ADB:Lacher, Ambrosius

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Lacher, Ambrosius“ von Rudolf Schwarze in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 17 (1883), S. 467, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lacher,_Ambrosius&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 23:30 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Labitzky, Josef
Nächster>>>
Lachmann, Ferdinand
Band 17 (1883), S. 467 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Ambrosius Lacher in der Wikipedia
GND-Nummer 119736306
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|17|467|467|Lacher, Ambrosius|Rudolf Schwarze|ADB:Lacher, Ambrosius}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=119736306}}    

Lacher: Ambrosius L., aus Meersburg am Bodensee, der erste Professor der Mathematik an der 1506 gegründeten Universität zu Frankfurt a. d. O., † daselbst 1540. Sein Name wird selten genannt, da die lateinischen Lehrbücher, welche er zum Gebrauch seiner Vorlesungen auf eigene Kosten drucken ließ (Frankfurt 1506–11 in 4°), nur hier und da noch zu finden sind (königl. Bibliothek zu Berlin, Breslau). Aber obwol L. wesentlich nur das bereits vorgefundene Material methodisch bearbeitete. so war er es doch, welcher das gegen Ende des 15. Jahrhunderts von Wien aus über Deutschland sich verbreitende Interesse für die mathematischen Studien auch an die junge märkische Universität verpflanzte, woselbst sie über ein Jahrhundert lang mit Vorliebe gepflegt wurden. Dabei zeigt L. eine bemerkenswerthe Vielseitigkeit, sofern seine Compendien sich über die vier, unter dem Namen Quadrivium zusammengefaßten Zweige der Mathematik verbreiten. Zuerst erschien seine Bearbeitung der vier ersten Bücher des Euklid (mit mathematischen Figuren am Rande) nach der von Campanus commentirten lateinischen Ausgabe der Elemente, Venedig 1482. Sodann folgte der „Algorithmus mercatorum“, ein Lehrbuch der Positionsarithmetik, welches in der Behandlung der Grundoperationen, selbst in der Wahl der Beispiele, dem Algorithmus des Georg v. Peuerbach gleicht (eine Inhaltsangabe des letzteren bei Schmid, Encyklopädie des Unterrichtswesens, Art. Rechnen, von Wildermuth, Bd. VI. S. 731, 1. Aufl.), aber noch die Regel de tri und Bruchrechnung, Gewichts- und Münztabellen, sowie Beispiele des kaufmännischen Rechnens hinzufügt. Neben diesem, der indisch-arabischen Rechenmethode folgenden Lehrbuch verfaßte L. aber noch eine Arithmetica nach dem auf Boetius basirenden, damals handschriftlich weit verbreiteten Handbuch des Joh. de Muris, und auf diese beiden Gewährsmänner stützt sich dann auch seine „Epitome musicae“, während die „Tabulae resolute de motibus Planetarum aliorumque supercelestium mobilium jam de novo extracte castigate atque revise“ nebst vorangeschickter Anweisung zu ihrem Gebrauche sich an die Arbeiten des Joh. Regiomontanus anschließen.

Vgl. Becmanus in der Notitia univers., Francof. 1706, fol. 48 u. 271 und die (nicht ganz correcten) Angaben bei Friedländer, Das erste Decennium der Typographie in Frankfurt a. d. O. (Märkische Forschungen, II. 1843, S. 23 ff.).