ADB:Petri, Victor Friedrich Leberecht

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Artikel „Petri, Victor Friedrich Lebrecht“ von Paul Zimmermann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 527–528, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Petri,_Victor_Friedrich_Leberecht&oldid=- (Version vom 22. Juli 2019, 21:03 Uhr UTC)
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Petri: Victor Friedrich Lebrecht P., geboren zu Bernburg am 21. Februar 1782, † am 4. Februar 1857, Sohn Joh. Fr. Petri’s, der noch im November 1782 von Bernburg als Prediger der reformirten Gemeinde nach Braunschweig übersiedelte († 1830). Hier besuchte P. 1790–97 das Gymnasium Catharineum und darauf das Collegium Carolinum. So auf das Gründlichste vorbereitet, bezog er behufs Studiums der Theologie und Philologie die Universität Helmstedt, wo er am 9. April 1799 immatriculirt wurde und insbesondere an Henke’s Seminarübungen sich betheiligte. 1801 ging er nach Göttingen, wo er sich vorzüglich an Ammon anschloß. Nachdem er dann das erste theologische Examen und eine philologisch-pädagogische Prüfung bestanden hatte, wurde er am 29. September 1802 als Collaborator am Gymnasium zu Bernburg und zugleich als Gehülfsprediger der Pfarre Waldau-Altenburg angestellt. Schon Michaelis 1803 ging er aber als Collaborator an das Gymnasium zu Braunschweig über. 1806 bestand er in Bernburg das zweite theologische Examen; am 21. März 1808 wurde ihm auf eine eingereichte Abhandlung aus der orientalischen Litteratur (in Saadiam Gaonem, Jesaiae interpretem) von der philosophischen Facultät zu Helmstedt ohne mündliche Prüfung die Doctorwürde verliehen. Zu Ostern desselben Jahres rückte er zum ordentlichen Classenlehrer auf und 1809 wurde er auf Verfügung des niedersächsischen Synodalvereins ordinirt, um seinen Vater im Amte zu unterstützen. Daneben hielt er seit Ostern 1815 als Professor am Collegium Carolinum Vorlesungen über Hebräisch und erklärte auch griechische Schriftsteller. Zu Ostern 1821 erhielt er das Directorat des Martini-Gymnasiums. Der Commission, welche zur Verbesserung der Unterrichtsanstalten in der Stadt Braunschweig durch Rescript vom 16. Januar 1827 ernannt wurde, gehörte neben Bode, Henke und Friedemann auch P. an, und der unterm 6. December des Jahres erstattete Commissionsbericht stammte aus seiner Feder. Nachdem die Commission die Schulreform durchgeführt hatte, schied P. mit Neujahr 1828 ganz aus dem Schuldienste aus und beschränkte seine Lehrthätigkeit auf das Collegium Carolinum, wo er schon seit Scheffler’s Tode [528] († 21. Februar 1825) die Zahl seiner Vorlesungen stark vermehrt hatte und Ostern 1827 Mitglied des Directoriums geworden war. Seine Vorträge waren sehr mannigfaltig und betrafen die verschiedensten Gebiete der classischen Philologie, daneben hauptsächlich noch das Hebräische und Arabische. Als nach Michaelis 1835 das Colleg umgestaltet und eine humanistische, technische und merkantilische Abtheilung gebildet wurden, erhielt P. das Directorium der ersten; zu Neujahr 1836 wurde er Hofrath, ein Jahr später Mitglied und am 16. December 1843 Präsident der Commission zur Prüfung der Candidaten des höheren Schulamts; am 1. September 1853 endlich wurde ihm der Titel eines geheimen Hofraths verliehen. Die Universität Göttingen ernannte ihn, der zu wiederholten Malen (wie 1829 und 1836) kirchliche Amtshandlungen in der reformirten Gemeinde aushülfsweise übernommen hatte, im J. 1837 zum Doctor der Theologie. Orden wurden ihm von braunschweigischer und anhaltischer Seite verliehen. Sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum gestaltete sich zu einer Feier, wie sie kaum je einem Gelehrten in Braunschweig zu Theil geworden ist. Noch bis zuletzt körperlich und geistig frisch ist er am 4. Februar 1857 in Braunschweig gestorben. – Seine Gattin Charlotte Sophie, eine Tochter des Oberpredigers Pauli in Ballenstedt, die er am 8. October 1812 heimgeführt hatte, war ihm bereits am 3. September 1846 im Tode voraus gegangen. Von fünf Söhnen haben vier den Vater überlebt, ebenso drei Töchter. – P. war der letzte bedeutende Vertreter der humanistischen Wissenschaft am Carolinum, ein Mann von sehr ausgebreitetem Wissen und staunenswerther Sprachkenntniß. Nicht weniger als vierzehn Sprachen soll er vollständig beherrscht haben. Schriftstellerisch ist er verhältnißmäßig wenig hervorgetreten; auch ist der Einfluß seiner Persönlichkeit und seiner mündlichen Lehre weit bedeutender gewesen, als seine Veröffentlichungen erkennen lassen. Die Anstalt, an der er viele Jahrzehnte wirkte, war ihm fest an’s Herz gewachsen, und nicht ohne innere Erregung trat er stets mit aller Entschiedenheit den Angriffen entgegen, die wiederholt gegen die humanistische Abtheilung des Collegs erhoben wurden, welche seinen Tod allerdings nicht lange überleben sollte. Seine wissenschaftliche Thätigkeit bezog sich vor Allem auf die altclassische und hebräische Litteratur; daneben hat er eine Reihe von Predigten und Gelegenheitsschriften herausgegeben, die sich zum Theil auf die Aufgabe und den Zweck des Carolinums bezogen. Treue Hingabe an seinen Lehrberuf wurde ihm durch innige Verehrung dankbarer Schüler vergolten. Der Grundzug seines Wesens war edle Humanität, sein Wahlspruch: si vis amari, ama. In religiöser Hinsicht war er ein Anhänger der Helmstedter rationalistischen Schule, ein abgesagter Feind jeder mystischen, katholisirenden Richtung. Trotz seiner sonst milden Duldsamkeit scheute er im Kampfe gegen diese, wie seine Streitschrift gegen Dr. Geibel in Lübeck, den Vater des Dichters Emanuel Geibel, beweist, selbst eine scharfe Polemik nicht. Seine Schriften sind, jedoch nicht vollständig, bei F. Süpke zum Andenken an V. Fr. L. Petri (Braunschweig 1857) verzeichnet, wo auch Lebensnachrichten über ihn sich zusammengestellt finden, die jedoch nach Obigem zu vervollständigen sind.