ADB:Pfeffel von Kriegelstein, Christian Friedrich

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Artikel „Pfeffel, Christian Friedrich“ von Ernst Martin in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 612–614, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pfeffel_von_Kriegelstein,_Christian_Friedrich&oldid=- (Version vom 13. November 2019, 03:11 Uhr UTC)
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Pfeffel: Christian Friedrich P., Historiker und Diplomat. Sein und des Dichters Gottlieb Konrad P. Vater war der Sohn eines Pfarrers zu Mundingen im Badischen; als Hauslehrer nach Straßburg gekommen, trat er, vom Intendanten d’Angervilliers und dem Prätor Klinglin empfohlen, als Jurisconsulte du Roi in den französischen Dienst der auswärtigen Angelegenheiten ein und ließ sich in Colmar nieder, ward hier Stättmeister (Stadtvorsteher) und heirathete eine junge Wittwe. Als ältester Sohn ward P. am 3. October 1726 geboren. Nach dem Tode des Vaters 1738 vollendete er seine Vorbildung noch in Colmar und bezog 1742 die Universität Straßburg. Hier schloß er sich besonders an Schöpflin an, dessen Tischgenosse er auch eine Zeit [613] lang war. Für Schöpflins Alsatia illustrata machte er Quellenforschungen und übernahm die Leitung der historischen und politischen Studien mehrerer an Schöpflin empfohlener junger Edelleute des Auslands. 1749 wandte sich der sächsische Hof an Schöpflin um rechtsgelehrten Beistand für die Ansprüche Sachsens auf die Grafschaft Hanau-Lichtenberg: mit Schöpflins Empfehlung ging P. zu diesem Zweck nach Paris. Der Gesandte, Graf v. Loos, erwirkte 1750 Pfeffels Ernennung zum Gesandtschaftssecretär. In die nächstfolgende Zeit fällt seine erste litterarische Thätigkeit. Nach dem Vorbild eines 1752 in 4. Auflage erschienenen Werkes von Henault über die französische Geschichte bearbeitete er die deutsche Reichsgeschichte in tabellarisch-chronologischer Form. Diese zu ihrer Zeit mit großem Beifall aufgenommene Arbeit erschien zuerst 1754 zu Paris, unter dem Titel „Abrégé chronologique de l’histoire et du droit public d’Allemagne“, in 4. Aufl. 1777, in deutscher Uebersetzung 1761. P. war inzwischen dem Grafen Loos 1753 nach Dresden gefolgt und hier in den Dienst des Grafen Brühl getreten. Diesen begleitete er 1754 nach Warschau und war in Brühl’s Auftrag für jene Politik thätig, welche zum siebenjährigen Kriege führte. Bei der Capitulation in Pirna 1756 befand er sich im Gefolge des Königs. Dann führte er den jungen Grafen Brühl nach Straßburg und besuchte selbst Paris. 1758 als Legationsrath nach Warschau berufen, ward er durch den französischen Minister Bernis als französischer Unterthan reclamirt und in französischen Diensten an den Reichstag in Regensburg geschickt. Aber schon 1761 ward er entlassen und trat nun in die Dienste des Herzogs von Zweibrücken, seines Taufpathen, der ihn zum Residenten in München ernannte. Hier verschafften ihm seine historischen Untersuchungen zur bayerischen Geschichte 1763 die Wahl zum Director der historischen Classe der neuerrichteten Akademie. An den „Monumenta Boica“ nahm er insbesondere durch Erforschung der in den Klöstern verwahrten Urkunden wesentlichen Antheil. Im ersten Band der Abhandlungen gab er eine Darstellung der Grenzen des bayrischen Nordgaus im 11. Jahrhundert mit Karte. 1767 ward er wieder nach Versailles berufen und erhielt die einst für seinen Vater geschaffene Stelle eines Jurisconsulte du roi. Als solcher war er namentlich bei der Grenzregulirung gegen die Niederlande und Deutschland thätig. Ludwig XVI. hielt sehr viel auf P., den der Minister Vargennes mes archives vivantes nannte. In der That hat dieser nicht blos als Diplomat im Dienste Frankreichs und seiner Alliirten dessen Interessen treu, discret und thätig vertreten. Auch als Publicist hat er in Schlözers Staatsanzeigen vom IV. bis zum XIII. Bande Frankreichs Verhältnisse, insbesondere seine finanziellen unter Necker in einem günstigeren Lichte erscheinen lassen, als man in Deutschland nach den allgemeinen Anschuldigungen durch Rousseau u. a. geneigt war anzunehmen. So kam denn auch der „Austrasier“, unter welchem Namen P. sich verbarg, mit deutschen Publicisten in Conflict, in welchem ihm jedoch die genauere Kenntniß der wirklichen Verhältnisse zur Seite stand. Eine historische Darlegung der von ihm erlebten Ereignisse lehnte er auch später ab. Als die Revolution ausbrach, war er in Geschäften in Zweibrücken; sein Gesuch um Entlassung 1791 führte 1792 zur Absetzung. Er ward auf die Emigrantenliste gesetzt und verlor sein in Landgütern[WS 1], insbesondere im Oberelsaß angelegtes Vermögen. Er lebte dann in Mannheim, bis ihn 1799 der neuausbrechende Krieg zwischen Frankreich und Oesterreich zur Uebersiedelung nach Nürnberg veranlaßte. 1800 ward ihm die Rückkehr nach Paris gewährt und Talleyrand war bemüht, ihn für seine Verluste zu entschädigen. Als Ritter der Ehrenlegion und Mitglied der Commission für das Rheinschiffahrtsoctroi, verlebte er die letzten Jahre in behaglichen Verhältnissen, von seiner trefflichen Gattin gepflegt. Der Tod raffte ihn, der stets gesund gewesen war, sanft hinweg am 20. März 1807. Von seinen Söhnen [614] ist Christian Hubert (Baron P. von Kriegelstein), geb. zu Straßburg 1765, gestorben als baierischer Gesandter zu Paris 1835, mit der These Limes Galliae, Straßburg 1785, schriftstellerisch aufgetreten.

Nachruf von Schlichtegroll in der ersten öffentlichen Sitzung der Akademie zu München nach ihrer Erneuung 28. Sept. 1807; – von August Stöber, Chr. Fr. Pfeffel, der Historiker und Diplomat, Mülhausen 1859 wieder abgedruckt, zusammen mit einem Nekrolog von Degérando im Moniteur Universel 1807. – Ueber Chr. Hubert P., s. Stöber in der Revue d’Alsace 1859, S. 210.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. z. B. das „Schlössel“ in Fortschwiler.