ADB:Münchhausen, Hieronymus Freiherr von (Erzähler)

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Artikel „Münchhausen, Hieronimus Freiherr von“ von Karl Ernst Hermann Krause in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 1–5, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:M%C3%BCnchhausen,_Hieronymus_Freiherr_von_(Erz%C3%A4hler)&oldid=2486060 (Version vom 24. November 2017, 05:33 Uhr UTC)
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Band 23 (1886), S. 1–5 (Quelle).
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Münchhausen: Hieronimus Karl Friedrich Freiherr v. M., weltbekannt durch die „Abenteuer“, aus dem Hause Rinteln-Bodenwerder der Schwarzen Linie dieses alten berühmten Geschlechtes, war geboren am 11. Mai 1720, † am 22. Februar 1797. Als Page im Dienste des Prinzen Anton Ulrich von Braunschweig (geb. am 28. August 1714, eingesperrt in Rußland 1741, † 1775) wurde er von diesem zum Cornet in seinem russischen Regimente „Braunschweig“ ernannt und erhielt das Patent von der Kaiserin Anna am 11. December 1739, das Lieutenantspatent am 27. November 1740. Er lag in Riga in Garnison, machte aber 1740 und 1741 zwei Türkenfeldzüge mit. Den in den „Abenteuern“ erwähnten Türkensäbel verwahrte er später auf seinem Gute Bodenwerder in seinem Kleiderschranke. Er blieb im Dienst auch nach dem jähen Sturze seines Gönners; am 21. Februar 1750 ernannte ihn (russisch Minsgasen geschrieben) wegen seiner Tapferkeit und namentlich mit, weil er lesen und schreiben könne, Kaiserin Elisabeth zum Rittmeister im Kürassierregiment Sr. kaiserlichen Hoheit (Peters III.). Vom November 1750 an hatte er zweijährigen Urlaub, dauernd war er auch später nicht in Rußland. Am 2. Februar 1744 hatte er sich mit Jacobine v. Dunten zu Perniel in Livland vermählt, mit ihr lebte er glücklich aber kinderlos auf seinem Stammgute Bodenwerder bis zu ihrem Tode 1790. Leidenschaftlicher Jäger, stolz auf seine trefflichen Rosse und seine Hetzmeute lobte er diese gern, selbst sein guter Jäger Rösemeyer wurde eine einigermaßen renommirte Persönlichkeit. Von seinem improvisatorischen Erzählertalent und seinem schlagenden Witz, der sich namentlich gern, aber harmlos im Uebertrumpfen von versuchten Aufschneidereien, besonders beim Glase Punsch und der Tabackspfeife, zeigte, hat sich die Kunde selbst im Familienarchive erhalten; ebenso steht fest, daß er im Leben und Geschäft ein zuverlässiger, reeller Herr war, sein erhaltenes Porträt als Kürassieroffizier zeigt einen kräftigen, energischen, selbst schönen Mann. Sein Lebensabend wurde hart getrübt, den durch den Tod seiner Frau vereinsamten und gestörten Greis, der sich nach weiblicher Pflege sehnte, wußte die intrigante, lüderliche „Bährne Brunn“ (Bernhardine v. Brunn, Tochter eines früheren Majors) wieder zur Heirath zu bewegen. Seit der Trauung am 12. Januar 1794 hat M. kummervolle Tage verlebt; das neue Weib brachte nur Schande und Verschleuderung mit. Die flotten „Jagdgeschichten“ oder Cavaliererzählungen hatten den lustigen und jovialen Lebemann als ausgezeichneten Gesellschafter berühmt gemacht, wenigstens um Hannover herum; daran läßt sich nicht zweifeln. Es ist die gesegnete Gabe humorreicher alter Herren, die zumeist den Forst- und Jagdleuten zugeschrieben wird, aber auch Feldsoldaten außer Dienst eignet und an den Küsten als das „Spinnen von Seemannsgarn“ bekannt ist. Bis in die fünfziger Jahre unseres Jahrhunderts hatte ein Tisch [2] alter „Peninsulaner“, Halbsoldoffiziere der „King’s German Legion“, die in Spanien mitgefochten hatten, in Harburg sich einen ähnlich heiteren Ruf im Königreich Hannover erworben. Selten sind die so erzählten Geschichten eigene Erfindung, selten sind sie auch Umkleidungen oder Ausschmückungen eigener Erlebnisse. Es ist ein alter, unsterblicher Anekdotenschatz, an dem unser Volk und schon vor ihm die classischen und orientalischen Völker aufspeichernd gearbeitet haben; wer sie ursprünglich erfand, ist nimmermehr zu ergründen. Nur der Vortrag, die Darstellungsgabe, gehört dem Erzähler, und unsere besten Schriftsteller haben nie verschmäht in der Umformung dieses Schatzes auch für sich Ruhm zu suchen und zu ernten. Die „Lügengeschichte“[WS 1] hat darin dasselbe Geschick wie das Märchen und die Fabel. M. war ein Classiker besten Sinnes in dieser Reproduction, jedoch nur im mündlichen geselligen Vortrag, ohne weiteren Zweck als die Gesellschaft und an dieser sich selbst heiter zu ergötzen. Daß der Stoff fast aller Geschichten der ursprünglichen, wie der erweiterten Sammlung schon vorhanden, ja zum Theil uralt war, hat zuerst Ad. Ellissen (s. A. D. B. Bd. VI S. 54 ff.) erwiesen, nachher Karl Müller-Fraureuth auch für den Rest dargethan oder wahrscheinlich gemacht. Daß diese Geschichten aber schon im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts unter Münchhausen’s Namen um Hannover herum im Volke liefen, ist jetzt durchaus sicher gestellt. Dort hat sie ein gleichgestimmtes Genie mit Behagen aufgefangen und nachher, heruntergekommen und in Geldnoth, in England in gleich flotter Weise englisch herausgegeben, freilich nicht mit dem vollen Namen des Erzählers, doch frech genug als Reiseabenteuer des „Baron Munchausen“ oder „Baron Munnikhouson, commonly pronounced Munchausen“, „zu Bodenwe(r)der an der Weser“, womit jener deutlich genug bezeichnet war; ja es wurde sogar, um das englische Publicum zu locken, auf die nahe Verwandtschaft mit dem verstorbenen hannoverschen Minister des Königs, dem berühmten Curator der Göttinger Universität (s. Bd. XXII S. 729), hingewiesen, so daß französische und englische Zeitschriften noch den 1814 verstorbenen preußischen Kammerherrn August v. Münchhausen, wie Ellissen nachweist, für den „berühmten Reisenden“ hielten. Es war Rudolf Erich Raspe, der, seinen Namen sorgfältigst verheimlichend, mit „Baron Munchausen’s narrative of his marvellous travels and campaigns in Russia“, 1785 bei M. Smith in London, schon angezeigt in demselben Jahre im Critical Review, den großen litterarischen Wurf that. Geboren 1737 in Hannover hatte er in Göttingen und Leipzig Naturwissenschaften und Philologie studirt, war 1762 in Hannover (nicht in Göttingen) als Bibliothekschreiber, dann als Bibliotheksecretär angestellt, 1767 als Professor des Carolinums, zugleich als Aufseher des landgräflichen Antiquitäten- und Münzcabinets nach Kassel berufen, wo er auch zweiter Bibliothekar wurde. Die große Reihe seiner tüchtigen Arbeiten, litterarischen, mineralogischen, geologischen (die hessischen Vulkane betreffenden) Inhalts und seine Recensionen in den ersten deutschen und englischen Zeitschriften verschafften dem äußerlich unansehnlichen Manne die Aufnahme in die Göttinger und die Londoner Societät der Wissenschaften. 1771 verheirathete er sich, 1773 machte er eine Jagdreise nach alten Handschriften durch Westfalen, 1775 sollte er, hochangesehen, eine ähnliche zum Ankauf von Alterthümern und Münzen für die landgräflichen Sammlungen machen: da wurde er des Diebstahls von Münzen und Werthsachen aus den anvertrauten Instituten überführt, entkam aber, steckbrieflich verfolgt, unter Fährlichkeiten nach England. Die gelehrten Gesellschaften strichen ihn aus den Listen, dennoch fand er als Schriftsteller und Bergwerkskundiger jenseits des Kanals wieder großes Ansehen, konnte aber zu fester Arbeitsstellung sich nicht entschließen. Sogar zur Ordnung der berühmten Pastensammlung des Mr. John Tassie wurde er wieder gebraucht und gab den Katalog [3] englisch und französisch als geschätztes Werk 1791 heraus. Als er zu Mucroß in Irland ein Kohlenbergwerk anlegen sollte, starb er am Fleckfieber gegen Ende 1794. Er war ein großes Genie, aber gewissenlos in Ausnutzung seiner Gaben und reichen Kenntnisse. Trotzdem nannte ihn der „Catalogue of 500 celebrated authors of Great Britain“ unter dieser Zahl als „Fremden von Verdienst und Ruf“. Auch unter den Dichtern hatte er sich in den sechziger Jahren versucht, die poetische Rittergeschichte oder Romanze „Hermin und Gunilde“ (1766) erklärt Ellissen für „nach dem Geschmack jener Zeiten ziemlich erträglich“, Koberstein kannte sie nur dem Titel nach, sie hatte sogar eine Parodie: Daniel Schiebeler’s († 1771) „Harlekin und Colombine“ hervorgerufen. Die erste oben genannte englische Ausgabe des Münchhausen ist verschollen, nach dem Titel enthielt sie noch nicht die für den Freiherrn undenkbaren und von ihm sicher nicht erzählten Seeabenteuer, also auch nicht die Anekdoten aus Lucian’s „Wahrer Geschichte“. Der Erfolg des Buches ließ aber in den beiden nächsten Jahren schon weitere vier englische „vermehrte“ Ausgaben erscheinen, welche auch in den Vorreden dem brittischen Geschmacke angepaßt, das Buch als einen Spiegel für gewisse Parlamentsschreier und als Lügenwarner (Liar’s monitor) aufspielten. Der Verfasser hatte in dieser neuen Auflage nicht versäumt, seinem früheren Herrn, dem hessischen Landgrafen, der seine Landeskinder nach Amerika verkaufte, in dem „Südsee-Kapitän“ einen Schlag zu versetzen und für die Seeabenteuer dem Inselpublicum bekannte Stoffe und Litteraturen zu verwerthen: den französischen Luftschiffer Blanchard, den Geburtstag Georgs III., die Aufschneiderei in des Baron Tott Mémoires sur les Turcs et les Tartares, die an den Haaren herbeigezogene faule Geschichte vom Papste Clemens IV., die berühmte Vertheidigung von Gibraltar nach Cpt. Drinkwaters History etc., C. J. Phipps’ A voyage towards the northern pole, und im Anhang „Reise durch die Welt“: P. Brydone’s tour through Sicily and Malta. Hier ist denn auch Lucian benutzt, so daß, wie die 3. Auflage sich selbst schon „wiedererstandener Gulliver“ (Gulliver revived) nannte, ein Kritiker M. den Titel eines Nachfolgers von Lucian beilegte. Nie hat Raspe den Schleier von seiner Autorschaft abgehoben; und nur Meusel Bd. XI S. 52 hatte eine Ahnung vom Zusammenhang, sah aber gerade umgekehrt in Raspe den Uebersetzer des deutschen Buches ins Englische. So konnte es kommen, daß Bürger (A. D. B. Bd. III S. 595 ff.), trotzdem er sich offen als Uebersetzer gab, weil man in Deutschland die älteren englischen Ausgaben nicht kannte, als Verfasser des M. angesehen, ihm also die Verwegenheit, des Freiherrn Namen mißbraucht zu haben, zugemuthet werden konnte. Die erste Ausgabe der deutschen Uebersetzung erschien aber erst 1786 nach der vierten englischen, sie ist ebenso verschollen wie die erste Londoner. Eine zweite „vermehrte“ Ausgabe ließ Bürger nach der fünften englischen 1788 erscheinen und erklärte in der Vorrede geradezu, er habe den englischen Text in beiden Ausgaben „nicht sowol als anvertrautes Gut, sondern als Eigenthum behandelt“. Thatsächlich hat er doch nur Einiges umgestaltend oder zusetzend verändert, so der Erwähnung des Franzosen Blanchard, vielleicht unter Lichtenberg’s Einflusse, die Carikirung des Aufzugs hinzugefügt, ebenso zweimal eine Verspottung Basedow’s (A. D. B. Bd. II S. 113), auch Zimmermann’s, ohne deren Namen hinein gebracht. Jene eigne Erklärung Bürger’s und die Thatsache, daß die deutschen „Reisen und Abenteuer“ auch als Druckort „London“ statt „Göttingen, in der Dieterich’schen Buchhandlung“ nannten, haben den Glauben an Bürger’s Verfasserschaft festwurzeln lassen und endlich gar nach seinem Tode dem Mythus die Entstehung gegeben: Bürger, Lichtenberg und Kaestner (s. A. D. B. Bd. XV S. 439) sei der Münchhausen in gemeinsamer Weinlaune entsprossen. Obwol Bürger’s Freund, der Herausgeber seiner Werke, Karl v. Reinhard, schon 1824 den Sachverhalt, [4] freilich an wenig findbarer Stelle, im „Gesellschafter“, aufgeklärt und Raspe als Verfasser genannt hatte, behielten doch alle Conversationslexica die alte Tradition bei, und sogar die fünfte „Originalausgabe“ der Dieterich’schen Buchhandlung nahm sie 1840 auf. In der Vorrede zur 6. erst, 1849, stellte Ellissen den Sachverhalt bis auf wenige Irrthümer klar; aber diese Ausgabe des Volksbuches kam nicht in die Hände der Gelehrten und war rasch vergriffen, der Irrthum lebte lustig fort. Die späteren Abdrücke 7–9 ließen (wol wegen einiger politischen Ausfälle in den Noten) Elissen’s Ausführungen weg, die nun vergessen waren. Karl Goedeke schrieb noch 1849 von Bürger, „daß wir ihm die Münchhausen’schen Lügen, deren Verfasser er ist, verdanken, jene Fülle finkenritterlichen Humors, den man als die Poesie des Unmöglichen bezeichnen darf“. Und auch später änderte er die Angabe nicht, so daß direct auf ihn Ellissen’s Ausfall in der verkürzten und zum Theil berichtigten Einleitung zur 10. Dieterich’schen Ausgabe von 1869 S. XI, wiederholt in der 11., 1873, gerichtet ist, der den „Finkenritter“ ein „elendes, alles was in diesem Genre je zu Tage gekommen, an schalem und degoutantem Blödsinn hinter sich lassendes Machwerk“ nennt, das mit dem Münchhausen nicht einen einzigen concreten Berührungspunkt darbiete. Bürger’s Bearbeitung wurde in Nicolai’s „Allgemeiner deutscher Bibliothek“, Band 98, sehr von oben behandelt, ist aber nichtsdestoweniger ein in seiner Art einziges Volksbuch geworden, das noch heute auf den Jahrmärkten neben der schönen Melusine und den Haimonskindern seinen Absatz findet, in seinem völlig harmlosen Humor ein auch den kleinen Mann erheiterndes und erfreuendes Werkchen. Seine Anspielungen und Spitzen sind längst verschollen, aber gerade darin zeigt sich vor Allem seine zähe Lebensfähigkeit, daß die dem Volke fremden Engländer und Franzosen: Elliot, Tott und Blanchard keinen der Leser je gestört haben. Die besten und beliebtesten der Geschichten sind aber noch immer die auf den alten Baron Hieronimus v. M. direct zurückgehenden. Von vornherein waren die englischen wie die deutschen Ausgaben illustrirt, die letzteren von Riepenhausen in der Manier Chodowiecki’s (A. D. B. Bd. IV S. 132 ff.), von 1840 an hat die Dieterich’sche Buchhandlung dann die allbekannten Federzeichnungen Hosemann’s (A. D. B. Bd. XIII S. 180) an deren Stelle treten lassen. Der Ruf des Buches veranlaßte, außer einer Menge von Nachdrucken natürlich, Nachahmungen oder Fortsetzungen in England wie in Deutschland, die aber dem Original nicht entfernt nahe kamen. Drei Bändchen derselben ließ ein verschollener H. Th. L. Schnorr bei Franzen und Große in Stendal 1794–1800, aber mit falscher Druckortsangabe Kopenhagen (1.) und gar Bodenwerder (2. und 3.) erscheinen. Ellissen vergleicht sie, dem Münchhausen’schen Champagnergeiste gegenüber, mit Fuselbranntwein. Eine eigene Art der Umarbeitung mit Beibehalt aller Abenteuer, doch ohne den Nachtrag der „Reise durch die Welt“, erschien 1836 in Reutlingen pseudonym „vom Forstrath Schneidauf und dem Pfarrer Zante“, der damit einen neuen Stand unter die „Handhaber des langen Messers“ brachte. Diese, Müller-Fraureuth entgangene Ausgabe kehrt sich ächt württembergisch im Vorworte gegen die jungen Männer, „die aus den sogenannten Befreiungskriegen und den darauf folgenden Schwindeljahren Stroh gesammelt haben, welches zu dreschen sie nimmer ermüden“, und bei „deren politischen Schwindeleien und Luftschlösserbauten weiter nichts Reelles herauskömmt als höchstens freie Wohnung auf dem Asperge“ etc. Ueberall in der heutigen Litteratur finden wir Anspielungen auf die Abenteuer Münchhausen’s. Wie die Krokodill- und Löwengeschichte bildlich schon durch P. P. Rubens fast vorweg genommen war, hat umgekehrt der in das Geschirr des aufgefressenen Pferdes eingepeitschte Wolf des Barons wol mehr als die Legende vom Bären des heiligen Corbinian zu dem Bären des heiligen Franciscus bei Wilhelm Busch Gevatterstelle vertreten. [5] Classisch wieder erstanden ist der berühmte Freiherr in Karl Immermann’s Münchhausen in freilich völlig neuer Gestalt, anderer Umgebung und zu völlig anderem Zwecke (A. D. B. Bd. XIV S. 57 ff.). Das naive humorvolle Volksbuch sollte er freilich nicht verdrängen, es wird unsterblich weiter leben.

A. F. v. Münchhausen, Geschlechtshistorie des Hauses derer von Münchhausen von 1740 bis auf die neueste Zeit. Hannover, Hahn, 1872, S. 64 bis 73. Des Freiherrn v. Münchhausen wunderbare Reisen und Abenteuer etc. Zuerst gesammelt und englisch herausgeg. von R. E. Raspe. Uebersetzt und hier und da erweitert von G. A. Bürger. 6. Originalausgabe der deutschen Bearbeitung. Mit einleitenden Notizen etc. Göttingen, Dieterich’sche Buchh., Berlin, Enslin, 1849. Nur diese Ausgabe hat die volle litterarhistorische mit A. E. unterzeichnete Arbeit Adolf Ellissen’s. Das hier benutzte Exemplar der Univ.-Bibl. zu Göttingen hat werthvolle handschriftl. Correcturen, anscheinend von Ellissen selbst. Zehnte Orig.-Ausg. mit gleichem Titel (mit verkürzter, z. Th. berichtigter Einleitung von A. Ellissen), Göttingen, Dieterich’sche Buchh. 1869, 11. Orig.-Ausg. ebenso und ebenda 1873. Grenzboten 1872, 31. Jahrg., 2. Sem., 1. Bd., S. 115–117 (mit Referat aus der 10. Ausg.). Carl Müller Fraureuth, Die deutschen Lügendichtungen bis auf Münchhausen. Halle, Niemeyer, 1881. Des Freih. v. Münchhausen höchst wunderb. Abentheuer etc. Aufs neue herausgeg. von dem Forstrath Schneidauf und dem Pfarrer Zante. Reutlingen, Fleischhauer & Spohn, 1836. Karl Goedeke, Elf Bücher deutscher Dichtung, I, S. 742. – Auch Vilmar hielt den Münchhausen für eine Erfindung Bürger’s. Neuerdings hat Gustav Doré 150 Orig.-Illustrationen zu einer neuen Bearbeitung der „Abenteuer und Reisen des Freih. v. M.“ von Edmund Zoller geliefert.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Korrigiert, in der Vorlage steht ohne erkenntliches Ende eines Zitates: „Die „Lügengeschichte“.