ADB:Lorenzberg, Stanislaus Matthäus Cosmerovius von

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Artikel „Lorenzberg, Stanislaus Matthäus Cosmerovius von“ von Jakob Franck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 180–183, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lorenzberg,_Stanislaus_Matth%C3%A4us_Cosmerovius_von&oldid=- (Version vom 23. Juli 2019, 07:55 Uhr UTC)
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Lorenzberg: Stanislaus Matthäus Cosmerovius v. L., Buchdrucker und Buchhändler zu Wien im 17. Jahrhundert. Die Heimath dieses zu seiner Zeit sehr bedeutenden Typographen war der Marktflecken Wawrzeneczyce [181] an der Weichsel, gegenüber der galizischen Grenze, in Polen, ein Land, welches schon im 15. Jahrhundert der Stadt Neapel in Adam de Polonia 1478 und Sevilla in Ladislaus, Stanislaus und Stephanus Poloni 1491–1495, im 16. Jahrhundert aber auch Wien selbst Raphael Hoffhalter (Bd. XII, 569) als Buchdrucker gegeben hatte. Geboren 1606 als der Sohn einer Familie Cosmerov, welche dem kleinen Landadel Polens angehört und im 15. Jahrhundert das in der Nähe ihres Wohnortes gelegene Dorf Kosmerzow besessen hatte, studirte er zuerst in Krakau bei den Jesuiten, wendete sich aber der Buchdruckerkunst zu, die er in dieser Stadt bei Franz Cesarius erlernte und errichtete dann selbst in Krakau eine kleine Officin. Im J. 1640 heirathete er zu Wien Maria „Formikin“, die Wittwe des 1638 gestorbenen Buchdruckers Matthäus Formica. Dieser hatte der ersteren laut Testament das Recht sowie die Einrichtung der Werkstätte bis zur Vogtbarkeit seiner Kinder zum Gebrauche eingeräumt, wogegen L. verbunden war, den Kindern die Alimentation zu reichen. Und dieser rechtfertigte in jedem Betracht das in ihn gesetzte Vertrauen, indem er diese Druckerei wie sein eigenes Gut verwaltete, ohne sie mit der seinigen, die er aus Polen mitgebracht hatte, zu vereinigen, wie er auch den alten und abgenützten Schriftenvorrath der übernommenen Officin durch einen aus Augsburg verschriebenen Gießer neu herstellen ließ. Maria Formikin starb den 15. April 1640 und mit ihr erlosch das letzte Glied der angesehenen Wiener Buchdrucker- und Buchhändlerfamilie Formica, aus welcher der Gründer Leonhard Formica 1588–1605, Margaretha Formica 1607–1611, Matthäus Formica 1617 bis 1638 und Maria Formica die Summe von 166 zum Theil sehr beachtenswerthen Erzeugnissen aus ihren Pressen hatten ausgehen lassen. Nach dem Tode der letzteren ging deren Werkstätte nebst Buchladen in den Besitz ihres Mannes über. L. aber wurde bald darauf Bürger von Wien, 1641 Universitätsbuchdrucker und am 27. November 1649 erhielt er vom Kaiser Ferdinand III. nicht nur das Privilegium eines Hofbuchdruckers, sondern wurde auch in Würdigung der hervorragenden Verdienste, welche er sich als Hof- und Universitätsbuchdrucker erworben hatte, am 15. Mai 1666 in den rittermäßigen Adelstand erhoben, dieser auch auf seine ehelichen Nachkommen und Leibeserben ausgedehnt und ihm gestattet, ein adeliges Wappen und „Clainodt“ zu führen. Unser Typograph wählte sich das Adelsprädikat „von Lorenzberg“, das indeß nichts anderes bedeutet als Wawrzenczyce, seinen Geburtsort, indem der lateinische Namen Laurentius polnisch Wawrzenice heißt. Doch unterzeichnete er wie auch sein Sohn und Nachfolger aus Pietät ihre sämmtlichen Druckwerke stets mit dem väterlichen Namen „Cosmerovius“. In welcher Achtung er aber auch außerhalb Wiens stand und welch’ hohes Vertrauen man in ihn setzte, beweist die Thatsache, daß die Universität Krakau, mit welcher und ihren Gelehrten er fortwährend in freundschaftlichen Beziehungen stand, im J. 1655, kurz vor der Einnahme dieser Stadt durch die schwedische Armee, beschloß, ihren Silberschatz nach Wien zu schicken und denselben während der feindlichen Occupation bei ihm, als einem Landsmanne, der Sicherheit wegen zu deponiren. Er blieb bis 1660 in der Bewahrung des L. Dieser starb den 21. Mai 1674 in einem Alter von 68 Jahren, nachdem es ihm ein Jahr vorher noch zu „sonderbarem Trost“ gereicht hatte, daß ihm der Kaiser Leopold I. am 4. Januar 1673 die Nachfolge für seinen Sohn Johann Christoph als Hofbuchdrucker zugesichert hatte. Unter den Buchdruckern Wiens ist L. unstreitig als ein Mann von hoher Bedeutung anzusehen und im 17. Jahrhundert neben Johann v. Ghelen (1678–1721) einer der hervorragendsten Meister, allerdings nach dem Geiste und Können der damaligen Zeit beurtheilt. Aber es wäre unbillig, nicht anzuerkennen, daß aus seiner Officin auch Werke hervorgegangen sind, welche mit den besten auswärtigen, wenn auch [182] nicht nach dem Umfange, so doch in specifisch typographischer Beziehung den Vergleich aushalten. Betrieb und Geschäft seiner Officin waren überaus rege und ausgebreitet und noch heute setzt es in Staunen, wie viele Drucke derselben in den Bibliotheken sich befinden und kein Wiener Drucker, weder vor noch nach ihm bis auf Trattner kann ihm in dieser Beziehung an die Seite gesetzt werden. Dies wurde allerdings durch die reiche Ausstattung seiner Werkstätte ermöglicht. Diese besaß nämlich fünf Pressen und das entsprechende Material an Schriften und Instrumenten, und durch eine derartige Einrichtung konnte dieselbe mit den ersten Officinen jener Zeit in die Schranken treten. Zu Leyden z. B. gab es damals außer der Druckerei der Elzeviere keine, welche mehr als vier Pressen beschäftigte, und Isaak Elzevier übergab seinem Bruder Bonaventura und seinem Neffen Abraham zur Fortsetzung des Geschäftes fünf Pressen. Freilich hatte L. keine so bedeutenden Aufträge, auch nicht von Seiten des Hofes erhalten, wie sie damals niederländische und französische Buchdrucker aufweisen konnten, um auch in solcher Richtung diesen Meistern beigezählt zu werden. Wir haben noch zu erwähnen, daß die meisten seiner Drucke in lateinischer und deutscher, viele in italienischer, auch einige in ungarischer Sprache geschahen und daß unter seinen Typen seine Antiqua, deren große mitunter scharf und zierlich geschnitten ist, die häufigste Verwendung fand. Seine Officin nebst Verlag befand sich im Cölner Hofe (Aula Coloniensis), in demselben Locale, wo auch sein Vorgänger, Matth. Formica, sie innehatte, seit 1655 aber in einem Hause der unteren Bäcker-, jetzt Sonnenfelsgasse; über den Cölnerhof, welcher an der Stelle der heutigen Cölnerhofgasse stand, vgl. Notizenblatt der königlichen Akademie der Wissenschaften 1856, Nr. 1, 4–10.

Unmittelbar nach dem Tode des Vaters übernahm der Sohn Johann Christoph, der bereits in den letzten Lebensjahren des kränklichen Vaters diesen in dem Geschäfte vertreten hatte, selbständig die ganze Buchdruckerei. Er war 1656 geboren, demnach erst 18 Jahre alt, hatte jedoch eine sorgfältige Erziehung genossen, war auch der lateinischen und italienischen Sprache mächtig und wurde in der Führung des Geschäftes sowol von der kundigen Mutter als auch von einem tüchtigen Factor unterstützt. So erhielt sich die Officin auch unter dem jüngeren L. in Ansehen und blieb auch bis zu dessen Tode die erste in dem damaligen Wien. Er lieferte Erzeugnisse in deutscher, lateinischer und italienischer, einiges auch in griechischer und hebräischer Sprache, am häufigsten Gelegenheitsschriften, namentlich Textbücher zu den italienischen Opern und Oratorien, die bei Hof mit großen Kosten aufgeführt wurden und bei deren Herstellung L. neben sonstiger splendider Ausstattung oft auch nur große schöne Antiquaschrift. hübsche Verzierungen und Schlußvignetten verwendete. Leider starb der thätige Mann schon in der Blüthe seiner Mannesjahre, den 29. Juni 1685, in einem Alter von erst 29 Jahren und mit ihm erlosch die Firma. Von den durch die beiden L. von 1640–1682 bekannt gewordenen Drucken, welche für den älteren L. auf 353, für den jüngeren seines frühen Todes wegen nur auf 88 sich beziffern, heben wir als der besonderen Beachtung werth einige wenige, für die übrigen auf die unten genannte Quelle verweisend, hervor, und zwar von jenen des ersteren: „Drama musicale. Santi risorti nel giorno della passione di Christo et Lazaro tra quelli ..“ Vienna d'Austria appresso Matteo Cosmerovio l’Anno M.DC.XLIII. 4°. Ein Unicum, Handexemplar des Erzherzogs Ferdinand, auf der Stiftsbibliothek zu Neun; „Grammaticarum Institutionum Libri IV. pro usu scholarum Norodvorscianarum in alma academia Cracoviensi. Opera et Studio M. Lucae Piotrowski ..“ 1660. 4°. Eine hervorragende Leistung der Officin im Wechsel der Schriften und in Anbetracht des gemischten Satzes ist: „La Monarchia Latina trionfante“, Singspiel in Fol., [183] Textbuch mit vielen großen Kupfern, gedruckt 1667. „Außführliche ... Beschreibung Wiens mit deren Criminal-Processen … Wider die drey Graffen Frantzen Nadaßdi, Peter von Zrin und Frantz Christophen Frangipani hergangen …“, 1671, Fol. Gräße in seinem „Trésor de livres“ sagt von diesem Werke: „Ce livre a été supprimé et poursuivi avec la plus grande rigueur“ …, was aber nur später aus politischen Gründen geschehen sein könnte, da L. das ausschließliche Druckprivilegium vom 19. Juni 1671 erhalten hatte. Unter den Erzeugnissen des jüngeren L. verdienen unter Anderem Erwähnung: „Nervus opticus sive Tractatus theoricus in tres libros, opticam, catoptricam, dioptricam distributus .. Authore Zacharia Traber .. Viennae Austriae Typis Joannis Christophori Cosmerovii Sac. C. M. Typographi .. M.DC.LXXV“, Fol. und „Petri Lambecii Apparatus primus ad .. historiae Annales posthac .. in lucem edendos“, 1679, Fol.

Mayer, Wiens Buchdruckergeschichte 1. (Wien 1883), S. 176–185, 193–194. 214–223, 232–264, 304–311.