ADB:Marsson, Theodor

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Marsson, Theodor“ von Ernst Wunschmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 52 (1906), S. 218–219, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Marsson,_Theodor&oldid=- (Version vom 16. Oktober 2019, 12:13 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Marquardsen, Heinrich
Nächster>>>
Martin von Amberg
Band 52 (1906), S. 218–219 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Theodor Marsson in der Wikipedia
GND-Nummer 116793198
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|52|218|219|Marsson, Theodor|Ernst Wunschmann|ADB:Marsson, Theodor}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116793198}}    

Marsson: Theodor M., Botaniker, geboren zu Wolgast in Neuvorpommern am 8. November 1816, † zu Berlin am 5. Februar 1892. Als Sohn eines Apothekers wandte sich M. dem väterlichen Berufe zu, studirte in Gießen unter Liebig Chemie und Pharmacie und übernahm dann nach Vollendung seiner Studien die Wolgaster Apotheke. Schon während seiner Vorbereitungszeit beschäftigte sich M. eingehend mit der Flora seiner Heimathsprovinz und der Insel Rügen und lieferte aus diesen Gegenden werthvolles Material für die 1840 erschienene „Flora von Pommern und Rügen“ von Dr. W. L. E. Schmidt. Nachdem er sich selbständig gemacht, richtete er drei Jahrzehnte hindurch seine wissenschaftliche Thätigkeit auf die Vertiefung in die gleiche Aufgabe. Es erwuchs daraus das von ihm 1869 veröffentlichte Werk: „Flora von Neuvorpommern und den Inseln Usedom und Rügen“. Hiermit war für ein Gebiet, das bis dahin nur lückenhaft bekannt war und das durch seine Berührung atlantischer Pflanzenformen mit solchen der pontischen Vegetation auch eine pflanzengeographische Bedeutung beansprucht, ein annähernd vollständiges Bild geschaffen worden. Neben den von M. selbst gesammelten Pflanzen fanden auch die Beiträge seines Freundes L. Holtz und des Dendrologen Zabel ausgiebige Verwerthung. Gleiche sorgfältige Beachtung schenkte M. auch den Fragen der Nomenclatur und gab Beweise seiner ausgedehnten Litteraturkenntniß. Noch in späteren Jahren erfüllte es ihn mit Freude, wenn er von neuen Pflanzen in seinem Florengebiete oder neuen Fundstellen schon bekannter Arten Nachricht erhielt. In Anerkennung seiner Leistungen verlieh ihm die Greifswalder Universität 1856 anläßlich ihrer 400jährigen [219] Jubelfeier die Ehrenwürde eines Doctor philosophiae. Nachdem M. um das Jahr 1870 seine Apotheke verkauft hatte, zog er sich in das Privatleben zurück und siedelte zunächst nach Greifswald, später nach Berlin über. In beiden Städten trat er mit den Vertretern der Naturwissenschaften in regen Verkehr und suchte durch Benutzung der ihm hier gebotenen Hülfsmittel, der Sammlungen und Institute, seine wissenschaftlichen Studien zu fördern. Diese wandten sich jetzt mehr mikroscopischen Forschungen zu. Auf Grund seiner Untersuchungen über die paläontologischen Formen in der Rügener Kreide entstanden seine von der Kritik gelobten Arbeiten über die Foraminiferen (1878), die Ostrakoden und Cirripeden (1880), sowie über die Bryozoen (1889), von denen er eine ganze Reihe neu aufgefundener Formen beschrieb. Seine letzte wissenschaftliche Thätigkeit bezog sich wieder auf eine Gruppe lebender Organismen und zwar auf die mikroscopische Welt der Diatomeen. Es war ihm aber nicht mehr beschieden, seine Arbeit hierüber zu vollenden und deren Ergebnisse zu veröffentlichen. Doch erlahmte sein Interesse an der botanischen Wissenschaft nicht, als Alter und Krankheit ihm das selbständige Sammeln erschwerten. Bis zum Jahre 1888 war M. noch als Mitglied der seitens der Deutschen Botanischen Gesellschaft gegründeten Commission für die Flora von Deutschland als Referent für das baltische Gebiet thätig. Dann mußte er es jüngeren Kräften überlassen. Im 76. Lebensjahre raffte den fleißigen Forscher nach längeren Leiden der Tod dahin.

Nachruf von L. Holtz, Verhandlungen des Botan. Vereins der Provinz Brandenburg XXXIII, 1891, S. LIV, LV. – B. Ascherson, Berichte der Deutschen Botan. Gesellsch. XX, 1892, Geschäftsbericht I, S. 30–33.