ADB:Ramberg, Arthur Freiherr von

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Artikel „Ramberg, Arthur Freiherr von“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 203–205, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ramberg,_Arthur_Freiherr_von&oldid=2504709 (Version vom 15. Oktober 2018, 19:47 Uhr UTC)
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Ramberg: Georg Arthur Freiherr v. R., Historien- und Genremaler, wurde als der Sohn des k. k. Feldmarschalllieutenants Georg Heinrich Freiherrn v. R. am 2. September 1819 zu Wien geboren, erhielt, insbesondere durch seine Mutter, eine geborene Baronin v. Seydewitz, eine vorzügliche Erziehung und Bildung, um seinen Eintritt, ebenso bei der militärischen oder diplomatischen Laufbahn vorzubereiten. Auch wurde von Jugend auf fleißig gezeichnet, wozu ein vorübergehender Aufenthalt bei dem Großonkel Johann Heinrich R. in Hannover vielerlei anregende und nachwirkende Gelegenheit bot. Ebenso belebend durch fremdartige Eindrücke wirkte der häufige Garnisonswechsel des Vaters in Ungarn, Siebenbürgen und Böhmen, woselbst der junge R. schließlich die Universität Prag bezog, um Philosophie zu studiren und nebenbei an der Akademie unter Franz Kadlik und Anderen zu zeichnen. Das kunterbunte Durcheinander noch zu vermehren, sendeten die Eltern den in ganz aristokratischen Alluren schwimmenden Jüngling ein Jahr lang auf Reisen, wodurch seine Sehweite und Beobachtungsgabe ebenso wie seine chevalereske Tournure weitere Nahrung fand. Schließlich siegte über die übrigen noblen Passionen doch der Entschluß sich ganz der Malerei zu widmen und R. ging zu Hübner nach Dresden (1844). Hier entspann sich ein ebenso interessanter wie intimer Verkehr mit Semper und Rietschel, Hähnel, Schnorr, Bendemann, Alfred Rethel, Ludwig Richter, den Musikern Richard Wagner, Robert Schumann, Hiller, mit den als Mimen gefeierten beiden Devrients, mit den Dichtern B. Auerbach, G. Freytag, Gutzkow, Julius Hammer und unzähligen Anderen. Am wichtigsten wurde für R. die Hinweisung auf den damals noch weniger bekannten Moritz v. Schwind, welche R. seinem Freunde Hähnel verdankte. Sein Vorbild zeigte sich in Ramberg’s erstem Bilde, dem „Hochzeitslied“ (nach Goethe) mit dem höchst humoristisch erfundenen Zwergen-Gewimmel. Das Sturmjahr 1848 und 1849 brauste über Dresden und den dortigen Freundeskreis in bekannter Weise und bot für R. Stoff zu zahlreichen Caricaturen. Doch fand der junge, in jeder Saison als Dandy glänzende Künstler noch Zeit und Muße zu ernsterem Schaffen, insbesondere zu einem historischen Bilde „Rückkehr Kaiser Heinrichs I. aus der Ungarn-Schlacht bei Merseburg“ (für Graf Hohenthal in Püchau), dessen Vollendung übrigens durch einen unfreiwilligen, infolge eines Pistolenduells mit Uffo Horn eingetretenen halbjährigen Festungsarrest auf dem Königstein verzögert wurde. Im J. 1850 übersiedelte R. mit seiner jungen Frau, einer Tochter des Buchhändlers Fleischer aus Leipzig, nach München. Hier näherte sich R. insbesondere mit dem „Ständchen“ (1852, lithogr. von Becker) und einem „Elfenleben“ (1858) der Richtung von Moritz v. Schwind. In ersterem Bilde kauert ein Zwerg neben seiner [204] Laterne in der Felsenecke und singt zur Laute; Nixen und Elfen schweben zwischen Baumwipfeln über einer Quelle im bläulichen Mondlicht, welches einen wirksamen kalten Gegensatz zum unteren röthlich-gelben Lichtschimmer bildet. Alsbald verband unseren Künstler eine innige Freundschaft mit den jungen, gleichstrebenden Karl Piloty, Theodor Horschelt und Franz Adam, welche einen von den übrigen Kunstgenossen sehr abstechenden chevaleresken Ton liebten und eine kleine, fast aristokratische Körperschaft bildeten, was sie jedoch nicht hinderte, Wildschützen, holde Sennerinnen und dralle Bäuerinnen, kurz echte Dorfgeschichten zu malen und zwar in einem der Düsseldorfer-Süßigkeit widersprechenden gesunderen Realismus, welcher natürlich ebenso viele Gegner wie zuvorkommende Bewunderer fand. Die anfänglich inhaltlich ganz unbedeutenden Stoffe, wie Ramberg’s „Dachauerinnen am Sonntag“ (1853), „Morgenandacht“ (1855, in der neuen Pinakothek zu München), „Landleben“, „Liebes-Erklärung“ und „Brunnenscene“ (1855), konnten nur durch ihre entschiedene Charakteristik und frische Technik interessiren; dazu gehörte auch der alsbald durch Geyer’s Stich vielverbreitete „Spaziergang mit dem Hofmeister“, welcher 1856 um den (heutzutage unbegreiflichen) Preis von 400 Gulden vom Kunstvereine angekauft wurde! Viel glücklicher und das ächte Volksleben warm erfassend, sind die Holzschnittzeichnungen Ramberg’s zu Auerbach’s und Nieritz’ Kalendern und die Titelblätter zur „Bavaria“, die freilich ohne dessen Fähigkeit zu erreichen, aber mit glätterer Form an Ludwig Richter’s Vorbild gemahnen. Sie bezeichnen den Uebergang zu Ramberg’s nachmaliger Thätigkeit als Illustrator unserer deutschen Classiker, womit der Künstler erst den vollen Ruf und Ruhm seines Namens begründete. Nach fünfjähriger Ehe verlor R. seine Gattin und schloß dann 1857 eine zweite mit Emma v. Schanzenbach; drei Jahre darauf erfolgte seine Berufung an die damals neuorganisirte Kunstschule in Weimar. Daselbst malte er im Auftrage König Max II. das große historische Bild „Kaiser Friedrich II. Hofhalt in Palermo“ – in Composition und Farbe eine gleich vorzügliche Schöpfung, welches der Weltgeschicht-Galerie im Münchener Maximilianeum einverleibt wurde. Aber der große historische Styl war nicht nach Ramberg’s Geschmack; es zog ihn zu dem stilleren Genre, das sich sogar mit der Reparatur eines „Zerbrochenen Kinderschlitten“ begnügte. Am besten gelangen ihm kleine Scenen humoristischen Charakters mit schalkhafter Grazie. So die „Liebeserklärung“, das „Verstecken“, „Nach dem Maskenball“ (1858), die „Gratulation“ und jene Idyllen, wie die berühmte „Begegnung auf dem See“, „Einladung zur Fahrt“ und die „Rose am See“, die man gemalte „Lieder ohne Worte“ nennen könnte. Hierher gehören auch die Illustrationen, welche R. zur Cotta’schen Jubiläums-Ausgabe der Gedichte Schiller’s lieferte. Diese sind höchst reizend, eigenartig und poetisch congenial, wenn R. beispielsweise im „Punschlied“ mit einer lustigen Gesellschaft von je zwei Damen und Herren die vier Bestandtheile des Punsches charakterisirt und in einem der Männer Schiller selbst als den „Geist“, in dem anderen, einem leeren Schwätzer, den „sprudelnden Wasserschwall“ personificirt, während eine junge, weiche, schmelzend süße Blondine den „Zucker“ so unübertrefflich darstellt, wie eine ältere pikante Brünette die Citrone.

Von gleicher Feinheit der Empfindung zeigen Ramberg’s Oelbilder, darunter die „Vorlesung aus Wieland“ (gestochen von Deininger), das Concert „Nach Tisch“ (Neue Pinakothek), insbesondere aber die grau in grau für die photographische Reproduction ausgeführten Bildercyclen zu Goethe’s „Hermann und Dorothea“, und zur „Louise“ von Voß. Hier gelang es dem Maler mit dem behaglichen Wirth, dem wortweisen Pfarrherrn, insbesondere aber dem ihr Stiergespann leitenden, hochgemutheten edlen Mädchen, wahre Typen aufzustellen, welche lange nicht überboten werden dürften. Gleichzeitig begann er mit seinem Freunde [205] Fr. Pecht die Herausgabe einer „Schiller-“ und „Goethe-Gallerie“ (gestochen von Gonzenbach, Rordorf, Neumann, Schultheiß, Jacquemont, Geyer u. A.), welche meist in einzelnen Halbfiguren die Hauptpersonen dieser classischen Dichtergestalten vorführen.

In München, wohin R. schon 1866 als Professor an die Akademie berufen worden war, sammelte der Künstler eine Reihe von Schülern, welche insgesammt und obwol jeder von ihnen in der Folge seine eigenen Wege ging, doch ihrem Meister zur Ehre gereichten, darunter z. B. Leibl, Keller, Rasch, Spangenberg, Hirth, Herpfer, Shirlaw, Watter u. A. Mitten in diesem vollen, fröhlichen Schaffen erlag R. am 5. Februar 1875, nach kaum dreitägigem Krankenlager, einer mit ungewöhnlicher Wuth ausgebrochenen Diphteritis, wozu sich noch ein heftiges Scharlachfieber gesellte. Sein seltener Formen- und Schönheitssinn, verbunden mit dem gründlichen Studium und einer höchst vollendeten, virtuosen Technik des Vortrags – alle diese Vorzüge reihen unseren Künstler zu den geschmackvollsten und gediegensten Genremalern aller Zeiten. Seine Freunde errichteten ihm auf dem südlichen Friedhof ein Grabdenkmal mit einer Porträtbüste von Julius Zumbusch (Guß von Hörner). Sein im Kunstantiquarfach, namentlich an Stoffen, Kleidern und Waffen überaus reiche Seltsamkeiten bietender Nachlaß wurde in einer sehr animirten Auction versteigert.

Vgl. Wurzbach 1872, 24 S. 305 ff. – Reber 1876, S. 689 ff. – Fr. Pecht in Beil. 43 Allg. Ztg. 1875 und in Ueber Land und Meer 1875, S. 474 ff.