ADB:Manes, Wenzel

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Artikel „Manes, Wenzel“ von Rudolf Müller in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 187–188, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Manes,_Wenzel&oldid=- (Version vom 18. September 2020, 17:54 Uhr UTC)
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Manes: Wenzel M., Maler, jüngerer Bruder von Ant. M., geb. zu Prag 1796, ebendort † den 27. März 1858, übertrat aus dem Gymnasium an die Prager Malerakademie und zählte in der Folge unter die bevorzugtesten Schüler Director Bergler’s. Mehrere in seinem Fortschreiten erworbene akademische Preise nebst einigen Compositionen für das von Hanka herausgegebene Bilderwerk (vgl. Machek) führten schließlich – 1829 – zur Begünstigung als Pensionär für die Reise nach Italien. Ungewöhnlich schüchternen Wesens, blieb sein dortiger bis 1832 währender Aufenthalt, wol auch ein stilles Fürsichsein, weil keiner von den gleichzeitig in Rom studirenden Landsleuten etwas von ihm mitzutheilen wußte. Er selbst gestand nur, daß ihm „erst in Italien über die Kunst die Augen aufgingen“. – Ueber seine also veränderte Anschauung, beziehungsweise sein Abstreifen der ihm von Bergler anbequemten eklektischen Formel, konnte man erst 1833 ins Klare kommen. Die in diesem Jahre von der „Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde“ in Prag veranstaltete Kunstausstellung führte nämlich in erster Reihe zwei große, in Rom entstandene Gemälde von ihm vor. Nr. 1 – wie der Katalog besagte – war nach der Legende des hl. Medardus „Die Krönung des tugendhaften Mädchens aus dem 6. Jahrhundert.“ Die Darstellung lehnte sich an das „Rosenfest“, wie es bislang noch zu Solency bei Noyon am 8. Tage im Rosenmonate (Juni) gefeiert wurde. Die Einführung wird dem hl. Medardus, Bischof von Noyon, † 545, zugeschrieben. Der Vorgang war, daß vom Gemeindeältesten die durch Sittsamkeit und Tugend dermal ausgezeichnetste Jungfrau vorgerufen, in Procession zum Festgottesdienste geführt, hiernach vom Patronatsherrn beschenkt, endlich auf dem Marktplatze mit Rosen bekränzt, umtanzt und besungen wurde. Dieser Schlußaction entlehnte M. das Motiv für sein figurenreiches Bild, und gab sich dabei als entschiedenen Anhänger der alten Florentiner zu erkennen. Mehr selbständig, wenigstens gehobener durch Naturstudien, zeigte er sich im zweiten Gemälde: „Christus, den Blinden auf der Landstraße von Jericho heilend“. – Gleichzeitig enthielt die Ausstellung noch als „Naturstudien“ eine Ansicht „des inneren Hofraumes im Palazzo di Venezia“, und „einen Theil des alten Roms, vom Thurme des venetianischen Palastes gesehen“; ferner sieben Federzeichnungen nach Werken Raphael’s und ein Aquarell nach Pinturicchio. Mit diesen Leistungen momentan die noch in Prag seßhaft gebliebenen Studiengenossen überragend – der geniale Führich war inzwischen nach Wien berufen worden – wird es erklärlich, daß M. nach dem 1835 erfolgten Ableben Franz Waldherr’s, des Nachfolgers Bergler’s, zunächst der geeignetste schien für die Leitung der Akademie – die ihm denn auch vorläufig übertragen wurde. Eine in der, das Besetzungsrecht übenden „Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde“ bereits vorhandene Doppelströmung ließ es jedoch über das Provisorium nicht hinauskommen, sondern führte, da Führich ablehnte, zur Berufung des von diesem auf das Wärmste empfohlenen Kadlik, nach dessen Amtübernahme – im Herbste 1836 – M. zurücktrat und jahrelang die Oeffentlichkeit mied. Erst in der Ausstellung des Jahres 1839 erschienen wieder Gemälde von ihm – zwei trefflich aufgefaßte Porträts. Auf der von 1840 befanden sich eine sinnig componirte „Charitas“, „St. Joseph“, „St. Maria“ und der „Traum Josephs“, die von 1842 brachte die Ausführung einer in Rom entstandenen Composition: „Fliehende Neapolitaner vor ihrem Schutzpatrone Januarius“; jene von 1844 beschickte er mit drei Porträts, die im J. 1847 mit zwei Altarbildern: „Christus das Brod segnend“ und „Christus am Oelberge“. Von da ab vermied er neuerdings die Oeffentlichkeit. Vertraute wußten nur, daß sein weiteres Schaffen sich auf Bildnisse und Ausführung früherer Compositionen beschränkte, von welchen 1855 „Maria mit dem Kinde und Johannes“ nebst „Christus erscheint der hl. Magdalena“; 1857 „Cimon [188] wird von seiner Tochter Brust genährt“ und „Eine Albaneserin“ zur Ausstellung kamen. – Lassen sich die Werke Manes’ auch weder mit denen des phantasiereichen und gemüthlichen Führich, noch mit jenen Kadlik’s, welcher das Transcendentale meist glücklich in reale Form zu kleiden wußte, auf eine Linie stellen, so bleiben sie doch beachtenswerth vermöge des innewohnenden lauteren Strebens, ihrer liebevollen Durchführung und vornehmlich als Abschlußwerke der in Prag nahe vier Jahrzehnte herrschenden Berglerschule.

Bohemia. Mitth. d. Vereins f. Gesch. d. Deutschen in Böhmen. Eigene Aufzeichnungen.