ADB:Maius, Lucas

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Artikel „Maius, Lucas“ von Wilhelm Scherer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 124–125, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Maius,_Lucas&oldid=- (Version vom 17. Juni 2019, 19:07 Uhr UTC)
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Maius: Lucas M., Dramatiker, Schulmeister zu Hildburghausen. Die einzige von ihm bekannte deutsche Comödie (Wittenberg 1562) ward am 11. und 13. Februar 1561 zu Schleusingen durch einen Freund des Verfassers, dem er das Manuscript geliehen hatte, vor einem sehr vornehmen Publikum mit der Schuljugend aufgeführt. Es ist ein Drama von der Erlösung des Menschen, gegründet auf die bekannte Erzählung von den vier Töchtern Gottes (Heinzel, Zeitschrift für deutsches Alterthum, 17, 43; Schröder, Quellen und Forschungen, 44, 55). M. fügte dem gedruckten Stücke dessen erste Quelle, eine Predigt des heiligen Bernhard von Clairvaux, in Uebersetzung bei. Die Engel Raphael und Uriel beginnen mit dem Preise der Schöpfung; Gabriel theilt ihnen zu ihrem Schmerz den Sündenfall des Menschen mit; die Teufel und der Tod triumphiren und machen ihre Ansprüche geltend; eine förmliche Gerichtsverhandlung (vgl. den Proceß Belial) vor Gottes Thron findet statt; Gerechtigkeit und Wahrheit fordern Strafe des Menschen; Barmherzigkeit und Friede sprechen sich für Begnadigung aus. Gott Sohn verlangt einen unschuldigen Bürgen, der die Schuld auf sich nehme. Barmherzigkeit und Friede suchen einen solchen vergebens. Gott Sohn erklärt, er wolle selbst der Bürge sein. Das Urtheil wird verkündigt. Die Teufel erkennen, daß sie den Proceß verloren haben. Gabriel spricht liebreich zu den Menschen, die er sanft aus dem Paradiese weist. – M. hat einige dramatische Momente geschickt erfaßt, z. B. das Vorgefühl der Engel vom Sündenfall: Raphael ist „schweres Muths und halber krank“; es dünkt ihn, daß kein Blümlein stehe in solcher Freud’ und Zier wie ehe. Nach dem Votum der Gerechtigkeit biegt Gott Vater schon den Stab, um ihn über die Menschen zu brechen und wird nur durch des Sohnes raschen Zuruf davon [125] abgehalten. Glückliche Momente hat auch die Vertheidigungsrede der Barmherzigkeit und die Aussöhnung der streitenden Schwestern. Für die Teufelsscenen stand eine durch lange Tradition ausgebildete Technik zu Gebote. Formell gehört M. zur Schule des Rebhun; doch sind seine Verse schlechter: genau gezählt, aber roh betont (Palm, Beiträge, S. 99).