Litteratur in Rostock ernannt wurde. Da bald darauf (1807) Luzac durch eine Pulverexplosion sein Leben einbüßte, erging an H. durch Hier. de Bosch ein neuer Ruf nach Leyden, dem zu folgen er sich jedoch jetzt nicht mehr entschließen konnte. Er rückte in Rostock 1813 noch zum Professor der Beredtsamkeit empor und erhielt nach O. Tychsens Tod auch die Stelle eines Oberbibliothekars an der Universität. Seine erfolgreiche Thätigkeit in beiden Wirkungskreisen war nur leider mehrmals durch ernsthafte Krankheitsfälle unterbrochen. Ein in der Jugend erlittenes langwieriges Wechselfieber hatte eine [452] Schwäche des Unterleibes zurückgelassen, die mit der Zunahme der Jahre in ein hartnäckiges hypochondrisches Leiden ausartete, das ihn in den Jahren 1816 und 1823 nöthigte, seine Berufsarbeiten auf längere Zeit auszusetzen. Dieser leidende Zustand war wol auch die Ursache, daß er keine so große litterarische Thätigkeit entfaltete, als man von seiner ausgebreiteten Gelehrsamkeit erwarten durfte. Seinen Ruf als scharfsinniger Kritiker begründete er durch das gelehrte Werk: „Analecta critica in Anthologiam graecam cum supplemento epigrammatum maximam partem ineditorum“, Jena 1800. Minder bedeutend ist seine große Ausgabe des „Tibullus“ 1819 in 2 Bdn. mit einem ausführlichen Commentar, der nur zu sehr an die breite Manier der Holländer erinnert. Von seinen übrigen Schriften nennen wir: „Epistola critica in Propertium“, Amsterdam 1792; „Dissertatio de fabulis Archilochi; accedit notitia codicis Augustani cum fabulis ineditis“, Altenburg 1803; „Commentatio de Orphei Argonaut.“, Rostock 1806; „Comment. de inscriptione vasculi Locris reperti“, Leipzig 1814; „Comment. de C. Annio Cimbro“, Rostock 1824, dazu ein Epilogus in den Analecta litteraria p. 365 sqq. In seinem letzten Werk, den so eben genannten Analecta (Leipzig 1826), findet sich nur weniges von ihm selbst, aber eine bedeutende Abhandlung „Commentationes de Tibullo et Propertio“, deren erster Theil in einem Excurs zu Tibull eine sehr gelehrte mythologische Monographie de Nymphis et puellis personatis enthält, der zweite die ausführliche Rechtfertigung einer evidenten Verbesserung einer Stelle des Propertius III, 9, 47, welche Arbeit sehr bedauern läßt, daß von seinen langjährigen Vorarbeiten zu einer Ausgabe dieses Dichters aus seinem Nachlaß nichts bekannt geworden ist.

Neuer Nekrolog der Deutschen, Jahrg. 1828, I, S. 138 ff. Allgemeine Schulzeit. 1828. Abtheil. II. S. 887 f. A. Matthiä in Jahn’s Jahrb. f. Phil. u. Päd. 1829. I, S. 122 f.