ADB:Muthmann, Johannes

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Artikel „Muthmann, Johannes“ von l. u. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 107, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Muthmann,_Johannes&oldid=2502751 (Version vom 19. Oktober 2017, 05:34 Uhr UTC)
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Muthmann: Johannes M., geb. am 28. Aug. 1685 zu Reimersdorf im Fürstenthum Brieg, besuchte die Schule zu Oels, wo er des Rector Johannes Sinapius Amanuensis war und an den Privatstunden, welche dieser einigen jungen Adligen gab, theilnehmen durfte. Um den Versuchen der Jesuiten, ihn zu sich herüberzuziehen, zu entgehen, floh er im J. 1705 nach Leipzig, wo er unter drückenden äußeren Verhältnissen Theologie studirte. Im J. 1708 ward er als Diaconus nach Kronstadt im Fürstenthum Oels berufen; von hier kam er im J. 1709 als Archidiaconus an die neu erbaute evangelische Kirche in Teschen. Hier hat er 21 Jahre lang mit großem Ernste unter ungemein schwierigen Verhältnissen im Segen gewirkt, bis er durch kaiserliches Decret vom 21. Januar 1730 mit mehreren anderen Predigern wegen pietistischer Neigungen seines Dienstes entlassen ward. Er lebte nun ein Jahr lang bei dem Grafen Henckel in Pölzig. Im J. 1731 wurde er zum Diaconus zu Graba bei Salfeld und im folgenden Jahre zum Hofdiaconus in Salfeld selbst erwählt; und von hier aus wurde er im J. 1739 als Pfarrer und adjungirter Superintendent für Salfeld nach Pößneck versetzt. Als er in diesem Amte sich auf einer Visitationsreise in Schlöttwein befand, traf ihn dort in der Kirche der Schlag; er starb nach wenigen Stunden, am 29. September 1747. – M. hat (nach Koch) acht geistliche Lieder gedichtet, von denen drei erst nach seinem Tode bekannt geworden zu sein scheinen. Sowohl inhaltlich als sprachlich haben diese Lieder etwas eigenthümlich Lebendiges, und das wird es verursacht haben, daß sie, trotzdem der Ausdruck mitunter zu sehr alltäglich ist, doch eine weitere Beachtung gefunden haben und sich einzeln noch in Gemeindegesangbüchern finden. Ein besonderes Verdienst erwarb sich M. durch die Herausgabe der sogenannten „Evangelischen deutschen Originalbibel“, zwei Theile in 4°, Züllichau 1740 und 1741; diese Bibel ist eine Diglotte: neben dem deutschen Texte steht im Alten Testament der hebräische, bei den Apokryphen und im Neuen Testament der griechische Urtext, und das ganze ist so eingerichtet, daß die Blätter mit den Seiten der Ausgaben der von Canstein’schen Bibelanstalt genau übereinstimmen, um durch Zuhülfenahme des Localgedächtnisses den Gebrauch der Diglotte neben den schon damals außerordentlich verbreiteten Canstein’schen Bibeln zu erleichtern. Der alttestamentliche Theil der „Originalbibel“ ist noch immer brauchbar; beim griechischen Neuen Testament läßt M. es zwar nicht an aller Kritik fehlen, aber der von ihm gedruckte Text hat doch heutzutage nur historischees Interesse.

Jöcher III, Sp. 782. Rotermund zum Jöcher V, Sp. 271 ff.; hier ein Verzeichniß seiner Schriften. Moser, Lexicon der jetztlebenden Theologen II, Züllichau 1741, S. 563 ff. Koch, Geschichte des Kirchenliedes u. s. f., 3. Aufl., IV, S. 460 bis 467; hier wird S. 460 Anm. eine Art Autobiographie Muthmann’s erwähnt.