ADB:Parthey, Gustav

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Artikel „Parthey, Gustav Friedrich Konstantin“ von Fritz Jonas in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 189–191, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Parthey,_Gustav&oldid=2503739 (Version vom 22. November 2017, 14:19 Uhr UTC)
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Parthey: Gustav Friedrich Konstantin P., Philologe und Buchhändler, geboren am 27. October 1798 zu Berlin, † zu Rom am 2. April 1872. Sein Vater, Daniel Friedrich P., ursprünglich ein Leineweber, hatte sich zum Hofrath im Generalfinanzdirectorium hinaufgearbeitet, die Mutter war die älteste Tochter Friedrich Christoph Nicolai’s (s. A. D. B. XXIII, 580). Sie starb bereits 1803, und der Vater heirathete in zweiter Ehe die Wittwe seines verstorbenen Schwagers David Nicolai, Charlotte geborene Eichmann. Gustav P. hatte eine Schwester Lilli, die später den Componisten Bernhard Klein (s. A. D. B. XVI, 78) heirathete, und einen Stiefbruder Moritz. Nach dem Besuch der Hartung’schen Privatschule und des Gymnasiums zum Grauen Kloster, das er als primus omnium Ostern 1818 verließ, bezog er die Universitäten Berlin und Heidelberg, wo er bereits am 12. August 1820 promovirte. Den nächsten Winter verbrachte er in Paris und lernte im Hause der Herzogin von Kurland [190] (s. A. D. B. V, 357) viele berühmte Personen der vornehmen Gesellschaft kennen. Wiederholte Reisen durch Deutschland, Frankreich, England, Italien, Griechenland, Aegypten und Palästina bereicherten seine Kenntnisse und förderten seine wissenschaftlichen Arbeiten. Er hatte Sinn und Verständniß für die bildenden Künste und die Musik, eine große Bücherkenntniß und regen Eifer zum Sammeln auf mehreren Gebieten der Kunst und Wissenschaft. Die Anregung und den Grundstock zu den Sammlungen gaben ihm die reiche Bibliothek und die Gemälde, Kupferstiche und Handschriften des Großvaters Nicolai, die er mit der ihm vom Großvater überkommenen „pedantischen Ordnungsliebe“ hegte und ergänzte. Nur schade, daß bei der Fülle seiner Interessen keine einzelne der Sammlungen einen hervorragenden wissenschaftlichen Werth erhielt. Sie galten ihm mehr als Mittel zur Förderung seiner eigenen Bildung und zur Erinnerung an seine Reisen. Wie aber Nicolai seine Bibliothek allezeit gern den Freunden öffnete und auf die Vignette, die er in alle seine Bücher klebte, die Inschrift gesetzt hatte: Nicolai et amicorum, so hat auch P. stets seine Sammlungen Gelehrten auf das gefälligste zur Benutzung freigegeben und viele durch bereitwillige Auskunft unterstützt. Auch hat er, und zwar ebenfalls nach Nicolai’s Vorgange, wiederholentlich hunderte, ja tausende von Büchern an öffentliche Sammlungen geschenkt, so an die königl. Bibliothek in Berlin, das geheime Staatsarchiv, die deutsche Bibliothek in Flensburg, die Universitätsbibliothek zu Straßburg und das archäologische Institut zu Rom. Seine wissenschaftlichen Arbeiten gehörten bald dem einen, bald dem andern Felde der Forschung an. Es sind meist sehr fleißige, registrirende Arbeiten, in denen oft ein großer gelehrter Apparat gewissenhaft und umständlich beigebracht wird auf Gebieten, die bisher noch wenige Bearbeiter gefunden hatten. Gerade solche Arbeiten entsprachen seiner stillen Natur, während scharfe Kritik oder gar Polemik ihm völlig fern lagen. Auch im äußeren Leben suchte er nie hervorzutreten. Davon hielt ihn eine ihm angeborene Zaghaftigkeit und Schüchternheit zurück, die er selbst öfters nach seiner Bescheidenheit beklagt hat. Die Verwaltung der Nicolaischen Buchhandlung, die er seit seines Vaters Tode (1825) führte, nahm nicht allzuviel Zeit in Anspruch, da er zuverlässige Geschäftsführer hatte. Sein Hauptberuf war ihm sein Privatstudium und der Verkehr mit gelehrten und kunstsinnigen Freunden. Im J. 1824 verheirathete er sich mit Wilhelmine Mitterbacher aus Karlsbad, mit der er bis zu seinem Tode in glücklicher Ehe lebte. Ihr ist auch der erste Band seiner Wanderungen durch Sicilien und die Levante in einem herzlichen Gedichte gewidmet. 1837 ward er zum Mitgliede des litter. Sachverständigen Vereins und 1857 zum Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften berufen.

Außer einzelnen Abhandlungen in Gubitz’ Gesellschafter, C. Köster’s zerstreuten Gedankenblättern über Kunst, Berghaus’ Annalen der Erdkunde, in den Annali del Instituto Archeol., Jahrbüchern für wissenschaftliche Kritik, Monatsberichten der geographischen Gesellschaft, in Brandes’ litterarischer Zeitung, in der deutschen morgenländischen Zeitschrift, im Archiv für die zeichnenden Künste, im Serapeum und Hermes und den Monatsberichten der Akademie u. s. w., sind namentlich folgende Werke hier zu erwähnen: Millin, mythologische Gallerie, aus dem Französischen übersetzt (1820). „De Philis insula commentatio“ (1830). „Siciliae antiquae tabula“ (1834). „Wanderungen durch Sicilien und die Levante“, 2 Bde. und Bildertafeln (1834–1840). „Das alexandrinische Museum“ (1837. Preisschrift mit einer goldenen Medaille gekrönt). „Vocabularium coptico-latinum et lat-copt.“ (1844). „Itinerarium Antonini Augusti“ (1847, mit Pinder zusammen). „Wenzel Hollar. Beschreibendes Verzeichniß seiner Kupferstiche“ und „Kurzes Verzeichniß der Hollar’schen Kupferstiche“ (1853). „Hermetis Trismegisti Poemander“ (1854). „Die Bildersammlung in Rudolstadt“ (1857). „Iamblichi de [191] mysteriis liber“ (1857). „Ravennas und Guido“ (1860, mit Pinder zusammen). „Deutscher Bildersaal“ (1861–1864). „Eusebii Pamphili Onomasticon“ (1862, mit Larsow zusammen). „Hieroclis synecdemus“ (1866). „P. Melae de chorographia libri tres“ (1866). „Mirabilia Romae“ (1869). „Dicuili liber de mensura orbis terrae“ (1869). Außerdem sind noch zu nennen das Verzeichniß der Mitarbeiter an der Deutschen Allgemeinen Bibliothek (1842, vom Lehrer Wetzel zusammengestellt) und die als Manuscript für Freunde herausgegebenen anregenden Schriften: „Ein verfehlter und ein gelungener Besuch bei Goethe“ (1862, neu abgedruckt 1883) und „Jugenderinnerungen“, 2 Theile (1871) mit dem für ihn bezeichnenden Motto: bene qui latuit, bene vixit.