ADB:Möring, Karl

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Artikel „Moering, Karl“ von Adolf Schinzl in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 22 (1885), S. 260–263, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:M%C3%B6ring,_Karl&oldid=- (Version vom 16. Juli 2019, 07:02 Uhr UTC)
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Moering: Karl M., k. k. Feldmarschall-Lieutenant, wirklicher geheimer Rath, Ritter des Ordens der Eisernen Krone II. Classe mit der Kriegsdecoration, Ritter des Leopoldordens mit der Kriegsdecoration, Ehrenbürger von Pola und Görz, correspondirendes Mitglied des Franklininstituts zur Beförderung der mechanischen Künste und Wissenschaften und der historischen Gesellschaft zu Washington, ordentliches Mitglied des niederösterreichischen Gewerbevereins, wurde am 19. Mai 1810 zu Wien geboren und starb auch dort am 26. Dec. 1870. Er war der älteste Sohn des 1805 aus der preußischen Altmark nach Wien übergesiedelten und seit 1806 mit Theresia Ulrich verehelichten Bandmachers Georg Karl M., welcher durch Verbesserung der Mühlstühle und Einführung der Jacquard-Carton-Maschine auf denselben etc. sich bald zum angesehenen Fabrikherrn aufschwang. Karl M. erhielt seine erste Erziehung im elterlichen Hause gleich seinem am 8. Februar 1818 geborenen Bruder Alexander, [261] dem späteren Ministerial-Bau-Archivar und Begründer der aus 90 Blättern bestehenden, von Passau bis zum Eisernen Thore reichenden Donaukarte, welche auf den Ausstellungen zu London und Paris prämiirt wurde. Die erforderliche Schulbildung genoß M. jedoch von 1818–1822 in dem Institute des vortrefflichen Humanisten und Lehrers Josef Blöchlinger vom Bannholz zu Wien und 1822–1829 in der k. k. Ingenieurakademie; in ersterer Anstalt erwarb er sich namentlich eine gute Grundlage in der deutschen, französischen und italienischen Sprache, sowie im Freihandzeichnen, in letzterer jenen Grad mathematischer Kenntnisse, welche seine natürliche Denkkraft in feste Bahnen lenkte, sein Wirken als Ingenieur vielseitig und nutzbringend gestaltete. Sohin trat M. im J. 1829, tüchtig vorgebildet, als Unterlieutenant in das Ingenieurcorps, dem er stets mit Hingebung zugethan blieb und in welchem er 1831 zum Oberlieutenant, 1837 zum Capitänlieutenant vorrückte; für die Befriedigung seiner weitausgreifenden Wünsche und Lebensanschauungen ergab sich ihm aber erst von 1840 an die Gelegenheit. In diesem Jahre befand sich M. bei der militärischen Expedition, welche zu Syrien die Bedrohungen der Pforte durch Mehemed Ali abzuwehren hatte; von 1841–1843 bereiste er zu eigener Ausbildung England und Nord-Amerika. Daß er bei letzterem Anlasse im Auftrage des Erzherzogs Johann das nordamerikanische Eisenbahnsystem zu studiren und zu beschreiben hatte, war bereits eine ehrende Anerkennung seiner Leistungsfähigkeit, an welche sich 1843 die Auszeichnung schloß, daß der in diesem Jahre zum Hauptmann vorgerückte M. den Söhnen des Vicekönigs der Lombardei, Erzherzog Rainer, als Lehrer der Mathematik und der Militärwissenschaften zugewiesen wurde. Als mehrfach verwendbarer Ingenieuroffizier kam hierauf M. im J. 1846 zum Geniestabe nach Wien, wo er mit bestem Erfolge thätig gewesen; zu Wien fand er aber andererseits im Umgange mit einer bedeutenden Zahl geistig hervorragender Persönlichkeiten aller Stände die Anregung, für die Größe und die glückliche Entwicklung des von ihm begeistert geliebten Oesterreich schriftlich einzutreten. Da er sich hiebei jedoch auch den politischen Verhältnissen zuwendete, so betrat er hiemit einen Weg, der ihm nach militärischen Gesetzen nicht zustand und es bewahrte ihn vor strenger Ahndung nur der Umstand, daß seine Absichten die edelsten gewesen, seine Warnungen und Vorschläge ausschließlich bestehenden Mängeln galten und der Staatsgedanke stets festgehalten wurde. Seine Ideen, Urtheile, Rathschläge veröffentlichte M. theils in dem Wochenblatt „die Grenzboten“, welches Oesterreichs Fahne in allen Fragen seiner äußeren Macht hoch erhob und und mit feurigem Patriotismus vertheidigte, dagegen aber gegen die innere Politik energische Opposition übte; dann in verschiedenen 1848 unter dem Titel: „Politische Miscellen“ gesammelt publicirten Flugschriften; endlich in den „Sibyllinischen Büchern aus Oesterreich“, Hamburg 1847, in welchen die Existenzbedingungen Oesterreichs eine kühne und rückhaltslose Erörterung fanden und Moering’s klaren Blick und richtige Voraussicht erkennen lassen. Dort findet sich beispielsweise nachstehender, gegenwärtig allerorts anerkannter Ausspruch rücksichtlich des Kriegswesens: „Bei gleicher Manövrirfähigkeit der großen europäischen Heere wird jenes den Sieg erringen, das – abgesehen von der Kraft seines moralischen Muthes – durch die größtmögliche Vervollkommnung der Feuerwaffen sich in den Besitz von Zerstörungsmitteln gesetzt hat, die ausgiebiger sind und weiter tragen, als jene des Feindes“. Und somit trug seine in dieser Art bekundete Erkenntniß aller Staatsbedürfnisse jedenfalls wesentlich dazu bei, daß er im J. 1848 zum Mitgliede des deutschen Reichsparlamentes gewählt wurde. Als solches zählte er zwar nicht zu den glänzenden Rednern, hingegen zu den verläßlichsten Denkern und Mitarbeitern; an ihm hatte der Wehrausschuß sowohl in Heeres- als [262] Marineangelegenheiten eine unermüdliche sicher schaffende Kraft; von ihm stammt das Project zur Verbindung Kiels mit Brunsbüttel behufs Errichtung der Seeposition Cuxhaven-Brunsbüttel-Kiel; auch verlangte M. schon damals den Bau der türkischen Bahnen, die Förderung der wirthschaftlichtn Verhältnisse des osmanischen Reiches, die Durchstechung der Landenge von Suez etc. Doch da inzwischen das Reichsparlament seiner unvermeidlichen Auflösung entgegen ging, kehrte M. noch vor Schluß desselben zum k. k. Heere zurück, um auch dort dem Vaterlande zu dienen. Er kämpfte nun, wie die Relationen bezeugen mit persönlicher Bravour bei Malghera, Venedig und Brondolo und zeichnete sich wiederholt durch Selbständigkeit in Rath und That aus. Auf seinen Vorschlag im Kriegsrathe wurde die Errichtung einer Mörserbatterie in der Lagune bei Malghera beschlossen, unter seiner Leitung behufs Deckung von Mannschaft und Geschützen ein Einschnitt quer durch den Eisenbahndamm geführt und nachdem M. bald hierauf den sumpfigen, im feindlichen Feuer gelegenen Terrainabschnitt längs der untern Brenta im Hinblick auf die Anlage von Annäherungen und Batterien recognoscirt hatte, der von ihm entworfene kühne Angriffsplan genehmigt. Durch M. wurde ferner der Mestrecanal schiffbar gemacht, die Herstellung des Forts Malghera energisch betrieben und endlich die Uebernahme des Marinearsenals und der Küstenforts bewirkt. Noch im J. 1849 avancirte M. zum Major und Geniedirector in Triest, während welcher Verwendung er überdies von 1851 an dem Admiralitätsrathe als Vorsteher des Departements für Baulichkeiten und Maschinenwesen zugetheilt war, den Arsenalbau zu Pola führte, die Organisirung des Maschinistenpersonals auf den Kriegsdampfern regelte etc. Von 1853 an bis 1854 befand sich M. als Fregattencapitän (Oberstlieutenant) und Admiralitätsrath beim Marineobercommando, aus welcher Stellung er jedoch schied, nachdem der Arsenalbau zu Pola ausgelassen worden war. Er übernahm die Direction der Befestigungsbauten zu Piacenza und trat zwei Jahre später, 1856, als Oberst in das Geniecomité zu Wien. Seine Thätigkeit daselbst war eine höchst mannigfaltige und zeugte alles, was er in Hinsicht der Landesvertheidigung plante für seine scharfe Voraussicht, richtiges Erkennen und Verwerthen der Terrain- und Kampfesverhältnisse sowie für die Möglichkeit der Durchführung der vorgeschlagenen Arbeiten. Dieserhalb wurde ihm denn auch bei Beginn des Jahres 1859 der kaiserliche Auftrag, alle diejenigen Punkte des italienischen, istrianischen und dalmatinischen Littorales zu ermitteln, deren Fortificirung gegen Seeangriffe nothwendig. Und nachdem seine in verhältnißmäßig sehr kurzer Zeit unterbreiteten diesbezüglichen Entwürfe die vollste Zustimmung gefunden, wurde er auch mit der Oberleitung der zur Hebung der Küstenvertheidigung vorgeschlagenen Bauten beauftragt. Moering’s damalige Wirksamkeit war jedenfalls eine denkwürdige und es fehlte ihm nur ein unmittelbarer, glänzender Erfolg, um selbe ähnlich einem siegreichen Gefecht etc. aus den allgemeinen Geschichtsvorgängen kräftig hervortreten zu lassen. Der Kaiser ehrte dieselbe durch die Verleihung des Leopoldordens mit der Kriegsdecoration. Nun kam M. zunächst wieder in das Geniecomité und machte sich vornehmlich im J. 1862 durch das von ihm verfaßte Werk: „Der Dienst des k. k. Geniestabes im Felde“ Wien 1862, dann durch eine Reihe maritim-technischer Betrachtungen in Streffleur’s „Oesterreichische militärische Zeitschrift“ vortheilhaft bemerkbar. Das Ziel dieser Artikel, welche von dem Obersten und Admiralitätsrathe Libert von Paradis und vom Linienschiffscapitän Wilhelm von Tegetthoff polemisirend beleuchtet wurden, war, die k. k. Kriegsmarine auf jene Höhe zu bringen, auf welcher derselben sowol die Vertheidigung der Küsten als auch die Sicherung des Handels im adriatischen und in fernen Meeren anvertraut werden konnte. Noch im Laufe dieses Jahres wurde M. auf seine Bitte nach einem erweiterten [263] Wirkungskreise zum Truppenbrigadier in Italien, 1863 zum Generalmajor in gleicher Verwendung ernannt. In dieser Stellung betheiligte er sich mit verdienter Anerkennung an der Schlacht bei Custoza am 24. Juni 1866, denn ihm war es vergönnt, während seiner Operationen gegen die Rückzugslinie des Gegners und noch vor dem Anlangen der Sturmkolonnen des 7. Armeecorps mit einem Theile seiner Truppen den Ort Custoza zu erreichen. Gewandt, klug, selbstverleugnend war ferner sein Verhalten bei dem von ihm abgeschlossenen Waffenstillstande zu Cormons am 12. August 1866 und bei der unter seiner Intervention stattgehabten Uebergabe der Festungen des venetianischen Gebietes an den französischen Commissär General Leboeuf, bei welcher Gelegenheit er 1500 Geschütze nebst Vorräthen in die österreichischen Provinzen sandte und 15 Millionen Francs für das transportable, der italienischen Regierung überlassene Material zu erlangen wußte. Für diese ehrenvollen Leistungen wurde M. mit dem Orden der Eisernen Krone II. Classe nebst Kriegsdecoration und durch die außertourliche Ernennung zum Feldmarschall-Lieutenant bei Vorbehalt des Ranges für seine Hinterleute ausgezeichnet. Hierauf betheiligte sich M. 1867 noch im Kriegsministerium an den Berathungen über die Verbesserungen im Heerwesen, kommandirte später die 11. Truppendivision zu Lemberg und übernahm 1868 den Posten eines Statthalters für Triest und das Küstenland, wo er für die Beruhigung der sich befehdenden nationalen Parteien aussichtsvoll bemüht gewesen ist. Leider hemmte bald für immer ein unheilbares Brustleiden Moerings’ Thätigkeit, die sich bei günstigerer Fügung seiner Geschicke noch umfassender und erfolgreicher hätte gestalten können. Denn sein selbstloser Charakter war von den edelsten Gesinnungen durchdrungen, seiner hohen Begabung standen vielfache gründliche Kenntnisse zur Seite, seine klare Denkkraft und sein zielbewußtes Wollen befanden sich im besten Einklange mit seinem Schaffensdrange und galt ihm endlich, ohne je geschwankt zu haben, als vornehmster Zweck seines Lebens, das Erstreben von Recht und Wahrheit sowie das fortschreitende Gedeihen seines Vaterlandes Oesterreich, das er glückverbreitend nach Innen, angesehen nach Außen wissen wollte.

Wurzbach, Biogr. Lex. d. Kaiserth. Oesterreich, 18. Th., Wien 1868. Oesterreichisch-ungar. Wehrzeitung, Wien 1870. Neue Militär-Zeitung, Wien 1870. Der Krieg in Italien 1859, Wien 1872–1876. Oesterreichs Kämpfe 1866, Wien 1867–1869.