ADB:Lewald, Fanny (2. Artikel)

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Artikel „Lewald, Fanny“ von Ludwig Julius Fränkel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 52 (1906), S. 769–771, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lewald,_Fanny_(2._Artikel)&oldid=- (Version vom 22. Juli 2019, 21:11 Uhr UTC)
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Lewald *): Fanny L. ist der Mädchen- und im weiteren Publicum fast allein bekannte Schriftstellername der bekannten Romandichterin, Litteratin und selbständigen Frauenrechtlerin (1811–89), die bürgerlich an vier Jahrzehnte den Namen ihres Gatten Adolf Stahr trug und auch demgemäß neben diesem A. D. B. XXXV (1893), 406–11 behandelt ist. Die Kenntniß ihres Wirkens und Auffassung ihres Wesens sind neuerdings besonders durch wichtige und überaus anziehende authentische Veröffentlichungen Ludw. Geiger’s verschoben bezw. bereichert worden. In erster Reihe durch die Herausgabe ihres geistigen Tagebuchs „Gefühltes und Gedachtes. 1838–88“ im J. 1900, wo sich ihre lebenskluge und vielseitig interessirte Persönlichkeit deutlich abspiegelt, sowie der geschickten Briefauswahl „Aus Adolf Stahrs Nachlaß“ (2. Aufl. 1905; vollständigen Titel s. A. D. B. L, 62), die beide mit genauen Einleitungen und Anmerkungen versehen sind. Dazu treten außer anderer gelegentlicher Bezugnahme auf unerwartete handschriftliche Stücke beider Ehegatten seitens L. Geiger’s seine großentheils durch deren Briefwechsel mit dem frühverklärten liebenswürdigen Poeten Georg v. Hauenschild (s. A. D. B. L., 61) gestützten Aufsätze „Max Waldau zum Gedächtnis“, Zeitschrift für Bücherfreunde VIII (1904/5), S. 431–47 u. 457–68, und „Max Waldau und Adolf Stahr“, Nord u. Süd Bd. 113, Heft 339 (1905), S. 390–415. Eine neue ganz merkwürdige Beziehung ward jüngst neu aufgedeckt in der „Festschrift zum hundertjährigen Geburtstage Emil Adolf Roßmäßlers 3. März 1906. Bearbeitet im Auftrage des deutschen Lehrervereins für Naturkunde von Hartung, Männel, Merker, Mißbach“ (Aus K. G. Lutz’ „Aus der Heimath“ 19. Jahrg., Nr. 2–4), hervorgezogen aus Roßmäßlers Volksblatt „Aus der Heimath“ (seit 1859) und dessen Artikel-Erneuerung im Buche „Für freie Stunden“; erneuern S. 93–102 jener Festschrift aus diesem Werke Roßmäßler’s S. 251–63 den an Fanny Lewald gerichteten wunderschönen [770] naturkundlich-philosophischen Aufsatz „Der Frühling ist da! Zum Geburtstage einer Freundin“, so druckt dieselbe Säkularausgabe auf S. 102 bis 108 aus dem Buche „Für freie Stunden“ S. 412–21 eine äußerst gemüthvolle novellistische Skizze Roßmäßler’s „Denkt daran!“ ab, wo „Adolf“ und „Fanny“ als harmonisch glückliches junges Ehepaar auf einer beschaulichen gesprächigen Winterfahrt auftreten. Die vielfach als ungewöhnlich nüchtern und ausschließlich rationalistisch verschrieene Fanny L. erscheint bei Roßmäßler in einem wahrhaft idealen Lichte. Einen bedeutsamen Gesichtspunkt ihrer Beurtheilung nimmt der Aufsatz L. Fränkel’s „Fanny Lewald und das Judenthum“, Allg. Zeitung des Judenthums, 65. Jahrg. (1901), Nr. 8 und 9, vor, und dazu ist der Hinweis auf eine, auch litterarisch nicht gleichgültige Verwandtschaft bei H. H. Houben, „Gutzkow-Funde“ (1901), S. 253, zu ziehen: „Vor allem war es [in Hamburg] ein Haus, in das Gutzkow bald als innigster Freund aufgenommen wurde, das des Dr. Assing, des Onkels der Fanny Lewald, der nach der Taufe seinen ursprünglichen Namen David Assur [s. A. D. B. I, 624] abgelegt und Varnhagen’s Schwester Rosa Maria geheirathet hatte“. Nach dem unter „Fanny Lewald-Stahr“ in die Allgemeine Deutsche Biographie eingerückten Artikel Henriette Goldschmidt’s sind nun auch 1897 Fanny Lewald’s „Lebenserinnerungen“ aus ihrem Nachlasse gedruckt worden, in Westermann’s Illustr. Deutschen Monatsheften 82. Bd., S. 440–454, 616 bis 631, 702–720. Endlich besitzt das Goethe-Schiller-Archiv in Weimar seit 1891 als Schenkung des Großherzogs Karl Alexander von Sachsen 139 an ihn gerichtete Briefe des Stahr’schen Ehepaars (s. VII. Jahresbericht der Goethe-Gesellschaft – im Goethe-Jahrbuch XIII. Bd. – S. 9). Sodann hat als Vertreter der Familie der geistreichen Frau auch Geh. Finanzrath Dr. Felix Lewald in Berlin, ihr Neffe, 1900 47 Briefe des Großherzogs Karl Alexander von Sachsen an Fanny L., 1903 88 weitere dem Goethe-Schiller-Archiv zu Weimar geschenkt (s. 15. Jahresbericht der Goethe-Gesellschaft im XXI. Bd. des Goethe-Jahrbuchs S. 18 sowie deren 19. Jahresbericht im XXV. Goethe-Jahrbuch S. 12), ferner 1901 einen Band „Arbeitsstoffe und Notizen“ Fanny Lewald’s (s. 16. Jahresbericht der Goethe-Gesellschaft im XXII. Goethe-Jahrbuch S. 15). Darauf nun beruht Günther Jansen’s Theil-Publikation (1904) dieser Correspondenz 1848–89. Schon 1858 hat Rob. Prutz einen Umriß ihrer litterarischen Figur im Rahmen seine Capitels „Dichtende Frauen“: Die dtsch. Literatur d. Gegenw. II, 256–62, versucht. Eine – die einzige – kleine Monographie, im Plaudertone, kam aus Feodor Wehl’s Nachlaß 1892: „Fanny Lewald. Erinnerungen von F. W. Mit zahlreichen, bisher ungedruckten Briefen“. Von älteren noch lebenden Bekannten der Fanny L. hat Karl Frenzel in seinen „Erinnerungen und Strömungen“ (1890) ihr Bild sympathisch gezeichnet, während eine Gesammtcharakteristik in Essayform nur aus der Feder ihres gründlichen Kenners Ludwig Geiger als Nr. 15 in Band I seiner Sammlung „Dichter und Frauen“ (1896) vorhanden ist.

Für die Lewald-Nummer von K. E. Franzos’ Zeitschrift „Deutsche Dichtung“, VII. Bd., H. 3 (1. Nov. 1889), die aber von ihr nur ein Bildniß nach einer Altersphotographie und einen Prosa-Denkspruch von 1888 enthält, lieferte L. Geiger das gedrängte Lebens- und Charakterbild (S. 74–77). Im richtigen Gegensatze zu ihrer Zeitgenossin, sozusagen im Doppelsinne Rivalin und stillen Widersacherin Gräfin Ida Hahn-Hahn erblickt man die Lewald auch in Geiger’s Resumé seiner Vortrags-Serie über „Deutsche Litteratur von 1840 bis 48“: s. Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts zu Frankfurt a. M. II (1903), S. 37/38. Dagegen sieht sie unter besonderem Gesichtswinkel Fedor Mamroth’s Heftchen über „Die Frau auf dem Gebiete des modernen deutschen [771] Romans“ (1871). Die hervorragende Rolle, welche F. Lewald reformerisch in der Frauenbewegung spielte, bringt Minna Cauer in ihrer Zusammenfassung „Die Frau im 19. Jahrhundert“ (1898), S. 92–99, gut zur Geltung und weist dabei auch besonders auf ihre „Osterbriefe für die Frauen“ (1868; nicht „Für und wider die Frauen“) hin, von denen soeben Osk. Stillich in der Zeitschrift „Das freie Wort“ VI, Nr. 17 (1. December 1906), S. 684 sagt, daß F. L. unter anderm „durch sie zum erstenmale in eine Welt von Vorurtheilen in der Dienstbotenfrage Bresche legte“.

Bei diesem jetzigen Nachtrags-Anlasse sei gleichzeitig für Fanny Lewald’s Gatten und Partner, Adolf Stahr, auf die oben für die Schriftstellerin herangezogenen Neuveröffentlichungen L. Geiger’s nachdrücklich verwiesen, insbesondere auf die bedachte Auslese der Briefe und deren gut charakterisirende Einleitung über Ad. Stahr und seine so eng verbundene Ehehälfte; für eine Einzelheit, welche ich in meinem Stahr-Artikel der A. D. B. (XXXV, 404) mißverständlich dargestellt, aber ebendort (XXXVI, 797) berichtigt hatte, nämlich Stahr’s angeblichen Antheil an E. Palleske’s „Wintermärchen“-Bearbeitung, auf Jahrbuch d. deutschen Shakespeare-Gesellschaft 33, S. 270, u. 34, S. 376. An Adolf Stahr’s Säkulartag, 22. October 1905, druckte die „Frankfurter Zeitung“ (2. Morgenblatt) unter genauer Quellenangabe das Wesentliche unseres Artikels aus der A. D. B. ab.


[769] *) Zu Bd. XXXV, S. 406, und Bd. LI, S. 680.