ADB:Müller, Johann Christoph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Müller, Johann Christoph“ von Siegmund Günther in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 22 (1885), S. 582–583, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:M%C3%BCller,_Johann_Christoph&oldid=- (Version vom 23. September 2019, 10:10 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 22 (1885), S. 582–583 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Christoph Müller in der Wikipedia
GND-Nummer 104161744
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|22|582|583|Müller, Johann Christoph|Siegmund Günther|ADB:Müller, Johann Christoph}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=104161744}}    

Müller: Johann Christoph M., Astronom und Geodät. M., geboren am 15. März 1673 in der Vorstadt Wörth bei Nürnberg, kam frühzeitig in die lateinische Schule und widmete sich später (seit 1692) unter dem verdienten Astronomen Eimmart dem Studium der mathematischen Wissenschaften. Der Umstand, daß für diese letzteren die Reichsstadt Nürnberg seit Regiomontan’s Zeit als eine Pflanzschule ersten Ranges galt, bewirkte, daß M. in eine Bahn gelenkt ward, zu welcher seine bisherigen Studien ihn wenig zu qualificiren schienen, nämlich in die militärische. Der Graf Marsigli, jener berühmte Geograph, der später auf so traurige Art aus dem kaiserlichen Heeresdienste scheiden mußte, damals aber noch eine hervorragende Stellung in demselben bekleidete, wandte sich im Jahre 1696 nach Nürnberg mit der Bitte, ihm einen im Zeichnen und Rechnen wohlgeübten jungen Mann als Gehülfen bei seinen Vermessungsarbeiten zuzusenden. Eimmart dachte sogleich an seinen Zögling M., und dieser erklärte sich bereit dem Rufe zu folgen. Er ging nach Wien und später nach Ungarn, wo er mehrfach geographische Ortsbestimmungen machte, die dann von dem Grafen für sein Prachtwerk „Danubius Panonico-Mysicus“ (Hagae 1726) verwerthet wurden. 1699 ward der Friede von Carlowitz abgeschlossen, und da Marsigli zu einem der Commissäre ernannt war, welche die Grenzregulirung zu besorgen hatten, so fügte es sich von selbst, daß auch M. eine Reihe von Vermessungen und Kartirungen in Croatien, Slavonien und Serbien ausführte. Auch bei dem nun folgenden Rheinfeldzug begleitete M. seinen bisherigen Chef als dessen Geheimschreiber. Aus dessen persönlichem Dienste entlassen, erhielt er den Rang eines Ingenieurlieutenants, als welcher er seine massenhaft angesammelten Skizzen zu ordnen und genaue Karten der besuchten Länder auszuarbeiten beauftragt wurde. Diese Arbeit führte er in seiner Vaterstadt aus, wo ihm mehr wissenschaftliche Hülfsmittel zu Gebote standen; das Resultat war ein großes Kartenwerk auf Pergament in 24 Sectionen, welches dem Generalissimus, Prinzen Eugen, überreicht ward. Das Jahr 1704 brachte den bekannten Krieg in Italien, welchen M. im Gefolge des Generals v. Harsch [583] mitmachte, allein die Strapazen warfen ihn bald auf ein langwieriges Krankenlager, dessen Folgen erst verschwanden, als er sich mit längerem Urlaub nach Nürnberg zurückgezogen hatte. Völlig erholt, kehrte er nach Wien zurück und empfing hier die ehrenvolle Weisung, eine genaue Mappirung der kaiserlichen Kronländer ins Werk zu setzen. Nach sieben bis acht Jahren unausgesetzter Arbeit lagen in 25 Sectionen die Karten von Böhmen, Mähren und Ungarn vor, und eben gedachte der rastlose Mann auch Schlesien in Angriff zu nehmen, als ihn am 21. Juni 1721 nach kurzem schwerem Krankenlager zu Wien der Tod ereilte. Müller’s kartographische Leistungen stellen sich dem Besten an die Seite, was die erste Hälfte des XVIII. Jahrhunderts auf diesem Felde aufzuweisen hat, und man erkannte dies auch am Kaiserhofe an, wie er denn 1713 das Patent eines Ingenieurhauptmanns, 1716 ein mit Diamanten besetztes Bild des Kaisers zum Geschenk erhielt. – Schriftstellerisch scheint M. nur in einem einzigen Falle hervorgetreten zu sein, indem er 1697 ein „Observatio de transitu Mercurii sub sole“ betiteltes Schriftchen seinem Lehrer Eimmart widmete. Dasselbe enthält eine Beschreibung der Beobachtung, welche er auf seiner ungarischen Reise von dem erwähnten Phänomen hatte machen können.

Wolf, Geschichte der Astronomie, München 1877, S. 105. – Doppelmayr, Historische Nachricht von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlern, Nürnberg 1730, S. 138 ff.