ADB:Monheim, Johannes

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Monheim, Johannes“ von Wilhelm Crecelius in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 22 (1885), S. 167–168, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Monheim,_Johannes&oldid=- (Version vom 16. September 2019, 09:21 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Monhaupt, Ernst
Band 22 (1885), S. 167–168 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Juli 2011, suchen)
GND-Nummer 104345071
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|22|167|168|Monheim, Johannes|Wilhelm Crecelius|ADB:Monheim, Johannes}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=104345071}}    

Monheim: Johannes M., Schulmann des 16. Jahrh., geb. 1509 auf dem Bauerngut Clausen, das zum bergischen Hofe Barmen, in kirchlicher Beziehung zur Pfarrei Elberfeld gehörte, studierte seit 1526 in Köln, wo er 1529 die Magisterwürde erlangte. Er wurde darauf 1532 an der Stiftsschule von Essen und 1536 an der Domschule zu Köln angestellt. Unter den damaligen Domherrn zu Köln waren manche der Erasmus’schen Richtung zugethan; ihrem Einfluß verdankte wohl M. die Berufung. Dieser erwarb sich rasch den Ruf eines ausgezeichneten Lehrers, und als Herzog Wilhelm zu Cleve und Jülich-Berg 1545 eine fürstliche Landesschule zu Düsseldorf gründete, wurde M. als Rector berufen. Sowol seine Lehrbegabung als auch die Tüchtigkeit der von ihm berufenen Mitarbeiter brachte die Schule bald in solche Aufnahme, daß zur Blüthezeit 1800 Schüler dieselbe besucht haben sollen, z. Th. aus der Pfalz [168] und der Moselgegend. Anfangs wirkte M. noch ganz im Sinne des Erasmus, der gerade am herzoglichen Hofe zu Düsseldorf im höchsten Ansehen gestanden hatte; so gab er z. B. heraus: „Dilucida Explanatio symboli quod apostolorum dicitur etc. autore Erasmo Rot. in compendium redacta“, (Col. 1551. 1554. 1556); „Christianae religionis Rudimenta ex Des. Erasmi Rot. lucubrationibus“, (Col. 1551). Allein bald schloß er sich mehr der reformatorischen Richtung an, und sein 1560 zu Düsseldorf gedruckter „Catechismus, in quo Christianae religionis elementa syncere simpliciterque explicantur“, (neu abgedruckt durch Ch. H. Sack, Bonn 1847), schloß sich eng an Calvin’s „Institutio“ an. Hatte schon 1548 die Inquisition die Lehrer der Düsseldorfer Schule im Geheimen als valde suspecti bezeichnet, so erhob sich jetzt ein gewaltiger Sturm gegen M. und seine Schule. Die theologische Facultät zu Bonn gab eine Gegenschrift heraus (verfaßt von den Jesuiten): „Censura – et docta explicatio errorum Catechismi Joannis Monhemii“ (Colon. 1560), auch beim Herzog wußten die Jesuiten M. zu verdächtigen, so daß ihm verboten wurde, gegen dieselben zu schreiben. Die Widerlegung der Censura geschah deshalb durch einen anderen und zwar Pseudonym: „Ad theologastrorum Coloniensium censuram Henrici Artopoei responsio, pro defensione Catechismi Joannis Monhemii praeceptoris sui conscripta – Excudit Gratianopoli Petr. Cephalius Duromontanus, anno MDLXI, Mense Septembri. Verfasser derselben ist nach der wahrscheinlichen Vermuthung von K. Krafft der gelehrte Arzt Johann Kühn (Tolmerus) aus Rheinbreidbach bei Bonn, woher er auch den Namen Breidbach führte. Die Klagen der Jesuiten beim Papst und Kaiser und die Vorstellungen, welche diese dem Herzog machten, gefährdeten die Stellung Monheim’s in hohem Grade, zumal da die Curie dem Herzoge für die Universität, welche er in Duisburg gründen wollte, nur unter der Bedingung Privilegien in Aussicht stellte, wenn er M. entlasse. Vgl. den Brief Monheim’s an M. Chemnitz (v. 29. Aug. 1562) in den Theologischen Arbeiten aus dem rheinischen wissenschaftlichen Predigerverein III, (Elberfeld 1877), S. 88 f. Zu einer Entfernung Monheim’s konnte sich Herzog Wilhelm nicht entschließen, allein die Wirksamkeit des Mannes war eingeschränkt, seine Kraft gebrochen und er starb bereits am 9. Sept. 1564. Sein Nachfolger im Rectorat wurde der bekannte Philologe und Ciceronianer Franz Fabricius aus Düren (1564–78). Gegen die Censura traten außer Chemnitz (Theologiae Jesuitarum praecipua capita ex quadam Censura, quae Coloniae anno 1560 edita est, Lips. 1563) noch H. Hamelmann und Verstegen (Anastasius) auf. – Die Hauptbedeutung von M. beruhte in seiner pädagogischen Wirksamkeit, seine schriftstellerische Thätigkeit bezog sich auch wesentlich auf die Schule (seine Bücher gingen aus einer 1558 zu Düsseldorf neu entstandenen Druckerei hervor). Von großer Bedeutung auch auf die Gründung einer evangelischen Kirche am Niederrhein war es, daß unter Monheim’s Leitung eine große Anzahl tüchtig gebildeter Jünglinge heranwuchs, welche als Prediger in den Dienst derselben eintreten konnte.

Vgl. die Biographie Monheim’s in der Theologischen Realencyklopädie v. Herzog, (von K. W. Bouterwek in der 1. und von K. Krafft in der 2. Auflage).