ADB:Kolb, Franz

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Kolb, Franz“ von Emil Blösch in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 456–457, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kolb,_Franz&oldid=- (Version vom 17. Juni 2019, 11:27 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Koken, Edmund
Nächster>>>
Kolb, Gustav
Band 16 (1882), S. 456–457 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Franz Kolb (Theologe) in der Wikipedia
GND-Nummer 123161312
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|16|456|457|Kolb, Franz|Emil Blösch|ADB:Kolb, Franz}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=123161312}}    

Kolb: Franz K. (1465–1535), Reformator in Bern, wurde 1465 zu Lörrach im badischen Wiesenthale geboren, studirte an der Universität Basel, wurde Magister artium und Lehrer an der dortigen Martinsschule. Wie es scheint, auf Betreiben des Schultheißen Peter Falk kam er nach Freiburg in der Schweiz, wurde Cantor, dann Caplan an der St. Nicolauskirche. Im Februar 1509 wurde er nach Bern berufen als Stiftscustos an der St. Vinzenzenkirche. Er trat sofort aufs heftigste dem eben damals eingerissenen Söldnerunwesen, dem sogen. „Reislaufen“, entgegen, und sein ungeduldiger Eifer, der wol auch seine Wirksamkeit erschweren mochte, bewog ihn 1512, von seinem Amte zurückzutreten, mit der Erklärung: „Ihr wollt die Wahrheit nicht, und darum will ich auch nicht mehr bei euch bleiben!“ Er wandte sich nach Deutschland und trat in den Carthäuserorden in Nürnberg. Auch hier als Prediger thätig, machte er sich alsbald wieder Feinde; 1522 brach eine Verfolgung gegen ihn aus, er mußte die Flucht ergreifen und fand mit Mühe Schutz in einem Augustinerkloster. Gerne wäre er jetzt in seine frühere Stelle in Freiburg zurückgekehrt; der Versuch mißlang (1523), dagegen fand er Aufnahme in Bern, wo eine der Reformation günstige Stimmung die Oberhand gewann. Berchtold Haller suchte einen Mitarbeiter, und auf seine Verwendung wurde K. am 4. April 1527 neuerdings als Prediger der Hauptkirche angestellt. Es war die richtige Zeit; es galt eben die letzte Entscheidung. Um dem unsicheren Schwanken ein Ende zu machen, ordnete der Rath von Bern auf den Januar 1528 eine große Disputation an, zu welcher die Gelehrten beider Parteien aus der Eidgenossenschaft und weiterhin geladen wurden. K. eröffnete am 7. Januar das Gespräch durch eine „Vorrede“, in welcher er Gott dafür dankte, daß neben so vielen unerfreulichen Erscheinungen doch das Fragen nach der Wahrheit allgemein geworden sei und das ernstliche Verlangen, sich vom Irrthum los zu machen; er schloß mit dem Gebet des Herrn, dem Ave Maria und dem apostolischen Bekenntniß. Abwechselnd mit Haller hatte er die Aufgabe, die gemeinsam verfaßten „Schlußreden“ oder Thesen in kurzen Worten vorzulegen und zu begründen. An der Verhandlung selbst betheiligte er sich wenig: es scheint, daß ihm die Gelehrsamkeit abging, um neben Zwingli und Oecolampad, Capito und Buzer als Disputator auftreten zu können. Das Gespräch endete am 26. Januar mit einem vollständigen Siege der Reformation, und sofort folgte die Einführung neuer kirchlicher Institutionen nach dem Vorbilde von Zürich, in der Stadt und ihrem Unterthanenlande. Noch im gleichen Jahre 1528 verheirathete sich K. mit einer gewesenen Begine von guter Familie. Im Religionskriege von 1531, in welchem Zwingli umkam, war K. der Feldprediger des bernischen Stadtpanners; aber die Unthätigkeit des Berner Heeres, welchem die Schuld der großen Niederlage bei Kappel zugeschrieben wurde, brachte ihn so außer sich, daß er die heftigsten Reden ausstieß und vom Rath zurückberufen werden mußte. Die Schwachheit des Alters begann bereits sich bemerkbar zu machen. An der großen organisirenden Synode des J. 1532, bei welcher 220 Prediger versammelt waren und deren grundlegende Erklärung – der „Berner Synodus“ – der bernischen Kirche ihre dauernde Gestaltung gegeben hat, scheint K. nicht mehr in hervorragender Weise thätig gewesen zu sein. Im Laufe des J. 1535 wurde er krank, erhielt einen Gehülfen und am 11. November starb er, 70 Jahre alt. Neben dem weichen, zaghaften Haller erscheint K., trotz des viel höheren Alters, als der raschere und rücksichtslosere Charakter. Mit Zwingli wechselte er Briefe, doch wird einer derselben, der besonderes Aufsehen erregte, weil er den Stolz der Berner verletzte, von Kennern mit Bestimmtheit als untergeschoben bezeichnet.

Scheurer, Bernisches Mausoleum, Bern 1741. – Kuhn, Die Reformatoren Berns, 1828. – Kirchhofer, Berthold Haller, 1828. – Pestalozzi, [457] B. Haller, 1861. (Väter und Begründer der ref. Kirche, IX. [Suppl.] Band.) – v. Stürler, Urkunden zur bernischen Kirchenreform, 1862 (Archiv des historischen Vereins des Kant. Bern). – Rathsbücher und Originalprotokolle der Berner Disputation im Berner Staatsarchive. – Berchtold, Hist. du cant. de Fribourg. 1841–45. 3 Vols. – Daguet im Anzeiger f. schw. Gesch. 1881. Nr. 2.