ADB:Meynert, Theodor

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Artikel „Meynert, Theodor“ von Theodor Kirchhoff (Arzt) in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 52 (1906), S. 370–371, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Meynert,_Theodor&oldid=- (Version vom 15. Oktober 2019, 01:48 Uhr UTC)
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Meynert: Theodor M., geboren am 15. Juni 1833 in Dresden, studirte in Wien und habilitirte sich daselbst 1865, wurde 1866 Prosector an der Irrenanstalt, 1870 Vorstand der psychiatrischen Klinik und außerordentlicher Professor der Psychiatrie, 1873 ordentlicher Professor für Nervenkrankheiten. 1875 übernahm er die psychiatrische Klinik im Allgemeinen Krankenhaus. Juli 1867 gab er mit Leidesdorf die 1871 wieder eingegangene „Vierteljahrsschrift für Psychiatrie“ heraus, 1872 das „Psychtatrische Centralblatt“ mit Beer und Leidesdorf, seit 1885 gab er mit Fritsch die 1868 gegründeten „Jahrbücher für Psychiatrie“ heraus, auch war er Mitherausgeber des „Archivs für Psychiatrie“. Außer zahlreichen wichtigen Schriften über Großhirnrinde und Gehirn überhaupt, ist zu bemerken „Psychiatrie, Klinik der Erkrankungen des Vorderhirns. 1. Hälfte. Wien 1884“, ein Werk, welches nicht vollendet wurde, obwol er erst am 31. Mai 1892 starb. Seine gehirnanatomischen Forschungen waren bahnbrechend; eigenartig und genial verband er lebhafte künstlerische Phantasie mit vielseitigem Wissen, um die höchste Function des Gehirns, die Seelenthätigkeit auf anatomischen Bahnen zu ergründen. Populär geworden ist seine Hypothese, daß der psychologischen Einheit der Vorstellung die histologische Einheit der Ganglienzelle entspreche, daß durch jede Vorstellung [371] eine Ganglienzelle besetzt werde und daß den verbindenden Fasern des großen Gehirns die Rolle zufalle, als Brücke für die Association der Vorstellungen zu dienen; den subcorticalen Ganglien fiel dabei nur die Aufgabe der ersten Verarbeitung der Wahrnehmungen zu. Seine Theorie über Bau und Leistung des Gehirns, welche die wissenschaftliche Welt eroberte, unterstützte er auf pathologischem Gebiete durch eine vasomotorische Theorie. In der Sammlung seiner populärwissenschaftlichen Vorträge aus der Zeit von 1868–1891 hat er seine nicht ohne Einwand gebliebenen Auffassungen den jetzt gangbaren Anschauungen wieder genähert. In Schrift und Rede gebrauchte er ungewöhnliche Wendungen, wirkte aber immer anregend; er ist aber noch immer als einer der leitenden Forscher für die Lehre vom Gehirn anzusehen.

Nekrolog von Jolly im Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten, Band XXIV, Anhang. – Laehr’s Gedenktage für Psychiatrie, 1893, S. 6. 71. 148. 163. 179 (hier genaue Litteraturangaben). – Allgem. Zeitschrift für Psychiatrie und psychische-gerichtliche Medicin, Band XLIX, S. 329 (kurzer Nekrolog).