ADB:Kienmayer, Michael Freiherr von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Kienmayer, Michael Freiherr von“ von Karl Friedrich Hermann Albrecht in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 723–725, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kienmayer,_Michael_Freiherr_von&oldid=- (Version vom 19. Juni 2019, 07:40 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 15 (1882), S. 723–725 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Michael von Kienmayer in der Wikipedia
GND-Nummer 122170768
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|15|723|725|Kienmayer, Michael Freiherr von|Karl Friedrich Hermann Albrecht|ADB:Kienmayer, Michael Freiherr von}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=122170768}}    

Kienmayer: Michael Freiherr v. K., kaiserl. österreichischer General der Cavallerie, Commandeur des Militär-Maria-Theresien-Ordens, Inhaber des [724] achten Husarenregiments, geboren zu Wien am 17. Januar 1755, gestorben ebendort am 28. October 1828. K. trat am 1. Oct. 1774 als Cadet in die kaiserl. Armee und zwar in das 26. Infanterieregiment (damals Fzm. Conde de Puebla); dann zur Cavallerie übergetreten, machte er im 10. Husarenregiment (General der Cavallerie Freiherr v. Barco) die Feldzüge des baierischen Erbfolgekrieges gegen Preußen mit; bei der Eroberung des Blockhauses von Oberschwedeldorf (am 18. Januar 1779) wurde er auf dem Gefechtsfelde zum ersten Rittmeister ernannt. In den Türkenkriegen der J. 1788–89 zeichnete sich K. durch außerordentlich kühne und mit Glück ausgeführte Reiterzüge und Streifungen aus. Im November 1788 Major, erwarb er sich am 31. Juli 1789 in dem Gefechte am Putna durch Eroberung des türkischen Lagers und Verfolgung des Feindes bis über den Putnafluß, sowie in der Schlacht bei Fokśani (am 1. August) so wesentliche Verdienste, daß er zum Oberstlieutenant befördert wurde. Auch in der Schlacht bei Martinestje und Tirgu-Kukului am Rimnik (am 22. September 1789) zeichnete sich K. so hervorragend aus, daß ihn General der Cavallerie Prinz Coburg mit der Relation über die Schlacht an den Kaiser nach Wien sendete und in derselben sagt: „Der Oberstlieutenant K. war mit seiner Division der Brigade des Generals Karaiczay zugetheilt, und hat sich abermals der allerhöchsten Gnade verdient gemacht; denn er hat durch sieben wiederholte entschlossene Angriffe den zahlreichen Haufen der Feinde, der diese Brigade anfiel, zerstreut und zurückgejagt und bei dem Angriffe gegen die Janitscharen war er der Erste, welcher mit seinem Pferde über die feindliche Schanze sprang, in die ihre Kanonen vertheidigenden Janitscharen selbst einhieb und ihnen die Artilleriefahne mit eigener Hand abnahm“. Die kaiserliche Anerkennung fanden diese tapferen Thaten in der im November erfolgten Beförderung zum Obersten und der Verleihung des Theresienkreuzes (am 21. December 1789). Im Feldzuge 1794 in den Niederlanden war Oberst K. bei dem Corps des Fzm. Graf Kaunitz eingetheilt und zeichnete sich am 22. April in dem Gefechte bei Solre le Château, dann am 13. Mai in jenem von Rouveroy rühmlichst aus, in welch’ letzterem sein kühner Angriff mit sechs Escadronen die bei 6000 Mann starke französische Colonne zum eiligen Rückzuge zwang. – Im Laufe des Jahres zum Generalmajor, im J. 1800 zum Feldmarschalllieutenant befördert, machte K. die sämmtlichen Feldzüge gegen Frankreich mit. – Nach dem Luneviller Frieden (1801) erhielt er das Militärcommando in Troppau und wurde im J. 1802 zum Inhaber des achten Husarenregiments ernannt. – In dem Kriege 1805 befehligte Feldmarschalllieutenant K. ein selbständiges Corps am Lech und kam nach dem Preßburger Frieden als Divisionscommandant nach Olmütz, später nach Fünfkirchen, wo er bis Ende des J. 1808 blieb. – Als im J. 1809 der Krieg mit Frankreich abermals begann, commandirte Feldmarschalllieutenant K. das zweite Reservecorps; in der Relation über die Schlacht bei Aspern wird er unter den Ausgezeichneten genannt, dann am 18. Juni angewiesen, das Commando über das 11. Armeecorps zu übernehmen, welches Böhmen decken sollte. – Mit geringen Streitkräften gelang ihm nicht allein Böhmen vor den Drangsalen des Krieges zu schützen, sondern auch einen großen Theil Baireuths und Sachsens nebst der Lausitz, Dresden und das Voigtland in Besitz zu nehmen. Dieser Feldzug schloß die lange Reihe denkwürdiger Waffenthaten, an denen K. in jenen ereignißreichen Jahren Theil genommen. Am 31. Juli 1809 zum General der Cavallerie ernannt, ward er Stellvertreter des commandirenden Generals in Ungarn, im J. 1813 zeitweilig commandirender General in Galizien, im J. 1814–19 Commandirender in Siebenbürgen, kam im J. 1820 in ebensolcher Verwendung nach Brünn, wo er am 16. Nov. 1824 sein 50jähriges Dienstjubiläum feierte. Das Capitel des Militär-Maria-Theresien-Ordens [725] hatte ihm im J. 1810 für die wichtigen Dienste des J. 1809 das Commandeurkreuz zuerkannt, der Kaiser im J. 1816 ihn durch Verleihung der geheimen Rathswürde ausgezeichnet. Ein schmerzliches Leiden nöthigte K. am 1. December 1826 in den Ruhestand zu treten und schon am 28. Octbr. 1828 wurde er in Wien durch den Tod der Armee entrissen, welcher er durch ein halbes Jahrhundert so viele Beweise echten Heldenmuthes und einsichtsvoller Führung gegeben hatte.