ADB:Konrad (Herzog von Bayern)

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Artikel „Konrad II., Herzog von Baiern“ von Sigmund Ritter von Riezler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 16 (1882), S. 571–572, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Konrad_(Herzog_von_Bayern)&oldid=- (Version vom 22. April 2019, 18:38 Uhr UTC)
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Konrad II., Herzog von Baiern (1049-1053), Sohn des lothringischen Pfalzgrafen Ludolf und der Mathilde von Zütphen, Neffe des Erzbischofs Hermann von Köln und des Herzogs Otto II. von Schwaben, ward vom Kaiser Heinrich III. am 2. Februar 1049 zu Regensburg mit dem Herzogthume Baiern belehnt, nachdem die Kaiserin Agnes ihrem Gemahle statt des erhofften Sohnes, dem er dieses Herzogthum zuzuwenden gedachte, eine Tochter geboren hatte. Bald nach seiner Einsetzung wurden durch ein mächtiges Reichsheer, in dem die Baiern unter ihrem neuen Herzoge kaum gefehlt haben werden, in Lothringen Empörer zur Unterwerfung gebracht. Vornehmlich aber sind es Kämpfe mit dem bairischen Erbfeinde, den Ungarn, welche die kurze Regierung dieses Herzogs ausfüllen. Zu Anfang 1050 forderte des Kaisers Oheim, Bischof Gebhard III. von Regensburg, durch einen Beutezug auf ungarisches Gebiet einen verheerenden Einfall der Ungarn in die Ostmark heraus. Zu Nürnberg, wohin der Kaiser alle bairischen Fürsten zur Berathung berief, ward beschlossen zunächst die zerstört liegende Heimburg an der bairisch-ungarischen Grenze wieder aufzubauen und unter dem Schutze eines bairischen Heeres, das Herzog K., der Markgraf der Ostmark und der Bischof von Regensburg befehligten, ward das Werk noch im selben Jahre ausgeführt. Die Ungarn hatten ihr Heer in der Nähe zusammengezogen und überschütteten das bairische Lager mit Pfeilen, bis die Baiern [572] in geschlossener Schaar zum Angriffe übergingen und einen glänzenden Sieg erfochten. Weniger glücklich war die Kriegsführung des folgenden Jahres, wiewohl hier ein allgemeines Reichsaufgebot vom Kaiser selbst geführt, in Ungarn einrückte. Der Feind nahm keine Feldschlacht an, ließ den Hunger für sich wirken und belästigte die Deutschen erst auf ihrem Rückzuge. Daß K. in diesem Kriege die Baiern befehligte, läßt sich kaum bezweifeln, wiewohl sein Name in den Quellen nicht genannt wird. Nun aber trübte sich Konrad’s Verhältniß zum Kaiser, worauf eingewirkt haben mag, daß diesem nun doch noch ein Sohn geboren ward, dem er Baiern zuzuwenden gedachte und bald wirklich übertrug. Dagegen ist wol unbegründetes Gerede, daß K. des Kaisers Gunst verwirkt, weil er dessen Tochter Beatrix nicht heirathen wollte. Des Herzogs Maß war gefüllt, als er mit dem Bischofe Gebhard von Regensburg, des Kaisers Oheim, in Fehde gerieth und demselben die Burg Parkstein im Nordgau einäscherte. Sammt seinem Gegner zu Ostern 1053 nach Merseburg vorgeladen, ward er wegen dieser That und wegen ungerechter Urtheile, die er im Volksgerichte gefällt habe, nach dem Urtheile der Reichsfürsten des Herzogthums entsetzt und, als er einer weiteren Vorladung nach Vorladung nach Tribur nicht Folge leistete, wie es scheint, auch friedlos erklärt. Wohl trotzten mit ihm manche mächtigen bairischen Herren, besonders die Aribonen Pfalzgraf Aribo II. und dessen Bruder Boto, dem Kaiser; gleichwohl wagte er keinen Versuch sich in Baiern zu behaupten, floh vielmehr mit ansehnlichem Kriegsgefolge durch Kärnten zu seinen alten Feinden, den Ungarn, und bestimmte den König Andreas mit den Deutschen keinen Frieden zu schließen. Dann brach er mit einer ungarischen Schaar in die Krainermark ein und nahm auf dem Rückwege von diesem Verwüstungszuge die Hengstburg an der Mur, wo er eine Besatzung zurückließ. In Baiern that das Erscheinen des Kaisers jedem weiteren Umsichgreifen der Bewegung Einhalt, auch konnte die Hengstburg von Konrad’s Leuten gegen die wiederholten Angriffe der Steiermärker nicht behauptet werden: von Ungarn aus aber unternahm K. noch mehrere verheerende Einfälle in die Ostmark, bis deren Krieger sich aufrafften und dem geächteten Vaterlandsverräther ein glückliches Gefecht lieferten. Von rücksichtslosem Ehrgeiz getrieben, ließ sich dann K., während der Kaiser 1055 nach Italien aufgebrochen war, mit seinem früheren Gegner, dem unruhigen Bischofe Gebhard von Regensburg, und mit Herzog Welf von Kärnten, in eine Verschwörung ein, die gegen die Herrschaft, ja wie es heißt, gegen das Leben des Kaisers gerichtet war und K. an dessen Stelle erheben sollte. Vielleicht erstreckten sich die Fäden des Bundes bis tief nach dem Westen hinüber, wo wenigstens alte Feinde des Kaisers, Gottfried von Lothringen und Balduin von Flandern, während seiner Abwesenheit in Lothringen einbrachen. Die drohende Gefahr rief den Kaiser im November 1055 nach Baiern zurück. Eben damals erlag K. einer schmerzlichen Krankheit und da gleichzeitig auch Herzog Welf starb, Bischof Gebhard aber in die Gefangenschaft des Kaisers gerieth, ward der hochverrätherische Plan im Keime erstickt. Konrad’s Gemahlin Judith, die er wol erst nach seiner Erhebung zum Herzoge heimgeführt, die zweite Tochter des Nordgauer Markgrafen und Schwabenherzogs Otto, reichte nach dem Tode ihres ersten Gemahls ihre Hand dem Aribonen Boto.

v. Giesebrecht, Gesch. d. deutschen Kaiserzeit, Bd. II; Voigtel-Cohn, Stammtafeln, Tafel 49; Steindorff, Jahrbücher des deutschen Reichs unter Heinrich III.; Riezler, Gesch. Baierns, I, 463-473.