ADB:Ludwig von Teck

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Ludwig, Patriarch von Aquileja“ von Franz von Krones in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 483–485, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ludwig_von_Teck&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 16:59 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Ludwig Wilhelm
Band 19 (1884), S. 483–485 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand August 2011, suchen)
GND-Nummer 13795624X
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|19|483|485|Ludwig, Patriarch von Aquileja|Franz von Krones|ADB:Ludwig von Teck}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=13795624X}}    

Ludwig, letzter Herzog von Teck, Patriarch von Aquileja (1412–20), † 1439. Dieser Sprosse eines der angesehensten Geschlechter Schwabens vom Stamme der Zähringer, das mit ihm erlosch, war der jüngere Sohn Friedrichs von Teck († 1390), welcher 1369 Mindelheim erwarb und die Herrschaft Teck an die Landgrafschaft Württemberg verkaufte (1381), Bruder Herzog Ulrichs († 1432), ein naher Verwandter der Grafen von Ortenburg (erloschen 1422) und Günstling König Sigismunds. Er hatte erst die niederen Weihen empfangen, als ihn die Verzichtleistung des Patriarchen Anton I. (Gastani) auf diese undankbare Würde (1402) bestimmte, als Bewerber um dieses geistliche Fürstenthum aufzutreten und seinen Bevollmächtigten Anton Panziera von Portogruaro, Bischof von Concordia, mit bedeutenden Geldsummen nach Rom, an Papst Gregor XII. zu entsenden. Panziera soll aber mit dem fremden Gelde für die eigenen Zwecke gewirkt haben und brachte es in der That dahin, daß der genannte Papst ihn zum Patriarchen ernannte. Dem neuen Patriarchen Anton II. grollte [484] nun begreiflicherweise Niemand mehr als Ludwig von Teck und fand an seinem Verwandten, dem Grafen von Ortenburg, einen willkommenen Widersacher Panziera’s, welcher sich auch die Gunst Papst Gregor XII. bald verscherzte und, allgemein angefeindet, einen Rivalen an seinem Landsmanne und Nachfolger im Bisthum Concordia, Anton da Ponte, bekam. Gregor XII. suspendirte (13. Juni 1408) den Panziera und erhob den da Ponte zum Patriarchen (März 1409), während der Gegenpapst Alexander V. für Panziera eintrat. Da Ponte, als Patriarch Anton III., hatte nur schwachen Anhang gefunden, bequemte sich bald zum Rücktritt, und da Panziera vom neuen Papste Johann XXIII., dem Nachfolger Alexander V. und Gegner Gregor XII., die Cardinalswürde erhielt (6. Juni 1411) und sich daher um so leichter bewogen fand dem Patriarchate zu entsagen, so ebneten sich die Wege für die lang gehegten Wünsche Ludwigs von Teck. Denn damals war König Sigismund, im Kriege mit Venedig, Herr Udines und der ganzen Sachlage in Friaul geworden (1411–12) und Graf Friedrich von Ortenburg schaltete und waltete als königlicher Generalvicar im Patriarchate. Beiden mußte die Wahl Ludwigs zum Patriarchen willkommen sein und so fiel die stark beeinflußte Wahl des Capitels von Aquileja auf den Herzog von Teck (6. Juli 1412). Durch den Grafen Heinrich IV. von Görz als Stellvertreter König Sigismunds investirt (10. Juli) – von kirchlicher Seite aber erst durch Papst Martin V. und das Constanzer Concil (1418) bestätigt, - sollte Patriarch Ludwig II. bald genug in sein Verhängniß gerathen und die Hoffnungslosigkeit eines Kampfes mit der annexionslustigen Republik des heiligen Marcus sattsam erproben. Die ersten Jahre seines Patriarchates ließen sich allerdings weniger gefahrdrohend an, denn am 17. April 1413 schloß König Sigismund mit den Venetianern zu Triest einen Frieden auf fünf Jahre und bestellte den Grafen Heinrich IV. von Görz zum Reichsverweser (1413), dann Statthalter (1417) in Friaul, den der neue Patriarch somit als Stütze seiner Herrschaft betrachten konnte. Allein der seit jeher unbotmäßige Lehensadel des Patriarchates, der in seinem Haupttheile schon 1411 die Schutzhoheit Venedigs anerkannt hatte, nahm nach Ablauf der fünfjährigen Waffenruhe das Heer der Venetianer (1418) mit offenen Armen auf. Befand sich ja doch unter seinen Anführern der einstige „Hauptrebell“ gegen die Autorität der Patriarchen, Tristan Savorgnano, der Rächer des väterlichen Todes an dem Kirchenfürsten von Aquileja, Johann Soběslaw (s. d. Art.), seit 1411 geächtet und aus Udine zur Signoria flüchtig geworden. Aquileja wurde gleich im ersten Anlauf von den Venetianern erobert, Cividale capitulirte schon den 11. Juli 1419 ohne jeden Widerstand, während gerade Udine, die Stadt der Opposition gegen die Patriarchen, seine ganze Kraft gegen die fremden Eroberungspläne einsetzte und der Hoffnung war, daß die Heerschaaren König Sigismunds unter der Führung des Banus Dionys, des Ortenburgers und des Carraresen Marsilius das Feld in Friaul behaupten würden. Das war jedoch nicht der Fall, und so mußte auch Udine, ganz vereinzelt in seinem Widerstande, denselben aufgeben und am 6. Juni 1420 den Venetianern die Thore öffnen. Bald darauf erscheint der erste Provveditore der Republik in Friaul, Roberto Morosini, in seinem neuen Amtssitze, in Udine. Der Patriarch „ohne Land“ hoffte noch Jahre hindurch auf die Wiederherstellung seiner Herrschaft, aber vergeblich, denn der Hussitenkrieg, der Kampf um Böhmen nahm die ganzen Kräfte des Luxemburgers in Anspruch; Sigismunds weitere Unternehmungen im Friaul’schen konnten daher keinen Umschwung zu Gunsten Ludwigs bewirken. Der Marcuslöwe hielt Friaul in seinen Tatzen fest, der Kaiser verglich sich 1431–32 mit Venedig, und im Hader mit dem unabänderlichen Geschick starb 1439 der letzte der Patriarchen mit weltlichem Herrschaftsbesitz, zugleich der letzte des Hauses Teck, seit zwei Decennien schon der Träger eines glänzenden, aber gehaltleeren Titels.

[485] Aschbach, Gesch. K. Sigismunds III.; Manzano, Ann. del Friuli, 6. Bd. (schließt mit 1420) und 7. Bd. 1421–1799. (Udine 1879, als Aggiunta). F. C. (Graf F. Coronini,) Aquileja’s Patriarchengräber (Wien 1867). Czörnig, Frh. v., Görz und Gradiska (histor. Theil), Wien 1873.