ADB:Meinrad

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Artikel „Meinrad, St.“ von Gerold Meyer von Knonau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 21 (1885), S. 238–239, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Meinrad&oldid=- (Version vom 16. Juni 2019, 15:10 Uhr UTC)
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Meinrad: St. M., Einsidler und Begründer der Zelle am Platze des Stiftes Einsideln, † am 21. Januar 861. Meginrat – oder in weniger voller Form des Namens, M. – stammte nach seiner im 11. Jahrhundert verfaßten Lebensbeschreibung aus dem schwäbischen Sülichgau, der, zu beiden Seiten des oberen Neckar bei Rotenburg und Tübingen gelegen, nach dem alten Römerplatze Sülchen bei Rotenburg seinen Namen trug, kam dann zum Unterrichte nach Reichenau zu dem ihm verwandten Klosterlehrer – nachherigen Abte – Erlebald und trat auf dessen Antrieb als Mönch ein, wahrscheinlich bald nachdem Erlebald, 822, die Leitung des Klosters übernommen hatte. Dann nach einer Zelle des Klosters am obern Zürichsee – vielleicht Bollingen (oberhalb Rapperswil) – versetzt, soll er, statt dort Schule zu halten, dem Drange nach einem strengen religiösen Leben in einsamer Zurückgezogenheit nachgegeben haben und zuerst auf die Höhe des den See südlich überragenden Berges Etzel, dann noch tiefer in eine wilde Gebirgsgegend hinter diesem Berge, in den finstern Wald, der das Gebiet jenseits des Oberlaufes der Sihl füllte, gegangen sein: da habe er in [239] einer Zelle gewohnt und sei durch Räuber erschlagen worden. In anmuthiger Weise führt die kirchliche Sage aus, daß zwei von dem Einsidler gezähmte und aufgezogene Raben den Mördern nach Zürich nachflogen und da durch ihre deutliche Verzeigung die gerichtliche Bestrafung der Verbrecher ermöglichten. Das Kloster, welches an der Stelle der Zelle sich erhob, östlich über dem zur Sihl strömenden Alpbache, führt die fliegenden Raben in seinem Wappenbilde. Uebrigens ist dieses förmlich eingerichtete Gotteshaus erst im 10. Jahrhundert entstanden. Zwar sollen schon in dessen erster Hälfte von Straßburg her, zuerst durch Benno und hierauf durch Eberhard, Geistliche angesehener Abstammung, die ersten Versuche angestellt worden sein, in der verlassenen Zelle des im Geruche der Heiligkeit stehenden Einsidlers M. Mönche zu sammeln und eine regelrechte klösterliche Anstalt zu schaffen. Doch erst 947, als Otto I. der Meginrateszelle und ihrem Vorsteher Eberhard Immunität und freie Abtwahl zusicherte, beginnt die urkundliche Geschichte. Aus der ältesten Vita (Acta Sanctorum, Januar, Bd. II, S. 382–385) ist infolge der Bedeutung Einsidelns als Wallfahrtsort seit dem 15. Jahrhundert eine ganze populär erbauliche Litteratur emporgewachsen (vgl. P. Gall Morel: Das Büchlein vom Anfange der Hofstatt zu den Einsideln und die Einsidlerchroniken vom 14. bis 19. Jahrhundert, im „Geschichtsfreund“ der fünf Orte, Bd. XIII, S. 154 ff.), und als letztes Hauptstück derselben kann des P. Karl Brandes Festschrift zum Millenarium von 1861 angesehen werden: „Leben und Wirken des heiligen M. für seine Zeit und für die Nachwelt“. Dieselbe ist dem Fürsten Karl Anton Meinrad von Hohenzollern-Sigmaringen gewidmet; denn nach einer nachweislich schon seit dem Ende des 16. Jahrhunderts sich forterbenden Tradition soll M. mit den Ahnen des Hauses Zollern blutsverwandt sein (vgl. L. Schmid: Der heilige M. in der Ahnenreihe des erlauchten Hauses Hohenzollern, Sigmaringen 1874).