ADB:Lißmann, Heinrich Friedrich

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Artikel „Lißmann, Heinrich Friedrich“ von Hermann Arthur Lier in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 52 (1906), S. 27–28, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Li%C3%9Fmann,_Heinrich_Friedrich&oldid=- (Version vom 15. Juli 2019, 18:55 Uhr UTC)
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Lißmann: Heinrich Friedrich (Fritz) L. wurde am 26. Mai 1847 in Berlin als der Sohn des Mühlenbaumeisters Theodor L. geboren. Nach dem Wunsche seines Vaters sollte er Kaufmann werden. Er machte daher auch, wenn auch mit innerlichem Widerstreben, seine Lehrzeit pünktlich durch. Da es sich jedoch zeigte, daß er eine kräftige Baß-Bariton-Stimme besaß, die sich immer prächtiger entwickelte, und seine Versuche bei den ersten Autoritäten des damaligen musikalischen Berlin Aufmunterung fanden, ertheilte ihm der Vater die Erlaubniß, sich bei Joseph Hilmer, einem Schüler Garcia’s, im Gesang ausbilden zu lassen. Gleichzeitig nahm er bei Julius Hein, dem Director des kgl. Schauspiels in Berlin, dramatischen Unterricht. Als er sich ein Repertoire von zwanzig Opern angeeignet hatte, betrat er, kaum zwanzig Jahre alt, am 21. September 1868, auf dem Aktien-Theater in Zürich als Alfonso in „Lucrezia Borgia“ die Bretter, die die Welt bedeuten. Seine [28] zweite Rolle in Zürich war der Don Juan. Auch im J. 1869 war er in der Schweiz an den vereinigten Bühnen von St. Gallen und Luzern thätig. Beim Ausbruch des Krieges im J. 1870 trat er in das 2. Garderegiment ein und machte in ihm den ganzen Feldzug mit. Erst 1872 konnte er am Stadttheater in Lübeck seine künstlerische Beschäftigung wieder aufnehmen. Von hier aus absolvirte er im Mai 1873 ein viermaliges Gastspiel am Stadttheater in Leipzig, das zu einem Engagement an demselben führte. Hier wirkte er vom 1. September 1873 an bis zum 27. Januar 1878 mit großem Erfolg, obwol er anfangs noch die Concurrenz mit Eugen Gura zu bestehen hatte. Im October 1875 vermählte er sich mit der Sängerin Marie Gutzschbach, die ihm achtzehn Jahre lang eine treue Kunst- und Lebensgefährtin geblieben ist. Als er im J. 1878 gemeinsam mit ihr die Leipziger Bühne verließ, wandten sie sich nach Frankfurt a. M., um sich noch zwei Jahre lang bei Julius Stockhausen im Gesang zu vervollkommnen und für den Concert- und Oratoriengesang auszubilden. Von 1879 an gehörte L. dem Stadttheater in Bremen an und siedelte dann im September 1883 nach Hamburg über, an dessen Stadttheater er bis zu seinem durch einen plötzlichen Schlaganfall herbeigeführten Tode am 5. Januar 1894 als einer der beliebtesten Sänger hochgeschätzt wurde. Seine besten Rollen waren der Hans Sachs in Wagner’s „Meistersingern“, ferner der Telramund, Holländer, Wolfram, Don Juan, Graf Almaviva und Figaro. Er besaß eine gründliche Schule und arbeitete trotz aller Erfolge an seiner weiteren Vervollkommnung rastlos fort. Auch verfügte er über eine mehr als gewöhnliche litterarische Bildung und fand am Büchersammeln eine ganz besondere Freude.

Neue Berliner Musikzeitung. Redacteur: Aug. Ludwig. 48. Jahrg. Berlin-Groß-Lichterfelde 1894, S. 30, 31. – Georg Herm. Müller, Das Stadt-Theater zu Leipzig. Leipzig 1887. (Register.) – 1895. Neuer Theater-Almanach. Hrsg. von der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger. 6. Jahrg. Berlin 1895, S. 175, 176. – Ludwig Eisenberg’s Gr. Biogr. Lex. d. Dtsch. Bühne im XIX. Jahrh. Leipzig 1903, S. 613.