ADB:Lorenz von Lauterbach

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Artikel „Lorenz von Lauterbach“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 178, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lorenz_von_Lauterbach&oldid=- (Version vom 19. Juli 2019, 08:27 Uhr UTC)
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Lorenz von Lauterbach, der angebliche Verfasser des Volksbuches „Der Finkenritter“ im 16. Jahrhundert. Seine Autorschaft dieses wie mehrerer anderer jetzt verschollener Volksschriften sowie seine Heimath und sein Stand wird, allerdings nur durch die einzige und viel spätere Angabe des Hartmund Reinhold in seinem Buche „Hans Wurst“ (Nordhausen 1673, S. 10) gewährleistet. Hier sagt er: „Wer war Lorenz von Lauterbach? Ein deutscher Not. public. oder daß ichs vermuttersprache, ein offenbahrer vereydeter Notarius zu Neustadt, auch daselbst wohlverdienter Mädgen Schulmeister. Man lese aber seine minima carmina, von Rumplingern, von der Windmühle, von der schönen Helenen, von der Dorotheen, von Finken Ritter, da wird man schon genug sehen ja mit Händen greiffen wie herrliche Infälle er gehabt, da er doch in Lateinische Bücher sein Lebtage wenig Ohren gemacht.“ Sein Geburtsort wäre demnach eines der vielen Lauterbache in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz, deren Ritter’s geographisch-statistisches Lexikon 24 zählt, und sein Wohnort Neustadt, wovon nur 43 existiren. Der Titel seines Buches in erster Ausgabe lautet: „Der Fincken Rittern, wie der dritthalb hundert jar, ehe vnd er geboren ward, vil land durchwandert, vnd seltzame ding gesehen …“ am Ende: „Gedruckt zu Straßburg am Kornmarkt“ o. J. (um 1560) 8°, 1568, 12°, mit drei Holzschnitten; neuer Abdruck in Reichard’s Bibliothek d. Roman. 1782–94, XVI, 64 ff. In den späteren und noch bis heute veranstalteten Ausgaben, den Reutlinger Jahrmarktsdrucken, findet sich beigegeben: „Der lustige Cavalier Monsieur Hans Guck in die Welt mit seinen gesammten Scherzreden“. Der Finkenritter, eine Art Münchhausiade, häuft auf einen Namen eine Anzahl von älteren Lügenmärchen, erreicht jedoch, namentlich im Ausdruck, deren naiv kindliche Lust am Ungereimten keineswegs. Die Beigabe aber ist ein fremdartiger Zusatz, eine schlechte poetische Epistel und dann 400 „zeitkürzende Scherzreden“: Gassenhauer, aber darum nichtsdestoweniger meist recht witzig erfunden, spöttisch und scharf. Früher nahm Meusebach als Verfasser des Finkenritters, verleitet etwa durch den Druckort „Straßburg“, den Satiriker Fischart an und würde sonach das Buch zu dessen ältesten Schriften gehören; „die Fabel aber“, bemerkte mit Recht Vilmar in den Anmerkungen zu Bd. I seiner Geschichte der deutschen Nationallitteratur (5. Aufl. Marb. 1854, S. 511, Nr. 170), „war ohne Zweifel schon vorhanden, denn bereits 1571, zu einer Zeit, als Fischart kaum angefangen hatte als Schriftsteller aufzutreten, erwähnt Joh. Nasus in seinem gegen G. Nigrinus gerichteten Buche „Von Fratris Joannis Nasen Esel“ Bl. Ga. den Finkenritter sprichwortsweise.“

Görres, Volksbücher, S. 179 ff. Gervinus II, 366. Wackernagel, Gesch. d. d. Lit., Abtheil. 3, 470. Goedeke, Gr. I. 368, 420–421 und dessen Elf Bücher d. Dichtung I, 144. Weller, Ann., II. 385, 397.