ADB:Pálffy von Erdöd, Nikolaus IV. Graf

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Artikel „Pálffy zu Erdöd, Nikolaus IV. Graf“ von Adolf Schinzl in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 77–78, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:P%C3%A1lffy_von_Erd%C3%B6d,_Nikolaus_IV._Graf&oldid=- (Version vom 24. Mai 2019, 14:12 Uhr UTC)
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Pálffy: Nikolaus IV. Graf P. zu Erdöd, Ritter des goldenen Vließes, k. k. Generalfeldmarschall und Palatin von Ungarn, Inhaber eines ungarisch-nationalen Fußregiments, geb. am 1. März 1667, † am 20. Februar 1732, war der Sohn des Kronhüters und Obristlandkämmerers von Ungarn, Nikolaus III. Graf P. und zählt als Militär, vornehmlich aber als charakterstarker, einflußreicher Staatsmann unter der bedeutenden Zahl ausgezeichneter Mitglieder des Geschlechts P. zu den denkwürdigsten. Pálffy’s früher, freiwilliger Eintritt in die Kriegsdienste des Kaisers wurde durch seine Vorliebe für den Militärstand veranlaßt und durch die zu jener Zeit Ungarn bedrohenden inneren und äußeren Gefahren beschleunigt. Und da P. gleich bei seinen ersten Verwendungen vor dem Feinde Muth und Einsicht bewies, so gelangte er schon vor dem Jahre 1683 an die Spitze des Pálffy’schen Haidukencorps, eines Vorläufers der jetzigen Husarenregimenter. Mit diesem soll er sich bei dem Entsatze von Wien 1683 und dann in den nächstfolgenden Feldzügen bis 1687 mehrfach so brav gehalten haben, daß ihm im letzgenannten Jahre das Commando der wichtigen Festung Gran anvertraut wurde. Später betheiligte er sich, wenngleich schon damals infolge einer im Kampfe mit den Türken erlittenen Verwundung etwas hinkend, an den Unternehmungen des Herzogs Karl von Lothringen, 1688 befand er sich unter Kurfürst Max Emanuel von Baiern vor Belgrad, wo er mit seinen Reitern die Türken zum Verlassen der ersten Laufgräben zwang. Besonders genannt wird er auch in den Schlachten bei Batočina (Patačin) an der Morava am 30. August und bei Nissa (Nisch) am 24. September 1689. Für sein Verhalten in dem letztgenannten Kampfe wurde P. vom Kaiser mit einem „Allerhöchsten Dankbriefel“ ausgezeichnet, worauf er im J. 1690 zum Generalfeldwachtmeister vorrückte und noch in diesem Jahre bei Belgrad, 1691 bei Slankamen nächst Peterwardein anerkennenswerthe Dienste leistete. Nun folgten rasch nacheinander Pálffy’s weitere Ernennungen: 1692 zum Feldmarschalllieutenant und Commandanten von Kaschau, 1693 zum Obristlandeskämmerer in Ungarn, 1694 zum Obergespan und Schloßhauptmann von Preßburg, 1699 zum Feldzeugmeister, 1700 zum wirklichen geheimen Rath, 1701 zum Kronhüter und Obrist der kaiserlichen Leibgarde zu Fuß (Trabantengarde), 1711 zum Obriststallmeister der Kaiserin Eleonore und zum Ritter des goldenen Vließes, 1713 zum Palatin von Ungarn, 1718 zum Generalfeldmarschall. Auch während dieser Zeit ist P. wiederholt bei der Bekämpfung der Türken mit guten Erfolgen thätig gewesen; ferner erwarb er sich überdies große Verdienste um die Vertheidigung Ungarns dadurch, daß er eine zweckmäßige und rasche Bewaffnung der Truppen bewirkte und für entsprechende Vorräthe in den königlichen Land- und Feldzeughäusern sorgte; von vorwiegender Bedeutung scheint aber sein Eingreifen auf dem Gebiete der Landesverwaltung und dann auf jenem der Staatsgeschäfte gewesen zu sein. In letzterer Hinsicht ehrt ihn vor Allem seine im Vereine mit dem Cardinalerzbischofe von Kalocsa Emerich Graf Czaky in der Preßburger Landtagssitzung am 30. Juni 1722 zu Stande gebrachte einhellige Annahme der pragmatischen Sanction, denn hiemit hatte er zur Durchführung eines der hervortretendsten geschichtlichen Acte wesentlich beigetragen und wie Kaiser Karl VI. im Handschreiben vom 4. Juli 1722 „seinem Nickerl“ bekannt gibt, dessen väterlichen Wunsch vorzüglich gefördert. Von gleichfalls nicht geringer Erheblichkeit war andererseits Pálffy’s vertraulicher Briefwechsel mit dem Prinzen Eugen von Savoyen über die Art des Umsichgreifens des Aufstandes unter Rákoczy in der Zeit von 1704 an. P., welcher seit dem Jahre 1680 mit Elisabeth, geborener Freiin von Weichs verehelicht gewesen und mit ihr die sogenannte ältere Nikolaische Linie des Geschlechtes P. begründet hatte, starb zu Preßburg und wurde in der im Franziskanerkloster zu Malaczka befindlichen Familiengruft beigesetzt. [78] Nach hinterlassenen Aufzeichnungen seiner Zeitgenossen bewahrte P. zeitlebens gesinnungstüchtige patriotische Charaktereigenschaften, sanftmüthigen und freigebigen Sinn und war als Kenner der Wissenschaften stets bemüht, gelehrte Bestrebungen zu unterstützen. Namentlich bemerkenswerth in letzterer Richtung ist Pálffy’s Begünstigung des eine Zeit lang mißverstandenen und angefeindeten, später aber vom Kaiser und Papste auszeichnend geachteten lutherischen Geistlichen und Historiographen, Mitgliedes der Akademieen von Berlin, London und Petersburg, Mathies Bel, † 1749.

Wurzbach, Biogr. Lex. d. Kaiserth. Oesterr. 21. Th. Wien 1870. – Arneth, Pz. Eugen von Savoyen. 1. Bd. Wien 1858. – Hormayr und Medniansky, Taschenbuch für vaterländ. Gesch. 9. Jahrg. Wien 1828. – Schweigerd, Oesterreichs Helden u. Heerführer. 2. Bd. Wurzen 1853. – Reilly, Biogr. d. berühmtesten Feldh. Oesterreichs. Wien 1813. – Mittheilungen des k. k. Kriegsarchivs, Feldzug 1689. Wien 1877.