ADB:Oelckers, Hermann Theodor

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Artikel „Oelckers, Theodor“ von Franz Brümmer in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 24 (1887), S. 238–239, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Oelckers,_Hermann_Theodor&oldid=- (Version vom 19. Juni 2019, 15:27 Uhr UTC)
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Oelckers: Hermann Theodor Oe. wurde am 21. Juni 1816 zu Leipzig geboren und empfing daselbst seine Schul- und Universitätsbildung. Er hatte das Studium der Medicin betrieben, gab dasselbe jedoch wieder auf und bethätigte sich seit 1839 ausschließlich als Schriftsteller. Seine erste Publication waren „Thomas Moore’s poetische Werke, deutsch“ (V, 1839–40); auch in der Folge verwandte er einen großen Theil seiner Kraft und Zeit auf das Uebertragen der Werke gefeierter französischer und englischer Schriftsteller, so daß seine Uebersetzungen gegen 70 Bände füllen. Daneben war er als Leiter oder als Mitarbeiter für eine große Zahl von Zeitschriften thätig. An Originalarbeiten lieferte er theils politisch-historische Schriften, wie „Geschichte des Bauernkrieges (1842), „Die Bewegung des Socialismus und Kommunismus“ (1844), „Staat, Kirche, Gesellschaft“ (1845), „Geschichte der christlichen Religionskriege“ (1846), „Humoristisch-satyrische Geschichte Deutschlands vom Wiener Congreß bis zur Gegenwart“ (1848), „Politisches Rundgemälde der Jahre 1842–1847“, in denen er energisch den liberalen Standpunkt vertritt, theils Romane und novellistische Arbeiten, wie „Der Freigeist“ (II, 1840), „Tolle Welt“ (II, 1843), „Goethe’s Studienjahre“ (1844), „Der ewige Jude“ (III, 1845), „Fürst und Proletarier“ (II, 1846), „Jean Paul. Novellistische Schilderungen aus der Jugend des Dichters (II, 1846), „Humoristisch-satyrisch-sentimentale Novellen“ (1848). Auch zwei Trauerspiele „Der Hanseate“ (1848) und „Julie“ (1850) entstanden in dieser Zeit. Doch fanden alle diese schönwissenschaftlichen Schriften Oelckers’ wenig Beachtung. Mehr Erfolg hatten seine „Gedichte“ (1847), die einen tiefen poetischen Gehalt offenbaren und durch eine feine Ausdrucksweise der Gedanken erfreuen. Bei der politischen Bewegung des Jahres 1848 nahm Oe. an dem Vereinsleben in seiner Vaterstadt regen Antheil, und bei seinem ausgeprägten Gefühl für Recht und Wahrheit konnte es nicht ausbleiben, daß [239] er im Festhalten an der neuen Reichsverfassung auch in den Dresdener Maiaufstand (1849) verwickelt ward. Als Hochverräther zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe in Eisen verurtheilt, büßte er dieselbe seit 1851 in Waldheim. Was er dort durchlebt und beobachtet hat, das hat er in einem Buche, „Aus dem Gefängnißleben“ (Leipzig 1860), niedergelegt, welches durch den in mildester Form gebotenen reichen Stoff von dauerndem Werthe nicht nur für Beurtheilung der einschlagenden politischen Verhältnisse und der Gefängnißverwaltung ist, sondern auch dem späteren unbefangenen Geschichtschreiber grelle Streiflichter in Bezug auf den Stand der Humanität in den Jahren der Reaction bieten wird. Das Auftreten Oelckers’ im öffentlichen wie im Privatleben trug stets und überall das Gepräge des männlich Bewußten, einfach Würdigen, Selbstlosen, Ehrenhaften. So hat er auch die Züchtlingsjacke getragen, so auch seine Beobachtungen aufgezeichnet. Körperlich fast erliegend im Gefängnisse, blieb sein Sinn doch ungebeugt, ja er verschmähte es sogar, um seine Begnadigung zu bitten, als von oben her ein solches Ansinnen an ihn gestellt wurde. Am Abend vor Pfingsten des Jahres 1859 wurde Oe. endlich, weil man den kranken Mann nicht im Zuchthause sterben lassen wollte, der Freiheit wiedergegeben. Unmittelbar darauf veröffentlichte er seine im Gefängnisse entstandenen „Sieben Märchen“ (1860) und Gedichte „Meine Mitgefangenen“ (1860). Letztere sind vorwiegend politischen Inhalts; in allen spricht sich eine tiefe Empfindung und schwärmerische Vaterlandsliebe aus; die Liebeslieder athmen poetischen Duft und sind voll Wärme und Innigkeit. Im J. 1861 begab sich Oe. nach Porto Alegre in Brasilien, wo ihm ein Comité der dortigen Deutschen auf Gerstäcker’s Vorschlag die Leitung der „Deutschen Zeitung“ übertragen hatte. Auch hier setzte er den Kampf gegen die Finsterniß und Tyrannei, namentlich gegen die dortigen Jesuiten fort; er gelangte indes bald zu der Ueberzeugung, daß der Erfolg bei den dortigen Verhältnissen nicht der aufgewendeten Kraft entspräche, und kehrte 1862 nach Europa zurück. Hier wirkte er in der Stille, soweit seine Kräfte reichten, litterarisch weiter und schrieb noch seine „Humoristischen Geschichten“ (IV, 1864–65), die gut erfunden und lebhaft erzählt sind, und seinen Roman „Der Allerletzte“ (IV, 1865). Am 20. Januar 1869 starb er in Leipzig.

Gartenlaube, Jahrg. 1869, S. 175. – Kurz, Geschichte der deutschen Nationallitteratur, Bd. IV, S. 28 ff.