ADB:Ratjen, Henning

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Artikel „Ratjen, Henning“ von Carsten Erich Carstens in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 27 (1888), S. 364–365, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ratjen,_Henning&oldid=- (Version vom 21. Juli 2019, 07:42 Uhr UTC)
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Ratjen: Henning R., Professor und Universitätsbibliothekar. Er war geboren im Dorfe Homfeld, Kirchspiels Nortorf in Holstein am 10. October 1793. Vom Ortsprediger vorbereitet, bezog er 1810 das Kieler Gymnasium und studirte dann von 1814 an daselbst die Rechte, welche Studien er 1817 und 1818 auf der Berliner Universität fortsetzte. Er war dann ein Jahr Hauslehrer und unterwarf sich darauf dem juristischen Amtsexamen in Glückstadt, das er glänzend bestand. Hierauf ward er 1820 Advocat in Kiel, promovirte daselbst 1823 zum Dr. juris („Diss. de mora secundum juris Romani principia“, Kiel 1824) und habilitirte sich als Privatdocent, las Institutionen und Pandekten. 1826 ward er zum Unterbibliothekar an der Universitätsbibliothek ernannt, welchem Beruf er von da an meist sein Leben gewidmet und als welcher er sich große Verdienste erworben hat. Seine Vorlesungen beschränkte er seitdem auf juristische Litteratur und Controversen, sowie allgemeine Litteratur und Bücherkunde. 1830 ward er zum prof. extraord. in der philosophischen Facultät ernannt, 1833, nach des Oberbibliothekars Kramer Abgang zum Bibliothekar und prof. ord. Ein Unterbibliothekar wurde nicht wieder ernannt. Die philosophische Facultät ernannte ihn honoris causa zum Dr. philos. 1835 ward er zugleich Secretär der fortwährenden Deputation von Prälaten und Ritterschaft, 1840 Ritter vom Danebrog, 1844 Syndicus für Prälaten und Ritterschaft, 1847 königl. Etatsrath. 1848 ward er zum Abgeordneten zur schlesw.-holst. Landesversammlung gewählt von seinem Heimathsdistrict, 1854 zum Mitglied [365] der holstein. Ständeversammlung vom akademischen Consistorio gewählt, im selben Jahre auch Danebrogsmann, 1862 königl. Conferenzrath. Von dem Könige von Preußen wurden ihm bei verschiedenen Anlässen höhere Grade des Kronenordens und des preußischen Adlerordens (II.) zuertheilt. Er feierte am 11. Januar 1873 sein 50jähriges Dienstjubiläum, ward auf sein Ansuchen 1875 als Universitätsbibliothekar entlassen, verblieb dabei Mitglied seiner Facultät, ohne jedoch Vorlesungen zu halten. Er starb am 21. Januar 1880 als Senior der Universität.

Als Bibliothekar hat er sich große Verdienste erworben. Er veranlaßte 1834 die Uebersiedelung der Universitätsbibliothek aus den oberen in die unteren Räume des Schlosses, und da bei dem Schloßbrande 1838 die Bibliothek total in Unordnung gerieth, hat er wiederum dieselbe neu ordnen lassen. Er war als Bibliothekar stets zu Dienst und Handreichung bereitwillig. Er ist als Vorstandsmitglied des Vereins für schlesw.-holst. Alterthümer und als langjähriger Präsident der Gesellschaft für schlesw.-holst. Geschichte bis 1864 thätig gewesen. Außer seiner Doctordissertation erschien von ihm für seine Fachwissenschaft: „Hat die stoische Philosophie bedeutenden Einfluß auf die in Justinians Pandecten excerpirten juristischen Schriften gehabt?“ 1839 und erweitert in Sell’s Jahrbüchern III, 1844 und ein Universitätsprogramm 1855: „Vom Einfluß der Philosophie auf die Jurisprudenz“. Nachr. über Raymundus summa de matrimonio in Savigny’s Geschichte des Röm. Rechts, Bd. VI. In Rudorff’s Zeitschr. f. Rechtsgeschichte VIII, 2: Die Ordner des röm. Rechts. Er übersetzte aus dem Dänischen Molbech’s Bibliothekswissenschaft, 1833, verfaßte das Verzeichniß der Handschriften der Kieler Universitätsbibliothek betr. die Herzogthümer Schleswig-Holstein in 3 Bdn., ein sorgfältig gearbeitetes, überaus nützliches Werk, Zusätze im Universitätsprogramm 1873 und in der Zeitschr. der Gesellschaft für Geschichte, Bd. V, lieferte viele Beiträge zur Geschichte der Universität, die wieder zusammengefaßt sind in Geschichte der Universität Kiel, 1870. Desgleichen zur speciellen Vaterlandskunde eine Reihe vortrefflicher Biographien von v. Berger 1835, A. W. Cramer mit dessen kl. Schriften 1837, Kleuker 1842, Pfaff 1854, Dreyer und v. Westphalen 1861, Joh. und Heinr. Rantzau 1862, N. Falk 1851 und mehrere in den einheimischen Zeitschriften und Zeitblättern, sowie Beiträge zur Specialgeschichte, zum Theil unter Benutzung der Bibliothekshandschriften.

Lübker-Schröder. Alberti, Schriftstellerlex. u. Fortsetz. s. v. Kieler Zeitung 1875 vom 1. November. – Chronik der Univ. Kiel für 1881 von Dr. F. Volbehr. Kiel 1882, S. 4.