ADB:Normann-Ehrenfels, Karl Graf von

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Artikel „Normann-Ehrenfels, Karl Graf von“ von Eugen Schneider in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 18–19, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Normann-Ehrenfels,_Karl_Graf_von&oldid=- (Version vom 23. Juli 2019, 01:28 Uhr UTC)
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Normann: Karl Friedrich Lebrecht Graf v. N., geboren am 14. September 1784 als Sohn des würtembergischen Staatsministers Grafen Philipp Christian v. N., besuchte noch die Schule, als der Durchzug eines österreichischen Kürassierregiments durch Stuttgart einen solchen Eindruck auf ihn machte, daß er fünfzehnjährig als Cadet in dasselbe eintrat. Schon im December desselben Jahres 1799 wurde er nach glücklich bestandener Feuertaufe zum Officier ernannt und stand bis zum Lüneviller Frieden im Felde. Während des Friedens fand es sein Vater für gut, ihn in würtembergische Dienste treten zu lassen, und so wurde er hier 1803 als Premierlieutenant angestellt. Von 1805 an machte er die Feldzüge, namentlich den in Schlesien, mit und wurde wegen seiner Tapferkeit vielfach ausgezeichnet; seine Untergebenen behandelte er auf das Wohlwollenste. Auf dem Rückmarsch 1807 zum Major ernannt, hielt er sich in Stuttgart und Ludwigsburg auf und suche namentlich den Corpsgeist unter den Officieren zu heben und sie an die Strapatzen des Krieges zu gewöhnen. Aus dem Feldzug von 1809 kam er als Oberstlieutenant heim und 1810 wurde er zum Commandeur des Leibchevauxlegersregiments ernannt, mit dem er schon durch vier Feldzüge enge verbunden war. An dessen Spitze zog er 1812 nach Rußland. Seine düsteren Ahnungen hinderten ihn nicht, todesmuthig zu kämpfen, und obwol an der Moskwa verwundet und mehrmals krank, führte er besonnen und standhaft den Rest seines Regiments zurück. Als Generalmajor übernahm er 1813 eine von ihm selbst organisirte Reiterbrigade. Sein erster Auftrag war, von Leipzig aus Streifzüge gegen die Freicorps der Verbündeten auszuführen. Infolge davon ist er in die traurige Lage gekommen, am 17. Juni die Lützow’sche Schaar bei Kitzen zu zersprengen. Im besten Glauben, wie er mehrfach betheuert, an die Behauptung Napoleon’s, daß jene Schaar den Waffenstilstand gebrochen habe, führte er den Befehl aus, dieselbe, als sie sich nicht aufhalten ließ, anzugreifen, nachdem er die Zumuthung des Generals Fournier, Lützow während der Verhandlung festzunehmen, empört abgewiesen hatte. Daß er dabei von den französischen Generalen mißbraucht ward, kam ihm erst zum Bewußtsein, als das Gehässige der That ihm zugeschrieben und ihm die Möglichkeit der Vertheidigung genommen wurde. Das drückende Gefühl, in seiner Soldatenehre gekränkt zu sein, hat N. kaum mehr verlassen und sein ferneres Schicksal wesentlich mitbestimmt. Normann’s Brigade wurde bald darauf dem Armeecorps des Marschalls Marmont als einziger würtembergischer Bestandtheil zugewiesen; eine zeitlang hatte er mit einer Halbbrigade selbständig zwischen Elbe und Elster zu operiren. Die infolge der Verhältnisse nothwendige Entlassung der norddeutschen Officiere schwächte die Brigade. So nahte die Schlacht bei Leipzig heran. Man wußte, daß Unterhandlungen mit den Rheinbundstaaten wegen des Anschlusses an die deutsche Sache gepflogen wurden; es war offenes Geheimniß, daß der würtembergische Divisionär von seinem Könige den Befehl erhalten hatte, die Franzosen, wenn sie über den Rhein geworfen würden, zu verlassen und die Truppen in die Heimath zu führen. N. sah voraus, daß dieser Zeitpunkt herankomme, und um nicht unnöthigerweise seine Leute für eine aufgegebene Sache zu opfern, trat er am 18. October mit seinen 500–600 Mann zu den Verbündeten über und bat um die Erlaubniß, nach Würtemberg marschiren zu dürfen. Dieser Schritt war [19] gegen seine Befehle; aber da er schon lange von seinem Könige keine Weisungen erhalten hatte und jetzt keine einholen konnte, glaubte er wenigstens im Sinne desselben zu handeln. Ein Privatbrief Normann’s nennt noch einen weiteren Grund des Uebertritts: in den öffentlichen Blättern wegen der Lützow’schen Geschichte gebrandmarkt, habe er sich auf französischer Seite nicht verantworten können, da der Kaiser seinen Befehl abgeläugnet; als bei Leipzig Officiere und Mannschaft den Uebergang gewünscht, habe er der Welt zeigen wollen, daß er sich getraue, bei veränderten Umständen seine Ehre zu reinigen. König Friedrich von Würtemberg hieß aber den Uebertritt nicht gut, und als N. mit seiner Mannschaft an der Landesgrenze ankam, erhielt er einen Wink, daß er verhaftet werden solle. Dem wich er aus und suchte in Wien eine Anstellung. Aber der unverschuldete Fluch der Lützow’schen Sache verfolgte ihn auch hier; am liebsten wäre er nach Amerika gegangen und wenn auch nur, um seine Kartoffeln selbst zu bauen; endlich fand er 1816 bei dem Landgrafen von Hessen-Philippsthal als Erzieher seiner Söhne Beschäftigung. Immer noch trägt er sich mit der Hoffnung, nach Würtemberg zurückgerufen zu werden; erst nach König Friedrichs Tode erhielt er im März 1817 einen Paß zur Heimreise; Stuttgart blieb ihm verboten. Von seinen Kriegsgenossen herzlich bewillkommt, lebte er einige Monate in Metzingen bei seinem Vater, nach dessen Tode auf seinem Gute Ehrenfels, wohin er eine Gemahlin heimführte. Aber selbst das Familienglück hielt ihn nicht zurück, die Soldatenehre wieder erkämpfen zu wollen, als der griechische Aufstand ausgebrochen war. Im Januar 1822 machte er sich mit einer kleine Schaar Philhellenen nach Morea auf den Weg. Am 7. Februar in Navarino angekommen, zeigte er sofort die alte Selbständigkeit, indem er sich in der verwahrlosten Festung gegen die herannahende Türkenflotte zum Commandanten aufwarf, bis ihn wegen seiner Erfolge die griechische Regierung bestätigte. Um mehr wirken zu können, ging er mit seinen Leuten nach Korinth. Bei der Bildung des Philhellenencorps wurde er Generalstabschef des Maurokordato. Im Gefecht bei Komboti und der für die Philhellenen verhängnißvollen Schlacht bei Peta bewies er seine Unerschrockenheit; aber in der letzteren verwundet und von den unsäglichen Mühsalen übermannt, erlag er nach dem Rückzuge in Missolunghi am (3.) 15. November 1822 einem Nervenfieber.

Graf Normann’sche Familienpapiere. – Starklof, Geschichte des königl. würtembergischen vierten Reiterregiments. – Elster, das Bataillon der Philhellenen. – Schneider, General Normann und der Ueberfall bei Kitzen (Beil. d. Münchn. Allg. Ztg. 1886 Nr. 87).